Interview

Christian Beekhuis: „Geselliger Typ? Kann man so sagen“

„Wir woll’n den Beku sehn’“, fordern die Schlachtenbummler des SC Drolshagen beim entscheidenden Bezirksligaspiel in Salchendorf. Sie werden erhört. Beku alias Christian Beekhuis (rechts) wird eingewechselt und glänzt nach dem Schlusspfiff als Dirigent.

„Wir woll’n den Beku sehn’“, fordern die Schlachtenbummler des SC Drolshagen beim entscheidenden Bezirksligaspiel in Salchendorf. Sie werden erhört. Beku alias Christian Beekhuis (rechts) wird eingewechselt und glänzt nach dem Schlusspfiff als Dirigent.

Foto: Lothar Linke

Drolshagen.  Seit er laufen kann, spielt Christian Beekhuis für den SC Drolshagen Fußball. Genau gesagt: Seit der D-Jugend.

Doch ausgerechnet jetzt, da der Verein erstmals in seiner Geschichte Landesliga spielt, muss der 35-Jährige verletzt pausieren. Wir sprachen vor dem Saisonstart mit dem Urgestein und Publikumsliebling.

Es muss Ihnen doch in der Seele weh tun, wenn Sie fast ein Vierteljahrhundert beim SC Drolshagen gespielt haben. In der Kreisliga A, in der Bezirksliga. Aufstieg, Abstieg. Und jetzt, da es in der Landesliga los geht, sind Sie nicht dabei…

Christian Beekhuis: Jein. Wir sind stolz darauf, dass wir das geschafft haben. Da haben einige gedacht: Das wäre jetzt ein krönender Abschluss und dass man das Ganze mit diesem Aufstieg beendet. Andererseits ist Landesliga schon eine Motivation. Für die erste Elf wird es womöglich nicht mehr reichen. Aber ein paar Minuten da noch mit zu kicken, das wäre schon ganz schön, auf jeden Fall.

Beim Meisterstück im Mai, im entscheidenden Spiel in Salchendorf, wurde Ihre Einwechslung lautstark gefordert. Mit „Wir woll’n den Beku sehn’, wir woll’n den Beku sehn’...“

Das ist mein Spitzname, eine Kurzform von Beekhuis. Ja gut, wenn man so lange dabei ist, dann kennt einen jeder, und jeder weiß um die Geschichte mit dem Kleeblatt des Jahres. Das ist ja eine Auszeichnung dafür, dass man viele Dinge nebenher noch für den Verein tut. Die Leute wussten, dass ich in der Rückrunde häufig verletzt war, dann denken sie vielleicht: Könnte das letzte Mal sein, dass wir den Beku sehen.

Ein echter Kultspieler...

Es gab manchmal solche Momente. Ich kann mich mal an ein Spiel in Hillmicke erinnern. In der Kreisliga. Ein Endspiel. Wir mussten einen Punkt holen, damit wir Ester werden. Hätte Hillmicke uns geschlagen, wären wir nur Zweiter geworden. Da wurden Patrick Stamm und ich auf dem Platz empfangen mit Sprechchören „Stammi in den Zoo“ und ich mit „Hurra, hurra, der Pumuckl ist wieder da“.

Wegen Ihrer roten Haare?

Genau (lacht). Aber das war ganz witzig. Den Patrick kannte jeder, der war der gefürchtete Goalgetter. Die, die kicken konnten, wurden immer mal so in diese Sprechchöre eingebaut gewissermaßen. Wenn man 15 Jahre Erste Mannschaft gespielt hat, dann kann das passieren.

Aber gefreut haben Sie diese Sprechchöre in Salchendorf? Im Amateurfußball sind die ja nicht alltäglich...

Ja, auf jeden Fall. Das war ein schönes Gefühl. Wir standen Minuten davor, den Aufstieg perfekt zu machen. Fünf Leute liefen sich warm, jeder von denen will natürlich bei dem Erfolg auf dem Platz stehen. Umso schöner war es, dass ich da gefordert werde und tatsächlich eingewechselt werde.

Sie wurden Anfang des Jahres vom SC Drolshagen mit dem „Kleeblatt des Jahres“ ausgezeichnet. Eine vereinsinterne Ehrung. Was hat es damit auf sich?

Das bekommt man, wenn man sich nebenher noch einsetzt. Ich organisiere Mannschaftsfahrten, Mannschaftsabende, die Mannschaftskasse. Ich bin Ansprechpartner, schließlich spiele ich mit Leuten zusammen, die gerade 18, 19 oder 20 Jahre sind. Ich denke, dass das der Grund für die Ehrung ist. Es sind halt einige Aufgaben mehr, als nur zum Training und zum Spiel zu gehen.

Viel Ehre - gibt’s auch eine Schwäche des Christian Beekhuis? Bei der auch Sie als Trainer sagen würden:, Das muss man schleunigst abstellen.

Ich muss mal eben überlegen. Was ich als Trainer möglicherweise an mir kritisiert hätte, war meine Art der Spielvorbereitung. So samstags. Das ließ vielleicht manchmal zu wünschen übrig.

Sie sind ein geselliger Typ?

Das ist human ausgedrückt. Kann man aber so sagen.

Sie haben viele Trainer erlebt. Würden Sie einen hervorheben?

Jeder hatte seinen eigenen Charakter. Oliver Kalisch hatte drei Amtszeiten hier, mit ihm habe ich eindeutig die meiste Zeit verbracht. Zehn von 15 Jahren, das ist dann schon was anderes als eine normale Laufzeit, die ein Trainer so hat. Da ist schon eine Freundschaft entstanden. Markus Niklas ist eine sehr positive Erscheinung gewesen, sehr menschlich. Matthias Würde war sehr wichtig für uns. Bei Holger Burgmann sieht man, dass er eine andere Ausbildung genossen hat, er hat von seinem Wissen her ein anderes Niveau, ein Unterschied zu vielen anderen Trainern. Jetzt, da das sportliche Niveau höher wird, hat der Verein den richtigen Trainer, um die Spieler weiter zu entwickeln.

Wie steht es um Ihre Verletzung?

Ich habe unter der Woche mit dem Lauftraining begonnen, ich habe einen Muskelfaserriss in der Wade. Zum Saisonstart wird das nichts werden.

Ans Aufhören denken Sie nicht, oder?

Was heißt, nicht dran denken - in dem Alter, und wenn man immer öfter verletzt ist, überlegt man natürlich, ob man es vielleicht dran gibt. Aber ich ich bin nicht der Typ, der sagt, ich gehe jetzt ins Fitnessstudio. Ansonsten funktioniert mein Körper ja, ich habe nie großartige Verletzungen gehabt außer ein paar muskuläre Sachen. Deshalb sagt man sich, man kickt weiter. Die Frage ist natürlich auch, ob das für die erste Mannschaft in Drolshagen noch reichen wird.

Ihre Bilanz in Kurzform?

Ich bin zufrieden. Von der Asche bis zum Kunstrasenplatz habe ich alles durchgemacht. Von der Baracke bis zum schönen Klubhaus. Es ist ist wirklich toll geworden dort oben, auch der Nebenplatz. Es hat sich viel entwickelt in den Jahren. Genau wie die sportliche Entwicklung verlaufen ist, hat sich auch auf der Anlage jede Menge getan. Wir hatten immer Vorstände, die da viel gemacht haben mit Augenmaß, und die sich dabei nie übernommen haben.

Ihr Tipp für Freitag, für den Auftakt gegen den VSV Wenden?

Wir hoffen auf zahlreiche Unterstützung beim Landesligaauftakt und ich hoffe, dass wir meinem ehemaligen Mitspieler und damaligem Co-Trainer und heutigen VSV-Trainer Manuel Fernholz gehörig in die Suppe spucken können.

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