Fußball

Christian Bölker Vize-Europameister

Die Gehörlosen-Nationalmannschaft mit Christian Bölker (vorne 5. von rechts) nach dem EM-Finale

Die Gehörlosen-Nationalmannschaft mit Christian Bölker (vorne 5. von rechts) nach dem EM-Finale

Foto: Privat

Heggen.   Gehörlosen-Bundestrainer Frank Zürn hatte vor Beginn der Europameisterschaft schon ein wenig vom Titel geträumt.

Am Ende sollte es zum ganz großen Wurf nicht reichen. Die deutsche Elf um Torwart Christian Bölker aus Heggen verlor nach einem aufopferungsvollen Kampf das Finale gegen die Ukraine mit 0:2.

Unter den Augen von Vater Peter Bölker, der kurzfristig einen Flug nach Kreta gebucht hatte, konnte auch sein Filius, als erneut starker Rückhalt, die Niederlage im Endspiel nicht verhindern. Peter Bölker:„Die Ukrainer waren eine sehr spielstarke Mannschaft, welche bereits seit drei Monaten regelmäßig trainiert hatten.”

Ausgeglichene erste Halbzeit

Beiden Mannschaften merkte man von Beginn an, was auf dem Spiel stand. In einer ausgeglichenen ersten Hälfte spielte sich das meiste Geschehen in der Hälfte der deutschen Elf ab, ohne das die Ukraine große zwingende Chancen verzeichnen konnte. Bundestrainer Frank Zürn hatte seine Mannschaft in einem 3-5-2 System auf’s Feld geschickt und konnte mit dem Umschalten nach Ballgewinn zufrieden sein. So kam die Offensive um Kevin Bayer (GSV Karlsruhe) und Steven Nowark (GSG Stuttgart) zu guten Einschussmöglichkeiten nach Kontern. Aber entweder bekam man nicht genügend Druck hinter den Ball oder vergab zu überhastet. Viele Standardsituationen und giftige Ukrainer, die durch kleine Provokationen immer wieder das Tempo verschleppten, hemmten die Bemühungen der Zürn-Truppe.

Die Osteuropäer hingegen versuchten immer wieder durch Weitschüsse für Gefahr zu sorgen. Kurz vor der Pause dann die große Chance für den Gegner der Deutschen. Ein Abwehrspieler hatte sich bei einem langen Diagonalball verschätzt und somit dem ukrainischen Stürmer den Ball auf dem Silbertablett serviert. Doch Christian Bölker parierte erst reflexartig, bevor man die Deutschen den Ball im Verbund klären konnte.

Nach Wiederanpfiff tasteten sich beide Teams erst noch vorsichtig ab. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um die 28 Grad war klar, dass die Truppe mit den größeren Kraftreserven die besten Chancen haben dürfte. In der 55. Minute die dickste Chance der Deutschen. Nach einem Pulk im Strafraum kam der Ball eher glücklich zu Kevin Bayer, welcher den Ball nur wenige Zentimeter neben das Tor tropfen ließ.

Fünf Minuten später die kalte Dusche. Nach einem abgeprallten Ball infolge einer Ecke, nahm sich ein Ukrainer ein Herz und vollstreckte in Ribery-Manier sehenswert im Winkel. Peter Bölker: „Bis dahin ging das Konzept die Ukrainer spielen zu lassen auf.” Die Elf von Zürn berannte nun unermüdlich das gegnerische Tor, konnte aber keine dicken Chancen mehr kreieren. Entweder war in der vielbeinigen Abwehr der Osteuropäer Schluss oder aber die Weitschüsse verpufften wirkungslos. Den Deckel auf die Partie machte der neue Europameister dann in der 75. Minute, als sich ein Ukrainer durch die Zentrale der Deutschen durch drippelte und frei vor Bölker einschieben durfte. Christian und Peter Bölker resümierten kurz nach Spielschluss unisono: „Klar ist ein wenig die Enttäuschung noch da, aber natürlich auch die Freude über das Erreichte.”

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