Schachsport

Corona: Absage trifft Schachverein Drolshagen und 3000 Eier

So war es 2019, so ist es 2020 undenkbar: Großer Andrang beim Ostereier-Turnier des Schachvereins Turm Drolshagen

So war es 2019, so ist es 2020 undenkbar: Großer Andrang beim Ostereier-Turnier des Schachvereins Turm Drolshagen

Foto: Turm Drolshagen

Drolshagen.  Alle Sportveranstaltungen sind wegen Corona abgesagt worden. Und „alle“ bedeutet wirklich „alle“. Das heißt: Auch Schachturniere.

Nun schlägt die Corona-Krise im lokalen Schachsport zu. Seit drei Wochen sind alle Meisterschaftsspiele gestrichen. Schwerwiegender ist da schon ein anderer Ausfall: Der des Ostereier-Turniers. Für Karsamstag hatte der SV Turm Drolshagen zu dieser traditionsreichen Veranstaltung geladen.

Jürgen Harnischmacher, zehn Jahre lang 1. Vorsitzender des Schachvereins und aktuell Mannschaftsführer: „Das Turnier ist sehr beliebt, da kommen immer jede Menge Spieler. Auch von weiter her.“ Auf 60 Erwachsene Schachfreunde kamen die Veranstalter, außerdem fanden 15 bis 20 Jugendliche aus dem südlichen Siegerland den Weg nach Drolshagen.

Nicht in diesem Jahr. Das Turnier ist abgesagt worden. Damit entgeht der Sportwelt erstmals in der 20-jährigen Turniergeschichte eine absolute Rarität. Denn als Siegprämie gibt es kein Geld. Sondern Ostereier. Von glücklichen Hühnern. Die bestellt der SV Turm im Vorfeld des Turniers - je nach Anmeldezahlen. Vorstandsmitglied Achim Tump: „Sobald wir am Turniertag wissen, wie viele Spieler kommen werden, rufen wir den Großhändler an: Wir brauchen heute um 17 Uhr soundsoviele Eier.“

Mit 40 Eiern nach Hause

Der karrt dann mit dem Lkw etwa 3000 Stück aus Schalksmühle an. Hochleistungssport der Hühner im Vorfeld. Achim Tump lacht: „Denk ich nicht. Jedes Huhn schafft nur ein Ei am Tag. Aber der Händler will samstags nicht auf Vorrat produzieren. Er ist ganz froh, wenn er dann noch Eier unter die Leute kriegt. Am Dienstag nach Ostern wird er sie kaum noch los.“

Die Eier dienen nicht dem Vergnügen, vielmehr sollen sie den sportlichen Ehrgeiz anstacheln. Für jede gewonnene Partie gibt es ein Ei. Was maßgeblich zur Beliebtheit des Turniers beiträgt. Jürgen Harnischmacher: „Da geht mancher mit 40 Eiern nach Hause und freut sich, dass er am Karsamstag selbst keine mehr färben muss.“ Oder er bekommt möglicherweise beim Verlassen des Hauses auf den Weg: „Komm’ mir bloß nicht ohne Eier nach Hause...“

40 Eier - das hört sich nach einer gewaltigen Menge an. Aber sie können schnell verdient sein, denn das Event in Drolshagen ist ein Blitzturnier. Da dauert die Partie nur zehn Minuten, oder sie ist beendet, wenn einer der Spieler seine fünf Minuten Bedenkzeit überschritten hat.

300 Euro Startgeld nimmt der SV Turm Drolshagen in etwa ein, dazu erlöst er Einnahmen aus Kuchen- und Würstchenverkauf. Bockwurst mit Brötchen. Das alles fällt nun weg. Bei aller Enttäuschung gelingt dem Verein auf seiner Homepage eine sachlich-nüchterne Bekanntgabe: „Die Entscheidung resultiert aus der Tatsache, dass es seit heute den ersten bestätigten Fall einer Infektion mit dem Coronavirus im Kreis Olpe gibt,“ heißt es dort, „die Stadt Drolshagen hat aus diesem Grund sämtliche außerschulischen Nutzungen und Veranstaltungen in der Sekundarschule abgesagt“. Der Verein bitte um Verständnis, fügt er hinzu.

Auch wenn dieser faszinierende Sport so anders ist als andere Sportarten, auch wenn sich kein Körperkontakt ergibt, birgt er in Zeiten des Corona-Virus sehr wohl Gefahren. „Die Spieler sitzen sich direkt gegenüber, und das im Abstand von weniger als zwei Metern,“ legt Jürgen Harnischmacher dar. Hinzu kommt, dass die Figuren berührt werden. Schlägt Spieler A den Läufer von Spieler B, fasst er die Figur an.

Bei den Deutschen Amateurmeisterschaften kürzlich in Bad Wildungen war die Allgegenwart des Corona-Problems zu spüren. Die fanden statt, ehe die Krise sich auf das aktuelle Niveau verschärft hatte. „Da waren 400 Spieler vor Ort, mittlerweile undenkbar,“ sagte Jürgen Harnischmacher.

Desinfektion Pflicht

Aber schon da war das Händeschütteln tabu. Und an den Wänden hingen überall Behälter mit Desinfektionsmitteln. Jeder Spieler war nach seiner Partie verpflichtet, sich an den Flaschen zu bedienen. Wie auch schon an den letzten zwei ausgetragenen Liga-Spieltagen. Hinzu kommt, dass sich auch beim Schachspiel Emotionen entladen. Die fallen zwar nicht so furios und laut aus wie in den Ballsportarten etwa. Doch: „Je nachdem, wie es läuft, fasst sich ein Spieler dann doch ins Gesicht, an Nase und Mund oder mit der flachen Hand an die Stirn,“ weiß Jürgen Harnischmacher aus langjähriger Erfahrung. Und schon ist das Einfallstor für das Virus sperrangelweit offen.

Wie alle Menschen, ob Sportler oder nicht, hofft auch Achim Tump, dass der Corona-Spuk irgendwann vorbei ist. Ob die Liga zu Ende gespielt wird, ist ungewiss. Eher nicht. Aber in einem ist er optimistisch: Dass das Osterturnier im nächsten Jahr wieder stattfinden kann. „Dann wird,“ sagt Achim Tump, „die Vorfreude doppelt so groß“.

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