Fußball

Corona und Kreisliga A: Es könnte kompliziert werden

Der Rothemühler Spielertrainer Daniel Morillo (Mitte).

Der Rothemühler Spielertrainer Daniel Morillo (Mitte).

Foto: meinolf Wagner

Kreis Olpe.  In der Kreisliga A Olpe geht es Spitz auf Knopf zu. Rothemühle, RW Lennestadt und Türk Attendorn liegen eng beieinander. Nur: Wie geht’s weite?

Klar gibt es zurzeit wichtigeres als Fußball. „Im Moment hat man die Sorgen halt ganz woanders,“ sagt Wolfram Wienand, Trainer des Liga-Zweiten Rot-Weiß Lennestadt, „es macht zwar Spaß und ich vermisse es auch ein bisschen, aber man sollte sich an denen orientieren, denen es schlechter geht.“

Gleichwohl wirbelt die Corona-Krise den Sport durcheinander und sorgt dort, wo noch kein Abbruch der Saison ausgesprochen worden ist, wie etwa im Volleyball oder Basketball, für verzwickte Situationen.

Wie in der Fußball-Kreisliga A Olpe. Dort geht es Spitz auf Knopf zu. Das Trio aus SV Rothemühle, Rot-Weiß Lennestadt und Türk Attendorn liegt eng beieinander, den Tabellenführer vom Rothenborn trennen nur vier Punkte vom Drittplatzierten aus Attendorn.

An einem Fakt führt kein Weg vorbei: Die Saison muss am 30. Juni abgeschlossen sein, da enden Verträge, dann sind die Spieler nicht mehr an den Verein gebunden. „Es gibt ja auch Spieler, die unbedingt wechseln wollen am 30. Juni,“ sagt Wienand. Gleiches gilt für die scheidenden Trainer.

Würde die Saison abgebrochen und so gewertet wie sie jetzt ist, wären die Rothemühler Meister. Was die Sache aber hoch brisant macht: RWL hat ein Spiel weniger. Würden die Grevenbrücker dies (gegen den Tabellenletzten) gewinnen, wären sie ganz vorn. Was tun? Wir sprachen mit den drei Trainern.

SV Rothemühle

Obwohl seine Mannschaft Tabellenführer ist, wäre für Trainer Daniel Morillo ein Abbruch der Saison keine befriedigende Lösung, selbst wenn seine Elf dann Meister wäre. „Das wäre total unfair RW Lennestadt gegenüber, ich kann mir das auch nicht vorstellen,“ sagt der Coach vom Rothenborn und beziehe dies auch auf alle anderen Ligen. „Außer die englische Premier League vielleicht. Da könnte man den Leuten verkaufen, Liverpool jetzt zum Meister zu erklären. Die haben 20 Punkte Vorsprung, da würde wohl jeder sagen: Okay, geht in Ordnung.“

Nur, was wäre sein Wunsch? Morillo: „Die eine, faire Lösung gibt es nicht. Mein Wunsch wäre gewesen, wenn wir das direkte Spiel gegeneinander in Grevenbrück noch gehabt hätten.“ Das wäre genau am 17. März gewesen. Am ersten wegen der Corona-Krise abgesetzten Spieltag.

Er hofft, dass es weiter geht. Und wenn nicht? „Gerecht wäre, nur die Hinrundentabelle zu werten. Da hat jeder gegen jeden gespielt, alle haben 15 Spiele. Daraus könnte man dann ein Fazit ziehen.“ Nach der Hinrunde wäre Rothemühle oben gewesen, Die Spiele gegen Dünschede und Möllmicke, aus denen die Rothemühler „nur“ vier Punkte holte, RW Lennestadt dagegen im gleichen Zeitraum sechs, waren ja schon Rückrundenspiele. Morillo: „Was spricht dagegen, den Abstieg ganz weg zu lassen, mehr Aufsteiger zu haben und die Ligen aufzustocken? Auch das könnte man in Erwägung ziehen.“

Die Rothemühler Spieler halten sich mit Läufen fit, „ich habe ihnen gesagt, sie sollen an den Trainingstagen laufen gehen, „es ist eine schwierige Situation, drei, vier, fünf Wochen zu ausieren und dann geht’s womoglich mit englischen Wochen wieder los. Dann müssen die Jungs schon im normalen Fitnesszustand sein, und nicht wieder bei Null anfangen.“

Rot-Weiß Lennestadt

Daher wäre ein Saison-Abbruch „nicht die eleganteste Lösung“, sagt Wolfram Wienand, Trainer von RW Lennestadt. Wenn es tatsächlich am 19. April, oder auch erst am 26. April, weitergehen würde, wäre es nicht problematisch, „dann könnten wir die Saison bis in den Juni ziehen,“ so Wienands Meinung. Dann könne man Mittwoch/Sonntag spielen und man müsse halt das Training etwas verändern. Aber wehe, die Corona-Lage erfordert eine deutlich längere Pause. Dann müssen womöglich exotische Ideen her. Wienand: „Dass man bis 2021 durchspielt und meinetwegen aus zwei Saisons eine macht.“

Eine Möglichkeit wäre im Fall einer extrem langen Pause ein Play Off der drei jetzt führenden Mannschaften, in dem dann der Meister ermittelt würde. Für Wienand wäre das „am ehesten nachvollziehbar“. Dann aber mit Hin-und Rückspiel. Und auch im Tabellenkeller gegen den Abstieg, dort, wo es ebenfalls sehr eng zugeht. Wienand: „Man kann nicht herkommen und sagen: Die Saison ist zu Ende. Lenhausen ist Zweitletzter und steigt, wenn es zwei Absteiger gibt, ab.“

Sein Idealfall ist natürlich, auf dem Sportplatz Meister zu werden. Zu feiern, zu jubeln. Wienand: „Wir haben doch letztes Jahr an RW Hünsborn II gesehen, wie schön das ist, die machten bei uns in Grevenbrück den Aufstieg perfekt.“

Wenn es an dieser Situation überhaupt etwas positives gibt, ist es, dass es alle Vereine nahezu gleichermaßen trifft, und nicht den einen, der witterungs- und platzbedingt etliche Spiele hinterher hinkt. Wolfram Wienand begrüßt die Planungen des Kreises, schon einige Spiele im alten Jahr angesetzt zu haben, das verschafft jetzt Luft. Der RWL-Trainer glaubt nicht, dass in den nächsten 14 Tagen großartig etwas passiert, „und dann sind wir ja schon im April.“ Nach der langen Zwangspause bedürfe es einer Vorbereitung, „sonst fallen die Spieler um wie die Fliegen,“ befürchtet Wienand. Der Coach hat den Spielern aufgetragen, drei Mal pro Woche zu laufen.

SV Türk Attendorn

Vier Punkte liegt der Aufsteiger hinter Spitzenreiter SV Rothemühle und ist damit durchaus dick im Geschäft um Plsatz eins. Nicht nur, weil die Hansestädter noch die Chance auf 30 Punkte haben, sondern: „Wir hätten Rothemühle und RW Lennestadt noch zu Hause gehabt,“ verweist Spielertrainer Yasin Colak noch auf das Restprogramm. Er sei am vorletzten Freitag, als die Total-Absage kam und die ganzen Meldungen zu Corona „ein bisschen überdreht“ gewesen.

Sollte es terminlich eng werden, wäre für ihn eine Dreier-Playoff-Runde denkbar, da hier nur drei Spieltage benötigt würden - wenn es einigermaßen hinkommt, dann Englische Wochen. Yasin Colak: „Für mich wäre es wichtig, das sportlich zu lösen. Ein Playoff wäre da schon die beste Lösung.“

Was auch immer beschlossen wird: „Die Gesundheit der Spieler hat Vorrang,“ sagt Yasin Colak, „ich habe ihnen gesagt, sie sollen zu Hause bleiben.“ Und zusehen, dass sie fit bleiben, egal ob daheim oder mit Allein-Läufen. „Die Grundkondition erhalten ist wichtig,“ weiß der Trainer.

Das sagt Hartmut Baßenhoff:

Wie geht es weiter in der Fußball-Kreisliga A? Für Hartmut Baßenhoff, Vorsitzender des Kreisfußball-Ausschusses (KFA) und somit für den gesamten Ligabetrieb im Kreis Olpe zuständig, hängt das davon ab, ob es überhaupt weitergeht. Noch steht der Stichtag 19. April. Bis dahin ist die Meisterschaft in allen westfälischen Klassen bis in die Kreisliga D ausgesetzt.

Sollte dieses Datum nicht zu halten sein und die Zwangspause länger andauern, „dann gibt es verschiedene Denkmodelle,“ sagt der Kirchhundemer. Doch in der Satzung findet sich kein Leitfaden. Auch keines, was eine saisonverkürzende Playoff-Runde angeht. Verständlich, denn: „Eine solche Situation hatten wir noch nie,“ verweist Baßenhoff auf eine absolute Ausnahmelage, „für einen Spielabbruch ist alles geregelt. Für den Abbruch einer ganzen Saison nicht.“

Fußball im Juni wahrscheinlich

Möglich ist, die Saison zu verlängern, über den eigentlichen Schlusstag 24. Mai hinaus in den Juni hinein. Zur Not mit Englischen Wochen. Der Rahmenterminkalender gäbe das sicherlich her, er ist ohnehin schon jetzt über den Haufen geworfen.

Kritisch wird es, wenn selbst der Juni nicht ausreichen würde. Denn die Verträge, die Spielberechtigungen, enden mit dem 30. Juni. „Es gibt Ausnahmeregelungen, selbst wenn es noch in den Juli hineingeht,“ informiert Hartmut Baßenhoff. Er erinnert an die Bezirksliga-Aufstiegsrunden im Jugendfußball, die manchmal erst Anfang Juli beendet sind. „Da besteht die Spielberechtigung natürlich weiter fort.“ Ein Verein kann eine solche Runde schließlich nicht mit einer anderen Mannschaft beenden als mit der, mit der er sie begonnen hat.

Maßgeblich für die Fußballkreise ist das Handeln des Verbandes. „Der verhält sich zurzeit zurückhaltend,“ so Hartmut Baßenhoff. Bricht Kaiserau die Saison ab? Annulliert er sie komplett oder verlängert er sie? Hartmut Baßenhoff: „Wir sind ja in alle Auf- und Abstiegsregelungen mit eingebunden.“

Derzeit darf der Kreis Olpe einen Aufsteiger zur Fußball-Bezirksliga stellen. Hartmut Baßenhoff: „Aber was ist, wenn die gesamte Bezirksligasaison annulliert wird und es aus dieser Liga keine Auf- und Absteiger gibt?“

Wie sicherlich alle Spieler, Trainer und Fans hofft Hartmut Baßenhoff darauf, dass die Entscheidungen auf sportlichem Wege fallen, im besten Fall die Saison komplett, mit allen ihren 30 Spieltagen, zu Ende gespielt wird. Aber er liegt auch völlig richtig mit der Aussage: „Ich denke, wir müssen improvisieren.“

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