Gewalt

„Davon sind wir im Kreis Olpe weit entfernt“

Es geht auch anders, wie der SC Drolshagen zeigt. Hier wird der Unparteiische von Trainer Matthias Würde (vorne) und seinem Betreuerteam versorgt. Angriffe auf Schiedsrichter sind im Kreis Olpe die absolute Ausnahme.

Es geht auch anders, wie der SC Drolshagen zeigt. Hier wird der Unparteiische von Trainer Matthias Würde (vorne) und seinem Betreuerteam versorgt. Angriffe auf Schiedsrichter sind im Kreis Olpe die absolute Ausnahme.

Foto: dro

Kreis Olpe.   Vor elf Jahren schrieben der FLVW-Kreis Siegen-Wittgenstein und sein damaliger Vorsitzender Jürgen Böcking Fußballgeschichte.

Wegen der zunehmenden Gewalt und Brutalität auf den Sportplätzen, auch gegenüber Schiedsrichtern, sagten die Verantwortlichen im Herbst 2006 einen kompletten Kreisliga-Spieltag mit 70 Meisterschaftsspielen ab.

Am Wochenende ist es wieder soweit, diesmal im Kreis Arnsberg. Auch hier zieht der Kreisvorstand nach wiederholten Attacken auf Unparteiische, einem Spielabbruch und allein am letzten Spieltag elf roten und drei gelb-rote Karten in den unteren Ligen die Reißleine und setzte bis einschließlich Sonntag, 12. November, alle Pflichtspiele der Kreisligen A bis D vom Spielbetrieb ab, ausgenommen Frauen- und Jugendspiele.

Reiflich überlegt

„So eine Entscheidung muss reiflich überlegt werden. Da muss schon viel passiert sein“, weiß Hartmut Baßenhoff, Vorsitzender des Kreisfußball-Ausschusses (KFA) Olpe.

Sein Arnsberger Kollege Michael Ternes ist jedenfalls alarmiert und fürchtet wegen der vermehrten Abmeldung von Schiedsrichtern sogar um die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs.

Auf der Internetseite des FLVW-Kreises Arnsberg schreibt Ternes u.a.: „Viele bemerken lapidar: Was auf den Sportplätzen geschieht, ist doch nur ein Spiegelbild der Gesellschaft. Wenn es aber so weiter geht, gibt es bald keinen Fußballsport mehr. Wir im FLVW Kreis Arnsberg wollen, dass die Spieler, Offizielle und Zuschauer sich wieder besinnen, dass der Fußball zwar von Emotionen lebt; aber nicht von Pöbeleien, Beschimpfungen und tätlichen Angriffen gegen Zuschauer, Offizielle, Spieler und Schiedsrichter.“

Marco Cremer hat Verständnis für die Entscheidung der Arnsberger, die auch auf Druck des dortigen Kreis-Schiedsrichter-Ausschusses zustande gekommen ist. „Ich halte das für eine angemessene Reaktion, um ein Zeichen zu setzen“, sagt der oberste heimische Unparteiische. Für Cremer steht aber fest, dass die Situation im Kreis Olpe „gottseidank weit weg“ von den Verhältnisse im Kreis Arnsberg oder etwa im Ruhrgebiet ist. Das liege auch an der „guten Vernetzung mit den Vereinen“. Baßenhoff: „Wir sind im Kreis Olpe weit entfernt von einer solchen Absage.“ Dass sich „Spieler in die Wolle kriegen“, passiere natürlich auf den heimischen Plätzen, weiß der KFA-Vorsitzende. Dass hierzulande noch „nichts Außergewöhnliches“ passiert ist, sei auch ein Verdienst der Vereine und Vorstände.

Pöbeleien jeder gegen jeden

Wie Marco Cremer registriert Hartmut Baßenhoff aber eine Zunahme von Pöbeleien und Beschimpfungen. „Der Respekt hat einfach nachgelassen“, weiß der Kirchhundemer. „Der Ton wird rauer. Da spiegelt sich die gesellschaftliche Entwicklung auf dem Platz wider“, hat auch Cremer eine sprachliche Verrohung festgestellt, vor allem in den sozialen Netzwerken. „Da pöbelt jeder gegen jeden.“ Mit Auswirkungen auf den Fußball, weiß Cremer: „Einige Zuschauer glauben, dass sie das Recht haben zu beleidigen, nur weil sie eine Eintrittskarte gekauft haben.“

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) befürwortet die Generalabsage in Arnsberg. „Wir können die Beweggründe … zu einhundert Prozent nachvollziehen und unterstützen die Entscheidung der spielleitenden Stelle … zum Wohle unserer Schiedsrichter“, wird Präsident Gundolf Walaschewski auf der Verbands-Homepage zitiert. „Seit einigen Wochen beobachten wir, dass es vermehrt zu ähnlichen Vorfällen und einer allgemeinen Verrohung kommt. Wir müssen alles tun, um unsere Schiedsrichter zu schützen. Mit der Generalabsage findet bei Spielern, Trainern und Zuschauern hoffentlich ein Umdenken statt“, pflichtet ihm Manfred Schnieders bei, der Vizepräsident Fußball des FLVW.

Bereits vor einigen Wochen hat sich laut FLVW-Internetseite Münsters Kreisvorsitzender Norbert Reisener in einem öffentlichen „Brandbrief“ an seine Vereine gewandt und die zunehmende „Eskalation, Kartenflut und Häufung von Spielabbrüchen“ scharf verurteilt. „In den unteren Ligen nimmt die Gewalt ständig zu“, klagte Jürgen Böcking vor elf Jahren. Das sei aber kein reines Siegerländer Problem. „Das höre ich auch aus anderen Kreisen.“ Geändert hat sich seit 2006 offensichtlich nichts.

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