Hallenfußball

Der entzauberte Fußball-Winter 2020/21

Jubelnde Fußballer mit Pokal auf dem Hallenparkett: Diese schönen Bilder wird es in diesem Winter nicht geben. Hier feiert der Masterssieger 2020, der FC Lennestadt.

Jubelnde Fußballer mit Pokal auf dem Hallenparkett: Diese schönen Bilder wird es in diesem Winter nicht geben. Hier feiert der Masterssieger 2020, der FC Lennestadt.

Foto: Michael Meckel

Kreis Olpe.  Kein Budenzauber, keine stimmungsvolle Kulisse, keine Dramatik, wenn die letzten Sekunden herunter ticken.

Kurzum: Alles, was den Winter für die Fußballfreunde schön macht, fällt aus. Denn der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) hat bekannt gegeben, keine Hallenfußballturniere zu genehmigen.

Die Folgen für die Vereine sind gravierend, zumal der Fußball unterm Dach im Kreis Olpe traditionell eine überragende Zuschauerresonanz erfährt. Die Tribünen sind voll, egal, in welcher Stadt oder Gemeinde der Sieger ausgespielt wird. Vom Kreis-Masters Ende Januar ganz zu schweigen.

Über das Aus für den Hallen-Winter seien sich die Fußballkreise und das Verbandspräsidium „sehr schnell einig“ gewesen. „Wir wollten westfalenweit eine einheitliche und klare Lösung“, erklärte Joachim Schlüter, Vorsitzender des FLVW-Kreises Olpe, „denn wenn man an der einen oder anderen Stelle Dinge zulässt, die an anderer Stelle verboten sind, dann macht das erst recht keinen Sinn“.

Einigkeit im Verband

Gut, es gebe große Hallen in Westfalen, „in Dortmund oder in Minden-Lübbecke, wo Handball-Bundesliga möglich ist“, fügt Schlüter hinzu, „da könnte man sich unter besonderen Umständen ein Turnier vorstellen“. Aber insgesamt sei die Bewertungslage so, dass es für die allermeisten nicht zu verantworten sei, Ausnahmen zu machen.

Joachim Schlüter, selbst Vorsitzender eines Vereins, weiß nur zu genau, was das alles bedeutet. „Es ist eine schlimme Situation. Es fehlen nicht nur Eintrittsgelder, sondern auch Einnahmen aus dem Verkauf von Getränken und Imbiss. Da geht es ans Eingemachte, das tut den Vereinen richtig weh. Aber an erster Stelle steht die Gesundheitsvorsorge, das ist klar“, sagt er.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt. Schlüter: „Zur Durchführung eines Turniers in diesen Zeiten muss man so viel Aufwand betreiben und es bringt so wenig Ertrag herein, dass das für die Ausrichter aus meiner Sicht nicht möglich ist“. Mit einer halbvollen Halle bleibt kaum etwas übrig in der Kasse.

Im Januar 2021 wäre der SV Dahl/Friedrichsthal Ausrichter des Olper Stadtpokals. Der Verein dürfte nur eine begrenzte Zuschauerzahl in die Realschulhalle lassen, damit die Abstände gewahrt sind. Joachim Schlüter rechnet vor: „Die Dahler verdienen dann vielleicht 20 Prozent dessen , was ein Ausrichter sonst verdient – und dürfen sich dann fröhlich hinten anstellen, um dann im Jahr 2029 wieder zum Zuge zu kommen“. Was natürlich nicht geht.

Aber: Den Dahl/Friedrichsthalern kurzerhand das Turnier 2022 zu geben, ist auch so einfach nicht. Denn in dem Jahr wird Eintracht Kleusheim 100 Jahre alt. „Wir werden uns noch mit Dahl/Friedrichsthal, und Kleusheim zusammensetzen und beraten, wie wir das machen“, kündigte Joachim Schlüter an, „aber Dahl muss nicht für acht Jahre aussetzen“.

Der Zuschauermagnet schlechthin ist der Gemeindepokal Wenden. Dort sehen etwa 1500 Zuschauer an drei Tagen die Senioren-Turniere mit hochklassigen Mannschaften.

Schon durch Kirmes-Absage gestraft

Als ob die Wendschen Fußballvereine durch die Kirmes-Absage nicht schon genug gestraft sind, kommt jetzt noch der Wegfall des Hallenturniers hinzu. Der FC Altenhof hat bereits im Sommer das Turnier nicht ausrichten können, genau so wie die Jubiläumsvereine SV Fretter (75 Jahre) und Vatanspor Meggen (25 Jahre). Beim Wendener Winterturnier wäre der SV Rothemühle im Januar 2021 an der Reihe gewesen.

Für Lambert Stoll, den Vorsitzenden des Gemeindesportverbandes Wenden, kam die FLVW-Entscheidung „sehr früh“. Das habe man schon in den letzten Wochen und Monaten erlebt. „Ob man das schon jetzt hätte entscheiden müssen, darüber kann man geteilter Meinung sein. Für uns im Wendschen ist der Termin gesetzt, den kennen alle“.

Erst kürzlich habe man im kleinen Kreis zusammen gesessen und speziell über dieses Turnier gesprochen. Jeder Fußballfan, der jemals dort war, weiß um die Enge in der rappelvollen Halle. Stoll: „Wegen dieser Zuschauer-Frequenz kriegst du das beim besten Willen nicht geregelt. Ich kann schon verstehen, wenn Veranstalter sagen: Das ist uns zu aufwändig, das steht in keiner Relation zum möglichen wirtschaftlichen Ertrag“.

Das Ganze so einfach auf das nächste Jahr zu verschieben, sei so einfach nicht. Lambert Stoll: „Wer sagt uns denn, dass es in einem Jahr klappt?“ In der Halle sei es eine besondere Herausforderung. „Bei den Turnieren draußen wird man, wenn es so bleibt, wird man sich mit neuen Rahmenbedingungen, die nicht so schön sind, anfreunden müssen“, vermutet der Wendener Gemeindesport-Vorsitzende. Nur: Die Turnieren von Jahr zu Jahr zu streichen, sei erst recht keine Lösung.

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