Hochzeit

Elke und Andras Poggel: Spontanste Trauung des Sportjahres

„In die Pampa gefahren und Fotos gemacht“: Elke Poggel und Andreas Poggel

„In die Pampa gefahren und Fotos gemacht“: Elke Poggel und Andreas Poggel

Foto: Privat

Ottfingen.  Was es heißt, blitzschnelle Entscheidungen zu treffen, weiß Andreas Poggel nach 30 Jahren als Fußball-Schiedsrichter nur zu genau.

Dass er diese Fähigkeit aber mal gegenüber dem Standesamt zeigen muss, hätte er sich nie und nimmer träumen lassen.

Wie es dazu kam? Elke und Andreas Poggel hatten alles perfekt geplant. Sie hat am 19. April Geburtstag, er am 17. April. Mittendrin, am 18. des Monats, hatten die beiden ihre standesamtliche Hochzeit mit ihren Verwandten und Freunden feiern wollen.

Doch dann zog Corona ins Land. Und ehe es so dramatisch wurde wie es heute ist, erreichte Elke Poggel die Nachricht, die alles auf den Kopf stellen sollte: „Ich hatte mitbekommen, dass Leuten, die im April heiraten wollten, die standesamtliche Hochzeit ganz abgesagt worden war, oder so reduziert, dass selbst die Trauzeugen nicht mehr mit dabei sein durften“.

Elke Poggel griff an jenem März-Morgen zum Telefon, fragte beim Standesamt Lennestadt nach, wie es denn für sie und Andreas denn so aussehe. Da sei das Amt gerade ein „einer Krisensitzung“ gewesen. Die war beendet, am Mittag, als Elke Poggel ihren zweiten Anlauf nahm. „Da wurde mir mitgeteilt, dass ein Familienmitglied mitkommen dürfe. Freunde nicht“. Aber es könne sich alles stündlich ändern.

Hollywoodreife Szene

Das klang sehr unsicher. Doch den Poggels war sehr daran gelegen, klare Verhältnisse zu schaffen. Was folgte, war die wohl spontanste standesamtliche Hochzeit überhaupt. Elke Poggel musste selbst laut lachen, als sie ihren Anruf von 12.30 Uhr schilderte. „Die Standesbeamte sagte mir: Sie können heute um 15 Uhr kommen“.

Die Szene im heimischen Wohnzimmer dürfte Hollywoodreif gewesen sein. Frau Poggel in spe drehte sich noch während des Telefongesprächs um und rief ihrem Bräutigam zu: „Sollen wir heute um drei heiraten“? Das Ja-Wort schallte aus der Küche herüber. Andreas wollte. Klar. Das Standesamt verabschiedete sich, nicht ohne das Brautpaar darauf hinzuweisen, dass man den zu Trauenden einen Parkschein ausdrucke, damit auch dieser Vorgang korrekt vollzogen werde.

Die Zeit war zu kurz, um feines Tuch anzulegen für die Standesamtliche. So sprangen Andreas und Elke erst unter die Dusche und dann in die Jeans. Fuhren von Ottfingen nach Altenhundem. Trotz der Eile: Die Trauung sei wunderschön gewesen. „Das hat Frau Schneer richtig toll gemacht“, schwärmte Elke Poggel davon, wie die Standesbeamtin ihre Aufgabe verrichtete, „sie hat noch das Beste rausgeholt“.

Glückwünsche aus der Bundesliga

Schon das Traugespräch im Vorfeld verlieh der Hochzeit eine besondere Note. Denn in der vertrauten Runde, in der das Paar auf den großen Tag vorbereitet und Informationen für die Laudatio auf die Glücklichen gesammelt werden, kam heraus, dass beide fußballverrückt sind. Der Bräutigam ist Fan des 1. FC Köln, die Braut Anhängerin des FC Schalke 04.

Beide hatten sich bei diesen Aussagen nichts weiter gedacht. Bis Wochen später die Standesbeamtin unter ihren Schreibtisch griff und eine Glückwunschkarte des 1. FC Köln sowie einen kompletten Autogrammsatz des FC Schalke 04 hervor holte. Elke Poggel musste schmunzeln: „Da stand 17. April drauf. Das ursprüngliche Datum“.

Die Trauung war erledigt, nicht aber die knifflige Angelegenheit, die nun folgen sollte und die der überstürzten Hochzeit geschuldet war. „Wir mussten uns darauf einigen, wer wem was beichtet“, sagte Elke Poggel, „wer wem eröffnet, dass wir schon verheiratet sind. Ich musste das meinen Trauzeugen ja noch beibringen. Es wusste keiner was, wir konnten schließlich keinem was sagen. Wir sind ja Hals über Kopf nach Altenhundem. Duschen, anziehen, dann los, heiraten“.

Dem Trauzeugen, den Elke Poggel anrief, schwante schon etwas. Denn sie unterschrieb ihre SMS („kann ich dich mal anrufen“?) bereits mit ihrem neuen Nachnamen. Poggel statt Schulte. „Er wollte es zunächst nicht glauben. Ich habe ihm aber gesagt: Du bist trotzdem mein Trauzeuge, ob du nun dabei warst oder nicht. Das ist überhaupt nicht relevant“. Andreas Poggels Trauzeuge war Tochter Elena.

Die Feier soll nachgeholt werden. „Wenn Corona abgeebbt ist und man sagen kann: Okay, wir können mit den Leuten, die wir eingeladen haben, auch feiern“, kündigte Andreas Poggel an.

Nur wird die kuriose Konstellation dann nicht mehr so sein wie sie zum ursprünglichen Termin gewesen wäre. Denn am 17. April, am Hochzeitstag, hat Andreas Poggel Geburtstag, am 18. hätte die Feier sein sollen, und am 19. April wiederum ist Elke Poggel geboren, „da hätten wir dann ‚reingefeiert“. Perfekt – wenn’s denn was geworden wäre. Das ist nun alles hinfällig.

Letztlich oblag den beiden die unangenehme Aufgabe, den Gästen abzusagen, das Essen abzubestellen, die Getränke stehen noch in der Wohnung.

Eines aber ließen sich Elke und Andreas Poggel nicht nehmen: „Wir haben uns dann in unsere Hochzeitsklamotten geschmissen, ich habe noch künstliche Blumen besorgt, sind dann in die Pampa gefahren und haben Fotos gemacht. Damit wir wenigstens ein bisschen Hochzeits-Flair haben“.

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