Jugendfußball

Fair Play ist beim Nachwuchs nicht nur ein Lippenbekenntnis

Da ist der Jubel groß: Nach letzten Spiel gibt es vom Ausrichter TuS Rhode für alle Teilnehmer Erinnerungsmedaillen.

Da ist der Jubel groß: Nach letzten Spiel gibt es vom Ausrichter TuS Rhode für alle Teilnehmer Erinnerungsmedaillen.

Foto: meinolf Wagner

Olpe.  Als in den unteren Jugendmannschaften die Fair-Play-Liga eingeführt wurde, war die Skepsis groß Doch inzwischen ist die Begeisterung groß.

„Fünf, vier, drei, zwei, eins...“ Egal bei welchem Spiel: Als die Schlusssirene nahte, wurden die Sekunden herunter gezählt.

Ein Zeichen, wie stimmungsvoll es auf dem Fußball-Familiennachmittag in der Olper Realschulhalle zuging. Vor einer großen Zuschauerkulisse bestritten die F-Junioren ihre Spiele, und jede Mannschaft wurde nachher mit tosendem Beifall verabschiedet. Großes Kino.

Über allem stand der Begriff „Fair Play“. Als diese Regelung eingeführt worden war, habe es auf dem Kreistag „einen großen Aufschrei“ gegeben, erinnerte sich Raimund Nöker, Vorsitzender des Kreis-Jugendfußball-Ausschusses. Spiele ohne Schiedsrichter? Undenkbar!

21 Kilo Waffelteig sind schnell „alle“

Doch die Bilanz fällt nunmehr positiv aus. Nöker: „Im Grunde hat die Idee dieser Regeländerung genau das gebracht, was wir uns gewünscht haben. Es herrscht Ruhe auf den Sportplätzen und die Kinder entscheiden einfach besser als der Trainer, der sein Team immer nur gewinnen sehen will.“

Beim Familientag in Olpe war für alles gesorgt. So gab es am Buffet lange Schlangen. Selbstgemachte Waffeln waren der große Renner, außerdem Kuchen, belegte Brötchen und kalte Getränke. Fast 30 ehrenamtliche Helfer hatten alle Fäden in der Hand und sorgten dafür, dass alles rund lief. „Am Nachmittag waren schon 21 Kilo Teig für die Waffeln verarbeitet worden“, erzählte Mike Püttmann, Ressort Jugend vom TuS Rhode, „wir haben noch welchen nachgeordert. Außerdem gab es eine Verlosung mit zwei Fußbällen als Hauptpreis. Mit einem Taschengeld angepassten Obolus von 50 Cent konnten die Minis Lose kaufen.“

Kein Schiedsrichter? Kein Problem

Auf den ersten Blick wirkte alles wie in vielen Sporthallen in Deutschland. Doch bei genauem Hinsehen fiel auf: Es war kein Schiedsrichter da. Kein Problem. Bei kniffligen Situationen besprachen sich die Knirpse selbst und suchten nach Lösungen. Wer hinfiel, dem wurde aufgeholfen, und dann wurde entschieden, ob das Spiel weiterläuft oder nicht. Selbst beim Auswechseln wurde sich wie selbstverständlich abgeklatscht.

Dies ist eine von drei elementaren Regeln, die seit 2013 beim Fußballverband Westfalen herrschen. „Das Fair Play läuft bei uns wie eine Eins. Auf die Art und Weise wird Egoismus unterbunden“, weiß Holger Haßler vom Jugendvorstand der SpVg Olpe, „wir leben das auch bei unserem Trainingseinheiten.“

Motivationshilfen sind tabu

Holger Haßler war selbst viele Jahre hochklassig spielender Fußballer bei der SpVg Olpe. Viele Väter haben selbst Fußball gespielt und sind jetzt die Betreuer. „Motivationshilfen, wie fünf Euro für einen Sieg, sind verpönt und gibt es nicht“, betonte Holger Haßler. Auch wurde die Abstandsregel eingehalten, weil viele Eltern als ehrenamtliche Helfer im Einsatz waren.

Das geschieht, so der Plan des DFB, um autonomes Lernen im Jugendbereich zu fördern und für Ruhe auf dem Platz zu sorgen. Alles funktionierte in der Olper Realschulhalle wunderbar. Matthias Würde, langjähriger Trainer des SC Drolshagen, war vor Ort und unterstützte seinen Sohn: „Solche Turniere sind für die Entwicklungen der Kinder gut. Ich finde das super“.

Ein großer Augenblick war für die kleinen Fußball-Künstler die Siegerehrung. Für jeden Spieler gab es eine Erinnerungsmedaille. Mike Püttmann vom Ausrichter TuS Rhode war die Freude über diese gelungene Veranstaltung ins Gesicht geschrieben: „Ein schöner Augenblick, der für den Geist des Turniers spricht. Ein junger Spieler gibt zu, dass er den Ball noch berührt hat und so gab es einen Eckball für die Gegner. Eine tolle Geste für die Ehrlichkeit an diesem unvergesslichen Nachmittag.“ Am Ende gibt es nur Gewinner, egal ob Spieler, Betreuer oder Ausrichter.

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