Kreissportgericht

„Fast das Genick gebrochen“

Andreas Hesse

Andreas Hesse

Foto: MM

Oberveischede.   Von „widerwärtigen Vorfällen“ sprach Andreas Hesse, Vorsitzender des Kreissportgerichts (KSG) Olpe.

Gemeint hatte er die Geschehnisse beim Hallenfußball-Turnier in Lennestadt am 13. Januar.

Hesse hatte nicht übertrieben. Sollten die Schilderungen mehrerer Zeugen plus des Opfers so zutreffen, ist es schockierend, was sich in der Kabine der SG Kirchveischede/Bonzel zugetragen haben soll. Bis dorthin waren Spieler des Gegners Vatanspor Meggen vorgedrungen, nachdem es bereits im Gang zu verbalen Auseinandersetzungen gekommen war. Entzündet hatte sich alles an einer Schiedsrichterentscheidung.

„Ein Offizieller der SG KiBo, Vorstandsmitglied der DJK Bonzel, wurde ins Gesicht getreten und musste anschließend ins Krankenhaus gefahren werden“, hieß es im Bericht des betroffenen Vereins. Der Text wurde verlesen.

Nach Angaben des Rechtsbeistandes des Verletzten hatte dieser ein „Schädel-Hirn-Trauma, eine Gehirnerschütterung und einen Haarriss im Nackenwirbel“ davon getragen und war ins St. Josefs-Hospital Altenhundem eingeliefert worden. Darüber hinaus hatte ein weiterer Vatanspor-Spieler einen SG-Kicker gewürgt.

Aber nicht diese Gewaltszenen waren Gegenstand der Sportgerichtsverhandlung. Sie konnten es auch nicht sein. Denn Vatanspor hatte die Übeltäter umgehend aus dem Verein ausgeschlossen. Somit waren sie für die Sportgerichtsbarkeit nicht mehr greifbar.

Jedoch ist die Attacke, wie am Donnerstag hier bereits berichtet, bei der Polizei anhängig und wird die Staatsanwaltschaft beschäftigen. Der heftig attackierte DJK-Kassierer, bei besagtem Hallenstadtpokal Mitglied der Turnierleitung, hatte Strafanzeige erstattet. Somit blieb dem Sportgericht nur noch, verbale Entgleisungen zu verhandeln. Beschuldigt waren ein Vorstandsmitglied und ein Spieler von Vatanspor.

Entschuldigung als Schlusswort

Dem Vorstandsherrn wurde eine Drohung zur Last gelegt. „Wenn ihr etwas wegen der Vorfälle unternehmt, werde ich hier keinen mehr zurückhalten“, soll der Mann geäußert haben. Das hatten die Zeugen der SG Kirchveischede/Bonzel einmütig ausgesagt und das wertete Andreas Hesse auch als glaubhaft, auch wenn der Beschuldigte das bestritt. Der gab an, deeskalierende Absichten gehegt zu haben. Diese Aussagen hielt Hesse für „widerlegt“ aufgrund von fast gleichlautenden Schilderungen von vier Zeugen, die allesamt in der Kabine waren. Urteil: 250 Euro Strafe.

Von einer Funktionssperre sah das KSG jedoch ab. Hesse: „Die soll ja dazu dienen, dass von ihm keine Gefahren mehr ausgehen. Nach dem Eindruck hier gehen wir davon aus, dass sowas nicht mehr eintritt.“

„Wenn jemand, der verletzt und auf dem Weg ins Krankenhaus von jemanden zu hören bekommt: ,Stell dich nicht so an, das hast du verdient’, dann ist das schon eine Beleidigung“, sagte Andreas Hesse in seiner Urteilsbegründung. Strafmildernd wertete Hesse den Umstand, dass der Beschuldigte möglicherweise „die Schwere der Verletzung nicht erkannt haben könnte.“ Vier Wochen Sperre.

Aufrüttelnd waren die Einlassungen des Opfers der Attacke: „Mir wurde um so ein Stück das Genick gebrochen“, sagte der Bonzeler und bildete einen kleinen Abstand zwischen Daumen und Zeigefinger, „und nur, weil ein Schiedsrichter nicht gepfiffen hat. Nichts rechtfertigt, was an dem Tag gelaufen ist. Wenn dann gesagt wird: ,Mir ist egal, wer du bist!’ Dann muss einem zugestanden werden, dass man sich bedroht fühlt.“

Bezüglich der körperlichen Auseinandersetzung „tut mir das leid“, so das Vatanspor-Vorstandsmitglied in seinem Schlusswort, „wir sind eine emotionale Mannschaft, und der Vorstand ist emotional. Es ist nicht richtig, was da stattgefunden hat, und ich möchte mich dafür entschuldigen.“

Info

Für den Stadtsportverband Lennestadt ist das Fass kurz vor dem Überlaufen. „Wenn sich die Situation nicht verändert, wird der Stadtsportverband nicht zulassen, dass der Verein mit der Aufgabe betraut wird“, sagte Verbandsvorsitzender Franz Rotter. Damit meint er die Ausrichtung des Stadtpokalturniers, mit der Vatanspor als nächstes an der Reihe ist.

Der Vereinsvorstand sei informiert, so Rotter. „Aufgrund der Gespräche innerhalb des Vereins, über die der SSV-Vorstand genau informiert wurde, ist der Vorsitzende Franz-Josef Rotter zusammen mit den Vorstandsmitgliedern Lothar Schenk, Rainer Krahl und Johannes Tilker zuversichtlich für die künftige Zusammenarbeit. Wir hoffen, dass die vier Punkte der Sofortmaßnahmen und die zugesagten zukünftigen Verhaltensmaßnahmen bei den Spielen auf dem Feld und in der Halle fruchten. Die angekündigten Konsequenzen werden dann sofort umgesetzt. Wir hoffen sehr, dass sich das Verhältnis der beiden Vereine normalisieren lässt.“

Der „ernsthafte Wille“ sei beim Vorsitzenden Hüseyin Ayhan vorhanden. Rotter: „Er hat mir gegenüber mehrmals sein Bedauern über die Vorfälle vom 13.1. ausgedrückt. Ich nehme ihm das ab.“

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