Reitsport-Serie

Ferienhof Pulte ist ein Paradies für kleine Reiter

Sandra Pulte und Kiara aus Repe.

Sandra Pulte und Kiara aus Repe.

Foto: Birgit Engel

Helden.  Bei Sandra Pulte aus Helden erlernen die Jüngsten das Reiten. Ferienkinder wie auch Kinder aus der Nacharschaft fühlen sich auf Hof Pulte wohl.

Auf dem Ferienhof Pulte in Helden ist die Welt in Ordnung.

Die über 100 Milchkühe umschlingen mit lila Zungen ihr Futter oder liegen zum Wiederkäuen zufrieden herum. Hofhund Bella, eine Berner Sennendame, streunt um Haus und Ställe auf der Suche nach jemandem zum Kuscheln. Die Gäste sitzen unter der alten Buche, hören das Rufen von Eselin Lea und ihrer vier Wochen alten Tochter Frieda und genießen das Landleben. Der Blick reicht über die Heldener Kirchturmspitze bis weit in das Land der tausend Berge.

„Nur die wenigsten Gäste sind jeden Tag unterwegs. Die meisten bleiben hier. Allein schon, weil die Kinder gar nicht wegwollen“, lächelt Sandra Pulte und hat vollstes Verständnis. Sie selbst hat drei Kinder und weiß, wie abenteuerlich und erfüllt der Tag auf einem Bauernhof sein kann. Tiere pflegen, misten, Trecker fahren, toben und sich richtig schmutzig machen.

Und natürlich reiten. Denn der Hof Pulte, auf dem drei Generationen unter einem Dach leben, hält auch Pferde, rund 30 an der Zahl, vom Pony bis zum Großpferd. Davon die Hälfte Pensionspferde, die anderen in Rente oder für den Reitunterricht. Den gibt es auf dem Hof Pulte vor allem im Segment Basisunterricht, das heißt in der Begleitung und Ausbildung von Einsteigern. Von solchen im Erwachsenenalter, insbesondere aber in der von Kindern. Und weil das so ist, leben dort nicht nur Pferde unterschiedlicher Größe, sondern auch mit unterschiedlichen Charakteren. Stoisch ruhig oder sportlich, empfindlich und sensibel oder extrovertiert und neugierig.

http://funke-cms.abendblatt.de:8080/webservice/thumbnail/article/226625235Was aber macht eine gute Basisausbildung aus? In welchem Alter fängt man mit dem Reiten an? Was sind die Instinkte eines Pferdes und wie überhaupt funktioniert die Kommunikation? „Reiten für Kinder ist unser Schwerpunkt. Am liebsten beginne ich mit der Basisausbildung im Kommunionalter“, sagt Sandra Pulte, die mit Trainer C-Lizenz und Berittführer- Qualifikation selbst unterrichtet. Weil Kinder in dem Alter das Pferd besser händeln können, als sehr viel Jüngere. Und vor allem weil Kinder ab dem Alter erst ein wirkliches Interesse an einem Hobby entwickeln und somit die Chance wesentlich höher ist, dass sie auch länger bei diesem Sport bleiben.

Dabei beschränken sich Ausbildung und Training auf dem Hof keineswegs auf das Reiten an sich, auf die Zeit auf dem Rücken des vermeintlichen Erdenglücks. Die Verweilzeit beim Pferd fängt lange vor dem Unterricht an und hört nach dem Unterricht noch nicht auf. „Ich lege viel Wert auf den kompletten Umgang mit dem Pferd“, erklärt Sandra Pulte und spricht von Empathie, Harmonie und gegenseitigem Respekt von Mensch und Tier. Wenn man so will also vom ganzheitlichen Reiten.

http://funke-cms.abendblatt.de:8080/webservice/thumbnail/article/226501185Dazu gehört auch die so genannte Bodenarbeit. Das Säubern der Box, das Putzen, Hufe auskratzen und Satteln, das Anbinden, Stehen und Führen bis zum Abtrensen und Abreiben des verschwitzten Fells. „Es wird gemeinhin unterschätzt, wie wichtig die Zeit vor und nach dem Reiten ist“, sagt Sandra Pulte. „Pferd und Mensch sind ein Team und müssen sich als solches verstehen.“ Damit das funktioniert, muss man also an allererster Stelle wissen, dass man es mit einem Fluchttier zu tun hat. „Keine Hektik, Geduld, ruhige Bewegungen und klare Aussagen sind wichtig.“

Auf Hof Pulte lernen Ferienkinder das Reiten ebenso wie Kinder aus der Nachbarschaft. So wie Kiara aus Repe. Sie ist zwar erst sieben Jahre, also noch nicht im Kommunionalter, hat durch ihre Mutter, selbst pferde-vernarrt seit früher Kindheit, indes schon viel Erfahrung. Das sieht man sofort. Vorsichtig nähert sie sich Pony Farina. Und zwar seitlich, damit es sich nicht bedroht fühlt und so wie es ein Pferd selbst tun würde. Der hingehaltene Handrücken symbolisiert für Farina eine Pferdeschnauze. Kiaras Bewegungen sind in allem ebenso bedacht wie selbstbewusst. Auch ihre Stimme bei der Begrüßung, beim Putzen und Satteln und beim Loben, wenn Farina etwas gut gemacht hat. Das wiederum vermittelt Pony Farina Sicherheit und positive Erlebnisse werden abgespeichert.

Als Kiara Farina zum Reitplatz führt, ist der Körper des Mädchens aufrecht, die Muskeln sind gespannt und das Pferd fest an ihrer Hand. Eine klare Aussage.„Beim Reiten finde ich besonders gut, dass man lernt, zu vertrauen. In sich selbst und in das Tier. Das unterscheidet den Sport von vielen anderen“, sagt Mutter Jessika Sauer.

http://funke-cms.abendblatt.de:8080/webservice/thumbnail/article/226562913Genau das betont auch Sandra Pulte, dazu Verantwortungsbewusstsein und Durchsetzungskraft. „Kinder von heute haben oft nicht mehr das Verständnis im Umgang mit Tieren wie früher, als es noch in jedem Dorf mehrere Bauernhöfe gab.“ Richtige verrückte Pferdemädchen hingegen erkenne sie auf den ersten Blick: offen, unbefangen und frei von Angst. Und ohne Scheu, einen Apfel zu essen, ohne sich vorher die Finger zu waschen. „Das Gesamtpaket macht stark“, sagt Sandra Pulte. „Schade, dass Kinder heute immer und überall in Watte gepackt werden, ihnen immer weniger zugetraut wird und sie so immer seltener eigene Erfahrungen machen können.“

Ihre eigenen Erfahrungen machen, das darf, genau wie Kiara, die zehnjährige Matilda. Das Attendorner Mädchen ist ebenfalls Einsteigerin, bekommt als solche einmal die Woche Einzelunterricht. „Ich habe noch andere Hobbys, Zumba tanzen zum Beispiel“, erzählt sie. Dann fasst sie in einem Satz zusammen, was das Reiten für sie bedeutet und lässt damit keine Fragen offen. „Dabei vergesse ich allen Stress und es macht mich glücklicher als alles andere.“

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