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Flicka, das ganz besondere Pferd im Stall

Geduldig trägt Flicka die drei Förderschüler Demhat, Angela und Alexander durch die Reithalle in Ennest. Das freut Lehrerin Hilde Schulte-Schmies (links) und ihre beiden Kolleginnen von der St. Laurentius-Schule.

Geduldig trägt Flicka die drei Förderschüler Demhat, Angela und Alexander durch die Reithalle in Ennest. Das freut Lehrerin Hilde Schulte-Schmies (links) und ihre beiden Kolleginnen von der St. Laurentius-Schule.

Foto: martin droste

Attendorn.  Beim Reit- und Fahrverein Attendorn-Askay in Ennest stehen 15 eigene Pferde im Stall und auf der Wiese. Darunter ein ganz besonderes: Flicka.

Flicka, eine neunjährige Freiberger Stute, ist ein Therapiepferd. Die Pferderasse aus der Schweiz ist eine Mischung aus Warm- und Kaltblütern und zeichnet sich durch Robustheit, Gelassenheit und sprichwörtliche Engelsgeduld aus, gerade im Umgang mit Kindern mit Handicap.

„Flicka muss schon einiges aushalten können, aber sie hat das Naturell dafür“, weiß Hilde Schulte-Schmies genau, was sie an ihrem Therapiepferd hat. Seit 36 Jahren bietet die Lehrerin der Attendorner St. Laurentius-Schule beim Reit- und Fahrverein Attendorn-Askay das Unterrichtsfach „Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten“ an.

Drei Mal die Woche ist sie mit Mädchen und Jungen der Förderschule im Alter von sechs bis elf Jahren in Ennest im Einsatz.„Ich finde es toll, dass die Zusammenarbeit schon so lange dauert“, bedankt sich Hilde Schulte-Schmies ausdrücklich bei den Verantwortlichen des Reitvereins.

Flicka gehört dem RV Attendorn-Askay und wird in Ennest - wie alle anderen Pferde – das ganze Jahr über gepflegt und betreut, auch an Sonn- und Feiertagen sowie in den Schulferien.

Finanzielle Herausforderung

Als die auffällig gezeichnete Tigerschnecke „Lilly“ – ein damals 20-jähriger Knappstrupper, eine Pferderasse aus Dänemark - nach zehn Jahren als wieherndes Klassenzimmer in den wohl verdienten Ruhestand gegangen ist, stand der nicht auf Rosen gebettete Verein vor einer finanziellen Herausforderung. Aber auch nach einem Bericht in dieser Zeitung war die Finanzierung des „Lilly“-Nachfolgers gesichert. So stellte die „Stiftung Lebensmut“ den Löwenanteil für die Anschaffung von Flicka und 1600 Euro für den Unterhalt zur Verfügung. Bei der Suche nach einem geeigneten Therapiepferd wurden der Verein und Hilde Schulte-Schmies bei einem Züchter in Nürnberg fündig.

http://funke-cms.abendblatt.de:8080/webservice/thumbnail/article/226501185„Die therapeutische Reitausbildung ist aus unserem Vereinsleben nicht mehr wegzudenken“, freute sich damals Askay-Vorsitzender Thorsten Luke darüber, dass Hilde Schulte-Schmies ihre wichtige pädagogische Arbeit in Ennest fortsetzen kann.

Was das für die Mädchen und Jungen der St. Laurentius-Förderschule bedeutet, ist beim Besuch unserer Zeitung sofort spürbar. Stolz sitzen der kleine Alexander sowie die Mädchen Demhat und Angela auf dem Rücken der geduldigen Freibergerstute. „Alexander strahlt schon, wenn er Flicka sieht. Er ist so stolz, wenn er auf dem Pferd sitzen darf“, sagt Hilde Schulte-Schmies. Angela und Demhat geht es genauso.

Vertrauen und Selbstwertgefühl

Das Reiten und Voltigieren mit Flicka ist für die Förderschüler in mehrfacher Hinsicht wichtig: für den Aufbau von Vertrauen und Selbstwertgefühl, die Konzentration, die Koordination von Bewegungsabläufen, das Überwinden von Ängsten, die Körperbeherrschung und das Gleichgewicht oder das Übernehmen von Verantwortung.

Heilpädagogisches Voltgieren ist der etwas „andere“ Unterricht. In einer Broschüre der St. Laurentius-Schule heißt es dazu: „Was ist das „Andere“ an diesem Unterricht? Es gibt nur eine Antwort: Das Pferd! Kinder lernen wesentlich auch über die Ebene der Faszination. Das Pferd übt eine große Anziehungskraft aus und fordert den Schüler zu eigenen Entdeckungen und Neigungen. Durch die vielfältigen Sinneseindrücke und die ständigen Wechselwirkungen zwischen Schüler, Pferd, Voltigierpädagogin, Partner und Gruppe bieten sich viele Möglichkeiten des Lernens und der Förderung senso-motorischer, emotional-sozialer und kognitiver Fähigkeiten“.

Wieherndes Klassenzimmer

Was das im Klartext heißt, sieht man sofort, wenn Hilde Schulte-Schmies ihre drei Schüler auf dem Rücken von Flicka, die mehrere Gangarten beherrscht, durch die Reithalle in Ennest führt. Zur Belohnung dürfen die Kinder ihr „wieherndes Klassenzimmer“ füttern.

So oft wie möglich geht die Pädagogin mit ihren Gruppen und Flicka in der Umgebung des Reitvereins Attendorn-Askay spazieren. „Das ist manchmal ein ganz schon anstrengender Job“, schmunzelt Hilde Schulte-Schmies und denkt dabei nicht an sich, sondern an Flicka. Aber die neunjährige Freibergerstute macht alles geduldig mit.

Hallendach macht Sorgen

Beim Besuch unserer Zeitung waren für den Reit- und Fahrverein Attendorn-Askay der 2. Vorsitzende Christian Löbel und Kassierer Werner Hilleke vor Ort. Männer sind beim Ennester Verein mit seinen rund 100 Mitgliedern deutlich in der Minderheit.

Aber die Verantwortlichen drücken ganz andere Sorgen. So müsste das Dach der in die Jahre gekommenen Halle eigentlich grundsaniert werden. „Das Dach ist an drei Stellen undicht. Darunter leidet die Gebäudesubstanz“, berichtet Werner Hilleke bei einem Rundgang um die Anlage.

Auf den Verein kommen Kosten von rund 115.000 Euro zu, die er nicht alleine stemmen kann. Jetzt hoffen Löbel, Hilleke und Co. auf ein Programm des Landes Nordrhein-Westfalen zur Sanierung von Sportstätten. Dafür will sich Rüdiger König, der Vorsitzende des Stadtsportverbandes Attendorn, einsetzen.

Von der Stadt Attendorn gibt es einen Zuschuss in Höhe von 15.000 Euro, der Kreis Olpe steuert 7500 Euro bei. Nur mit Fördermitteln wird es nicht aber gehen. Der Reit- und Fahrverein Attendorn-Askay hofft deshalb auch auf Spenden.

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