50 Jahre Frauenfußball

Frank Germann: Ex-Profi wird Trainer, der Tochter zuliebe

Auch außerhalb des Fußballplatzes geben die Spielerinnen des FSV Gerlingen ein gutes Bild ab. Foto: Privat

Auch außerhalb des Fußballplatzes geben die Spielerinnen des FSV Gerlingen ein gutes Bild ab. Foto: Privat

Gerlingen.  Frank Germann, der ehemalige Profi von Bayer Leverkusen, Arminia Bielefeld oder Hannover 96, trainiert die Fußballfrauen des FSV Gerlingen.

Frank Germann ist beruflich viel unterwegs und hat eigentlich keine Zeit, eine Fußballmannschaft zu trainieren. Immer wieder bekommt der ehemalige Profi von Bayer Leverkusen, Arminia Bielefeld oder Hannover 96 Anrufe von interessierten Vereinen. Jedes Mal hat der 52-Jährige in den letzten Jahren abgesagt.

Nur einmal ist Germann, der noch mit 43 Jahren für die SpVg Olpe gespielt hat, schwach geworden. Und das hat einen besonderen Grund. Mit der Damenmannschaft des FSV Gerlingen geht der B-Lizenzinhaber schon in seine vierte Saison. Eine der Leistungsträgerinnen des Teams ist Isabel, die 24-jährige Tochter von Frank Germann.

„Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, eine Frauenmannschaft zu trainieren“, gibt Frank Germann zu. Mögliche Vorurteile gegen Fußballerinnen, die es bei vielen Männern immer noch gibt, spielen beim 52-Jährigen, der seit 2007 in Thieringhausen wohnt, keine Rolle. „Ich mache das meiner Tochter zuliebe.“

Fußball ist in der Familie Germann schon immer ein großes Thema gewesen. Vater Klaus war viele Jahre Trainer und arbeitete auch am DFB-Stützpunkt Olpe. Dort trat Sohn Frank fünf Jahre lang in seine Fußstapfen. Enkel Jan ist im Sommer 2019 nach langer Pause wegen eines Kreuzbandrisses von Siegen zur SpVg Olpe zurückgekehrt. Von schweren Verletzungen ist seine Schwester Isabel bislang verschont geblieben. „Schon als kleines Mädchen war Isabel oft bei den Spielen ihres Vaters dabei“, erzählt Mutter Sabine, die einzige Nichtfußballerin im Hause Germann. „Ich komme eher vom Skisport“, lacht sie.

Bei Tochter Isabel hat spätestens die Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land mit dem Sommermärchen die Leidenschaft für Fußball geweckt. „Der Mannschaftssport hat sie begeistert. Die WM hat dann den letzten Anstoß gegeben“, berichtet Frank Germann.

Zunächst gemeinsam mit Jürgen Pechmann

Nach Anfängen beim VSV Wenden landete die ehrgeizige Spielerin Isabel Germann beim FSV Gerlingen. Ihr Trainer am Bieberg ist seit einigen Jahren Vater Frank. Der hat das bis heute nicht bereut. „Ich habe eine tolle Mannschaft, auch wenn das manchmal ganz schön schwierig sein kann“, gibt der 52-Jährige zu. Wie so viele Mädchen hat auch seine Tochter spät mit dem Fußball spielen angefangen, erst mit 16 Jahren. In diesem Alter haben die meisten Jungen schon viele Jahre Erfahrung mit dem Ball hinter sich.

„Die Jungs lernen das Wichtigste im Fußball in jungen Jahren beim Bolzen auf der Straße. Das muss dann später verfeinert werden“, beschreibt Germann den großen Unterschied. Den Mädchen, die meistens sehr viel später mit dem Fußball spielen beginnen, fehlen die Grundlagentechniken. Er sieht aber noch einen anderen Grund, warum er sich für die Arbeit mit den Mädchen „viel mehr Zeit“ nehmen muss. „Sie haben sehr hohe Ansprüche an die Qualität eines Trainers.“

An der Qualität ihrer Übungsleiter dürften die jungen FSV-Mädels nichts auszusetzen gehabt haben. Denn zusammen mit Frank Germann trainierte Jürgen Pechmann die Spielerinnen, eine Gerlinger Legende. Der Ex-Torjäger und ehemalige 1. Vorsitzende machte das aus dem gleichen Grund wie sein Kollege aus Thieringhausen. Tochter Lena spielt beim FSV Gerlingen. Am Anfang teilten sich Germann und Pechmann die Aufgabe: Das Freitagstraining und die Sonntagsspiele übernahm Frank, für das Mittwochstraining war Jürgen verantwortlich. Inzwischen hat Jürgen Pechmann aus beruflichen Gründen aufgehört.

So erfolgreich wie sein Siegener Ex-Mannschaftskollege Ralf Kellermann, früher Trainer und jetzt Sportdirektor der Frauenmannschaft des VfL Wolfsburg, ist Frank Germann nicht. Aber der ehemalige Leverkusener, der im Bayer-Trikot ein Bundesligaspiel gegen den Karlsruher SC bestritten hat, sieht sein Team auf einem guten Weg.

Den Umzug in die Kreisliga Siegen-Wittgenstein mit 14 Mannschaften bezeichnet der erfahrene Fußballer als sehr gut. „Es macht Spaß und man ist im Spielrhythmus“, beschreibt er den großen Unterschied zur bisherigen Kreisliga Olpe mit ihren wenigen Teams und den langen Pausen. Aktuell steht der FSV Gerlingen auf dem fünften Tabellenplatz, was laut Trainer Germann aber verbesserungsfähig ist. „Wir haben viele Punkte liegen gelassen“. Sein Saisonziel: „Oben festsetzen“.

Dabei kann er sich auf einen Kader von 26 Spielerinnen im Alter von 16 bis 27 Jahren, von denen „zwölf bis 16“ regelmäßig trainieren, verlassen. Zu den Leistungsträgerinnen gehört Isabel Germann. Für die Abwehrchefin gibt es keine Extrabehandlung, ganz im Gegenteil. „Ich verlange von meiner Tochter eher mehr“, gibt Frank Germann zu. Die Arbeit mit seinen Fußballerinnen macht Frank Germann Spaß. Er weiß aber auch, dass er es wohl leichter hat als nicht so erfahrene Kollegen. „Man muss den Spielerinnen zeigen und erklären können, wie das geht.“

Kader mit 26 Spielerinnen

Es hat aber auch Rückschläge gegeben. Als in einer Saison zwei Partien abgesagt werden mussten, weil zu wenige Spielerinnen zur Verfügung standen, war Frank Germann drauf und dran, das Handtuch zu werfen. Gravierend war auch das Fehlen einer etatmäßigen Torfrau. „Ich habe gemerkt, dass die Mädels darunter gelitten haben. Sie haben gut gespielt, aber fast jeder Schuss auf unser Tor war ein Treffer“, erinnert sich der Trainer noch gut. Mit dem Wechsel von Katharina Lapp aus Freudenberg konnte diese Baustelle geschlossen werden.

Wie lange Frank Germann noch die Damen des FSV trainiert, kann er nicht sagen. „Die Mädels sind sehr aufnahmebereit“. Er bedauert das Fehlen von ausgebildeten und lizenzierten Jugendtrainern. Das habe zwei Hauptgründe. Zum einen seien die meisten Vereine nicht bereit, genug Geld in den Nachwuchs zu investieren. Zudem scheuten viele qualifizierte Übungsleiter die Arbeit mit Jugendmannschaften.

Zur Wahrheit gehört aber auch, das weiß Frank Germann, dass er ohne seine Rolle als Vater wohl nie Trainer der Gerlinger Damen geworden wäre. „Ich mache das wirklich ehrenamtlich. Das kann man wohl nur als Vater machen.“

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