Westfalenliga

FSV Gerlingen: Die zwei härtesten Fans der Westfalenliga

Darauf Prost! 95 Kilometer zu Fuß nehmen Guido Wurm (links) und Josef Klesper, Fans des FSV Gerlingen, auf sich.

Darauf Prost! 95 Kilometer zu Fuß nehmen Guido Wurm (links) und Josef Klesper, Fans des FSV Gerlingen, auf sich.

Foto: Privat

Gerlingen/Dortmund.  Guido Wurm und Josef Klesper: Die zwei Männer mit ihren riesigen Rucksäcken fielen den Zuschauern auf dem Sportgelände des TuS Bövinghausen auf.

Und die Frage zirkulierte im Dortmunder Westen: Das sind doch Fans vom FSV Gerlingen. Aber warum schleppen die solche Monstersäcke mit sich herum?

Sie wussten nicht: Guido Wurm und Josef Klesper, so heißen die beiden 27-jährigen Gerlinger, waren an diesem Spieltag die ungewöhnlichsten Fußballfans im westfälischen Amateurfußball. Sie waren zu Fuß gekommen, hatten 95 Kilometer zurückgelegt. Drei Tage lang waren sie unterwegs. Für ein Spiel der Westfalenliga. Um am Ende noch eine 1:5-Klatsche mitzunehmen.

Wille hat gesiegt

Das Ergebnis war zweitrangig. Und ganz davon ab: Es ist ohnehin nicht planbar. Alles andere schon. Josef Klesper verfügt über Wander-Apps. Die verriet den beiden, wie weit es ist, wie lange der Wanderfreund unterwegs sein würde. Im Fall der beiden waren dies drei Tage.

Der Plan sah vor, in der ersten Nacht irgendwo zu zelten und für die zweite Nacht ein Hotel in Hagen zu buchen. „Zwischendurch haben wir uns überlegt: Es wird wohl doch etwas kälter, da haben wir auch für die erste Nacht ein Hotel genommen“, erzählt Wurm. 42 Kilometer schaffte das Duo am ersten Tag. Bis Lüdenscheid. Der zweite Tag hielt 35 Kilometer bis Hagen bereit. Und die letzte Etappe nach Bövinghausen waren vergleichsweise läppische 18 Kilometer. Wurm: „Wir sind zeitig um 8 Uhr los, damit wir pünklich zum Spiel da sind“.

Guido Wurm, von Beruf Konstruktions-Mechaniker und fußballerisch 1. FC-Köln-Fan, treibt kaum Sport. „42 Kilometer am Tag sind dann schon eine Nummer“, musste er erfahren, „die Knie taten weh. Und Muskelkater kam dazu. Aber der Wille hat gesiegt“. Abends noch an der Hotelbar sitzen, das war nicht. „Ein, zwei Bierchen, dann ab in die Kiste“, umschreibt der FSV-Fan das Abendprogramm. Umso mehr könne man am andren Morgen Gas geben und „schon mal einiges wegschaffen“.

Ja, Tiefpunkte habe es gegeben. „Um Meinerzhagen rum ging es mal einen ganz steilen Weg hoch, eine ziemlich lange Steigung. Kein Wind, kein Schatten“, denkt der Gerlinger mit Schaudern zurück, „da dachte ich: Das nimmt ja gar kein Ende mehr. Man konnte immer weiter gucken“. Und er gestand, dass in ihm der Gedanke aufkam: „Kerl, was sind wir bescheuert“. Ganz anders, wenn man oben ankommt. „Dann denkt man: So schlimm war es doch nicht“. Auf das richtige Schuhwerk kommt es an. Wurm: „Wir sind nur etwa zehn Kilometer über Straße gegangen, ansonsten, als wir noch richtig im Sauerland waren, über Stöcken und Steinchen“.

Nach diesen Strapazen hätten die beiden einen großen Empfang in Bövinghausen verdient gehabt. Der fand nicht statt. „Es wussten ja nur unsere eigenen Leute, was wir da gemacht haben“, so Guido Wurm, „die Spieler zum Beispiel haben sich gefreut“. Zurück nach Gerlingen fuhren sie mit andren Schlachtebummlern im Auto.

Stillschweigen im Vorfeld

Die zwei hatten schon länger vor, zusammen eine Wanderung zu machen, wussten aber nicht, wohin. Da kam ihnen die Idee: Lasst uns doch mal zu einem Auswärtsspiel gehen, schilderte Guido Wurm.

Im Vorfeld hatten die beiden über die Tour geschwiegen. „Wir wollten keine große Welle machen. Wir wussten ja vorher nicht, ob wir das überhaupt schaffen“, nennt Guido Wurm den Grund für die Zurückhaltung, „auf einmal hast du zehn Blasen und hörst auf. Das wäre dann auch peinlich gewesen“.

Jetzt aber ist es den beiden ganz recht, wenn die Menschen über diese Aktion sprechen. Guido Wurm ist Stammgast am Gerlinger Bieberg, fährt auswärts mit - und hofft, dass es ihm einige andere gleich tun: „Vielleicht kriegt man durch eine solche Aktion ja den einen oder anderen dazu, wieder mehr auf den Sportplatz zu gehen“.

Eine Auswärtsspiel-Wanderung will Guido Wurm noch unternehmen. In diesem Jahr sicherlich nicht mehr. Dafür hält 2021 noch eine tolle Herausforderung bereit: Wie wär’s denn mit einem Marsch zu Rot-Weiß Deuten? Die Rekordstrecke der Westfalenliga: Ab Gerlingen 140 Kilometer.

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