Corona

FSV Helden und FC Kirchhundem: Beispiele, die Mut machen

Die Mannschaft des FC Kirchhundem III hilft dort, wo wegen der Corona-Krise Hilfe benötigt wird. Die Idee geht vom Mannschaftsverantwortlichen Zeynel Ülkü (Foto, ganz r.) aus.

Die Mannschaft des FC Kirchhundem III hilft dort, wo wegen der Corona-Krise Hilfe benötigt wird. Die Idee geht vom Mannschaftsverantwortlichen Zeynel Ülkü (Foto, ganz r.) aus.

Foto: Privat

Helden/Kirchhundem.  Der FSV Helden und der FC Kirchhundem III bieten Mitmenschen ihre Hilfe an, die sie in der Corona-Krise am nötigsten brauchen.

Egoismus und rücksichtsloses Kaufverhalten sind nur zwei negative Begleiterscheinungen der Corona-Krise. Doch: Zwei Beispiele aus dem Lokalsport zeigen, dass dem ganzen Übel auch Solidarität erwachsen kann - und damit wertvolle Dienste am Mitmenschen. Wie beim FSV Helden und beim FC Kirchhundem III.

Beide Fußball-Vereine und -Mannschaften bieten den Menschen ihre Hilfe an, die sie derzeit am nötigsten brauchen: Risikopatienten. Ob es um Einkäufe geht oder um Apothekengänge: „Ihr könnt euch ab sofort an uns wenden. Wir werden das für euch organisieren,“ schreibt der FSV Helden in seinem Facebook-Auftritt.

Zunächst hatte der 950-Mitglieder-Verein aus dem Repetal am Freitag, nachdem der FLVW den gesamten Spielbetrieb gestoppt hatte, alle Hände voll zu tun. Es galt, alles rund um den Trainingsbetrieb zu organisieren. Die Idee zu dieser begrüßenswerten Aktion entstand am Samstag Morgen. „Ich habe das einfach aufgegriffen und im Vorstand gefragt, wer Interesse hat und wer helfen würde,“ schilderte Martin Quinke, 2. Vorsitzender des FSV.

Whatsapp-Gruppe wächst rasant

Sofort eröffnete Quinke eine Whatsapp-Gruppe. „Ich hatte binnen zehn Minuten eine zweistellige Anzahl Mitglieder,“ stellte er erfreut fest und konnte zudem verkünden: „am Samstag Abend hat sich direkt noch der Dorfverein Helden gemeldet, der hat sich auch zur Verfügung gestellt.“ Das sei hervorragend für die Breite der guten Sache, fügte Quinke hinzu. So sei auch eine Heldener Apothekerin dazugekommen, „sie hat sich angeboten, Arztgänge zu machen, Rezepte zu holen und dann sofort die Medikamente mitzubringen.“

Die Hilfsangebote seien richtig groß, sagt Quinke. Bislang sei noch kein „Ernstfall“ eingetreten. Aber: „Wir haben im Verein Risikopatienten, die möglicherweise mal auf Hilfe angewiesen sind, auch innerhalb der Mannschaften.“ Deshalb wolle man signalisieren, „dass wir da sind.. Wir haben eine funktionierende Gemeinschaft in Helden, eine gute Nachbarschaft. Wenn wir nur einem helfen können, dann haben wir schon was Gutes getan.“

Die Idee, Mitmenschen zu helfen, sei „auf dem Sofa,“ entstanden, wie uns Zeynel Ülkü, Mannschaftsverantwortlicher des FC Kirchhundem III, verriet. Zeynel Ülkü: „Meine Frau und ich hatten - ganz privat - beschlossen, dass wir in dieser Zeit eigentlich die Einkäufe für unsere Eltern machen müssten. Wir haben noch Oma und Opa zuhause, und ich dachte mir, meine Eltern sollten dann besser auch nicht raus.“

Aus diesem familien-internen Gespräch wurde der Gedanke, dass es ja noch jede Menge ältere Menschen in der Umgebung und in der Gemeinde Kirchhundem gebe. „Für die könnte man ja mal so was starten,“ so Zeynel Ülküs Plan, „ich habe dann die Jungs in der Mannschaft gefragt, was sie davon halten. Es meinte jeder: Eine Super-Idee. Da habe ich es gepostet.“ Eine Begebenheit hat Zeynel Ülkü beeindruckt: „Um 1 Uhr in der Nacht auf Samstag kriege ich noch eine Nachricht von einem Flüchtlingskollegen, einem Spieler von uns. Der schrieb: ,Wenn jemand Hilfe braucht - ich helfe gerne.’ Das hat mich extrem gefreut.“

Zeit genug ist ja da...

Das Feedback war auch von außerhalb der Mannschaft äußerst positiv. „Wir haben einen großen Anteil an Ausländern dabei, darunter einige Flüchtlinge. Da haben wir gedacht: Angesichts der aktuellen Probleme in Deutschland wäre das ein Zeichen, dass es auch anders geht, dass wir auch Solidarität zeigen können. Dass es auch Positives geben kann.“ Zeynel Ülkü selbst ist 1985 geboren, seine Eltern sind 1984 nach Deutschland gekommen.

Das Kirchhundemer Konzept ist einfach. Jemand, der Unterstützung braucht, meldet sich über die Homepage des FC Kirchhundem,. Zeynel Ülkü: „Dann schreibe ich das in die Gruppe: Hat einer kurz Zeit? Würde sich da einer drum kümmern? Ich denke, keiner würde da nein sagen.“

Zeit genug ist ja nun mal da. Ülkü: „Allerdings. Die Spiele fallen aus, zwei Trainingseinheiten fallen auch weg. Ich bin selbst Schiedsrichter und habe zurzeit natürlich auch keinen Einsatz.“ Was den Einkaufs-Einsatz angeht, sieht Zeynel Ülkü das Gebiet um Kirchhundem herum als Aktionsradius.

Die dritte Mannschaft ist erst vor dieser Saison gegründet worden, die Spieler sind aus allen Herren Ländern. „So wie es sein muss,“ ergänzt Marko Kosanke, Geschäftsführer des FC Kirchhundem.

Die Jungs suchten im Sommer eine fußballerische Heimat. Kosanke: „Zeynel Ülkü kenne ich persönlich Und so sind wir in Gespräche gekommen, erst in lose, dann in konkrete,“ erinnert Kosanke sich an die Anfänge 2019, „und siehe da: Es ging ganz schnell - und wir waren plötzlich 16 bis 17 Mann.“

Marko Kosanke begrüßt diese Aktion. „Ich find’s eine gute Sache.“ Auch vor dem Hintergrund des aktuellen gesellschaftlichen Klimas, das er kritisch sieht. „Ich habe das Gefühl, dass im Moment eine dem anderen nichts gönnt. Wenn ich mir angucke, was sich zum Beispiel beim Einkaufen abspielt.“ Da stimme aktuell vieles nicht, der Egoismus habe zugenommen, so seine Wahrnehmung.

Deshalb habe die Kirchhundemer Dritte diese Aktion ins Leben gerufen, um eine Hilfe zu sein für diejenigen, die sie nötig haben. Marko Kosanke: „Es war eine spontane Aktion. Für uns ist dies eine Selbstverständlichkeit, und das sollte es in diesen Zeiten auch sein.“

Info:

Wer Hilfe braucht, kann sich über die Mailadresse fsv-hilft@web.de an den FSV Helden wenden. Die Adresse ist für alle Vorstandsmitglieder freigegeben, jeder kann in den Mail-Eingang schauen.

Zeynel Ülkü, Mannschaftsverantwortlicher des FC Kirchhundem III, bietet an, sich über die Homepage oder über Facebook beim Verein zu melden.

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