Konzepte

Fußball und Corona: Hygiene-Höchstleistungen überall

Bei Dauerregen und mit Masken verabschieden Gerlingens Vorsitzender Kai Müller (Zweiter von links), sein Stellvertreter Thomas Krüttgen (links) und der Sportliche Leiter Stefan Büdenbender (rechts) die drei langjährigen Spieler Hendrik Boßert, Steffen Schuchert und Matthias Beckmann.

Bei Dauerregen und mit Masken verabschieden Gerlingens Vorsitzender Kai Müller (Zweiter von links), sein Stellvertreter Thomas Krüttgen (links) und der Sportliche Leiter Stefan Büdenbender (rechts) die drei langjährigen Spieler Hendrik Boßert, Steffen Schuchert und Matthias Beckmann.

Foto: martin droste

Kreis Olpe/Siegen.  Die meisten Fußballspiele fanden noch statt am ersten Wochenende mit den neuen, verschärften Corona Maßnahmen.

Inwieweit haben die rasant bis ins Dreistellige gestiegenen Inzidenz-Werte den heimischen Fußball nochmals verändert? So stellten sich die Verhältnisse auf den Plätzen dar, die wir besucht haben.

Die Sportfreunde Siegen hatten sich mächtig ins Zeug gelegt. Der Fußball-Oberligist durfte zum Südwestfalen-Duell gegen die SG Finnentrop/Bamenohl tausend Zuschauer ins 18.000 Besucher fassende Leimbachstadion lassen. Das war das Zehnfache dessen, was den meisten Amateurvereinen erlaubt war. 631 Fans hatten sich letztendlich eingefunden. Alle mit Maske. 90 und mehr Minuten lang.

Die Sportfreunde hatten ein aufwendiges und ausgeklügeltes Hygienekonzept umgesetzt. Die Einlasskontrollen? Geschenkt. Die waren so, wie man sie seit Wochen von allen anderen Plätzen der Region gewohnt ist. Desinfektion, Maske, Registrierung. Die Anhänger der SG Finnentrop/Bamenohl waren in einem extra Block platziert.

So bedient man den Strohhalm

Auffällig, und so noch nicht erlebt, waren die Regelungen, was den Getränke-Verzehr anbetraf. Einen echten Bierfreund dürfte es gegraust haben, denn am Sonntag war ihm auferlegt worden, dass geliebte Getränk mit dem Strohhalm aufzunehmen. Dann doch lieber Fanta. „Stewardessen“ wiesen den Dürstenden auf wesentliche Details hin: So durfte der Strohhalm nur unterhalb der Maske zum Munde geführt werden.

Hinter der Tribüne wehte der verlockende Duft eines Grills. Der Appetit auf die Wurst wurde gedrosselt durch die Auflage, diese in einem abgegrenzten Bereich zu verspeisen. Dort standen Stehtische, zwischen denen ein Kontrolleur aufmerksam beobachtete, wer mit der dampfenden Speise auf der Hand hinzu kam. Dem wurde, bevor er sich seiner Wurst oder dem Grillsteak hingab, eine Liste serviert, auf der er sich einzutragen hatte. Gründlich kontrolliert wurde auch die Tribüne; ein Sicherheitsdienst mit Leuchtwesten wandelte zwischen den Reihen und ermahnte den Gast, wenn sein Tuch nur den Mund bedeckte - oder womöglich nur den Hals.

Eigentlich wollte Fußball-Westfalenligist FSV Gerlingen seine langjährigen Spieler Hendrik Boßert, Steffen Schuchert und Matthias Beckmann schon vor Monaten in einem würdigen Rahmen verabschieden. Aber auch das verhinderte die Corona-Pandemie in der abgebrochenen Saison 2019/20.

Am Sonntag holten FSV-Vorsitzender Kai Müller, sein Stellvertreter Thomas Krüttgen und der Sportliche Leiter Stefan Büdenbender dies nach und bedankten sich vor der Partie gegen Concordia Wiemelhausen beim Trio, das zusammen 28 Jahre am Bieberg gespielt hat.

Freundlicher Hinweis

Aber ohne den Virus wäre dieser kurzfristige Termin in Gerlingen gar nicht zustande gekommen. Denn die Vereine SV Rothemühle und GW Elben, zu denen Boßert, Schuchert und Beckmann gewechselt sind, hatten am Sonntag spielfrei, weil ihre angesetzten Begegnungen Corona-bedingt ausfallen mussten. Vereinschef Müller dankte den Drei im Dauerregen am Bieberg für ihren „maßgeblichen Anteil“ an den Erfolgen des FSV, darunter zwei Aufstiege. Wegen der strengen Auflagen trugen alle Beteiligten Mund-Nasenschutz.

Die Hygieneschutzverordnungen wurden am Sonntag auch kontrolliert. Der Berichterstatter dieser Zeitung, der mutterseelenallein hinter dem Gästetor stand und fürs Fotografieren für kurze Zeit die Maske abgelegt hatte, wurde von einer jungen Frau – offensichtlich vom Ordnungsamt der Gemeinde Wenden – nett aber bestimmt an die Vorschriften erinnert.

Gegner Concordia Wiemelhausen war ohne Anhänger angereist. Für das Team aus Bochum ist zumindest im Stadtgebiet bis einschließlich 8. November Schluss mit Fußball. Die Kommune hat seit Montag alle städtischen Turnhallen sowie Sport- und Bolzplätze gesperrt.

Getrübter Blick

Etwas mulmig war es dem Reporter des Spiels FC Lennestadt gegen den SC Neheim schon bei der Abfahrt aus Rahrbach. Rund zwei Stunden Einsatz nonstop mit Schutzmaske und mit Brille waren schon beim vorherigen Landesligaspiel in Olpe kein Zuckerschlecken. Beim Spiel des FC Lennestadt gegen Neheim kamen aber noch ein paar Varianten hinzu, die den Einsatz „brisanter“ machten. Zum einen hatte sich die Corona-Lage in Lennestadt in den letzten Tagen und Wochen verschärft.

Hinzu kam der Dauerregen. Um ein halbwegs vernünftiges Foto „hinzuzaubern“, blieb also nur die Tribüne. Da war es trocken. Trotzdem kam es wie befürchtet: Die Brille war praktisch dauerhaft beschlagen. Da blieb nur, das Spiel im „halbblinden“ Zustand zu verfolgen. Das erschwerte auch das Fotografieren ungemein. Schade auch, aber nicht anders machbar: Der Klubraum im Hensel-Stadion war gesperrt, und für eine Pressekonferenz draußen war es zu kalt und zu regnerisch.

Ein Kompliment gebührt denn auch den Verantwortlichen des FC Lennestadt. Sie hatten trotz der verschärften Maßnahmen alles im Griff. Und trotz aller Corona-Verschärfungen durfte die leckere Stadionwurst auf keinen Fall fehlen. Da durfte in einem begrenzten Raum auch mal kurz die Maske abgenommen werden. Und die Stadionwurst hat so gut geschmeckt wie eh und je…

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