CP-Fußball

Herausforderung Weltmeisterschaft

Robin Meyer (rechts) und Simon Kümhof

Robin Meyer (rechts) und Simon Kümhof

Foto: Michael Meckel

Elspe/Heggen  Robin Meyer vom SSV Elspe und Simon Kümhof, Torwart vom SV Heggen, vertreten den Kreis Olpe bei der WM.

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. Der Reigen der internationalen Fußballturniere reißt nicht ab. Nach der Frauen-WM und der U21-EM beginnt Anfang Juli in Sevilla die Weltmeisterschaft der CP-Fußballer.

CP-Fußball wird von Menschen mit einer cerebralen Bewegungsstörung gespielt, die auf eine neurologische Schädigung des Gehirns zurückzuführen ist und Auswirkungen auf die Motorik hat. Die Schäden können von Geburt vorhanden oder durch einen Unfall oder Schlaganfall verursacht worden sein. Gespielt wird Sieben gegen Sieben von Strafraum zu Strafraum auf kleinere Tore.

Der Kreis Olpe ist mit einem Duo in Sevilla vertreten: Robin Meyer vom SSV Elspe und Simon Kümhof, Torwart vom SV Heggen. Darüber hinaus wird wieder David Meiworm aus Maumke als Physiotherapeut mit dabei sein.

Zwei Tests gegen Australien

Die heiße Phase der WM-Vorbereitung beginnt am 1. Juli. Dann trifft sich die Mannschaft in der Sportschule Oberhaching, zudem stehen in München noch zwei Testspiele gegen Australien auf dem Programm. Am 3. Juli geht der Flieger dann nach Sevilla. Für Robin Meyer ist die WM Schlusspunkt stressiger, aber auch sehr erfolgreicher Wochen. Denn im Frühjahr machte der 18-Jährige sein Abitur am Gymnasium Maria Königin. Letzte Woche Montag bekam er die Ergebnisse (3,0) und am Samstag gibt es das lang ersehnte Abiturzeugnis. Und dann geht es sofort ab zur CP-Nationalmannschaft.

Der 18-jährige Simon Kümhof aus Altfinnentrop, bisher Torwart der A-Jugend der JSG Finnentrop/Heggen und ab der nächsten Saison des SV Heggen II, steht vor seinem ersten großen Turnier mit der CP-Nationalmannschaft. „Ich habe gar nicht gewusst, dass es sowas überhaupt gibt. Ich habe dann von Robin in der Zeitung gelesen und dann mit ihm Kontakt aufgenommen. Wir haben uns dann mal getroffen. So sind die Kontakte entstanden. Und im März habe ich dann erstmals an einem Lehrgang in Elspe teilgenommen.“

„Wurde super aufgenommen“

Dem Lehrgang in Elspe schlossen sich drei weitere Trainingslager an. Simon Kümhof war begeistert: „Ich bin super aufgenommen worden. Alle waren unglaublich nett. Ich wusste ja gar nicht, was auf mich zukam. Ich konnte auch das Niveau nicht einschätzen. Es ist schon erstaunlich, wie gut einige Fußball spielen, wenn man bedenkt, was für Einschränkungen sie haben.“

Ein Dank von Simon Kümhof geht auch an die Firma Fischer und Kaufmann in Altfinnentrop, bei der er eine Ausbildung als Fachkraft für Lagerlogistik macht. Simon Kümhof: „Die haben mich in den Zeiten der Lehrgänge immer unterstützt und den Rücken frei gehalten. Eigentlich hätte ich ja auch noch in die Berufsschule gehen müssen. Auch das Problem wurde hervorragend gelöst, so dass ich bei allen vier Lehrgängen dabei sein konnte.“

Simon Kümhof hat sehr gute Karten, bei der WM auch als Stammkeeper zwischen den Pfosten zu stehen. Ein Lob gibt es auch von seinem Bruder Moritz, Mittelfeldspieler des Westfalenliga-Vizemeister SG Finnentrop/Bamenohl: „Simon hat seine Stärken definitiv auf der Linie und im „Eins gegen Eins“. Da hält er manchmal schon überragende Bälle. Zudem hat er ein starkes Selbstbewusstsein.“ Simon Kümhof gibt das Kompliment zurück „Früher haben wir immer zusammen aufs Garagentor gebolzt. An ihn komme ich nicht so ganz heran“, lacht Kümhof.

Gedämpfte Erwartungen

Jetzt läuft der Countdown. „Wir müssen uns zum Treffen in München bis selbst fit halten. Das ist gar nicht so einfach, weil bei vielen Spielern, auch bei uns, die Saison schon lange vorbei ist“, berichtet Robin Meyer.

Reicht es für das Finale? Robin Meyer und Simon Kümhof winken ab. Simon Kümhof hält den Ball flach: „Es wäre schon einmal gut, wenn wir die Vorrunde überstehen würden.“ Und auch Robin Meyer dämpft die Erwartungen: „Ziel sollte natürlich eigentlich immer der Pokal sein. Es wäre wichtig, so weit wie möglich zu kommen. Auch im Hinblick auf die Qualifikation für die nächsten Turniere. Für jeden Platz gibt es Punkte in der Weltrangliste.“

Favoriten sind für beide Russland und die Ukraine. „Die haben sogar eigene Ligen“, betont Robin Meyer. „Und die bekommen Geld“, fügt Robins Mutter Susanne hinzu. Dagegen müsse die deutsche Mannschaft sogar die Organisation der Trainingslager, zum Beispiel durch Spenden, finanziell selbst stemmen. „Es ist schade, dass CP-Fußball so wenig von den Verbänden unterstützt wird“, ärgert sich Robins Vater Michael Meyer. Trotzdem steigt bei allen nun die Vorfreude auf das WM-Turnier. Simon Kümhof bekommt leuchtende Augen: „Es ist natürlich eine Riesenerfahrung. Ich glaube nicht, dass viele bei einer Weltmeisterschaft spielen können, ob es nun normaler Fußball ist oder nicht. Für mich ist es sehr schwer einzuschätzen, was auf mich zukommt.“

Unterstützung bekommen beide auch aus der Heimat. „Vom 11. Bis 19. Juli werden wir in Sevilla dabei sein und fest die Daumen drücken und Robins 19. Geburtstag am 15. Juli feiern“, berichtet Susanne Meyer. Und auch Simon Kümhof bekommt „Besuch“ aus der Heimat. Von wem? Natürlich von Bruder Moritz. Der kündigt an: „Ich fliege drei oder vier Tage rüber“.

Fußball und Leichtathletik

Für Robin Meyer ist es der dritte größere Einsatz für die CP-Nationalmannschaft Im Mai 2016 wurde der Elsper erstmals in die Nationalmannschaft berufen. Seinen ersten großen Einsatz hatte Robin Meyer 2016 beim WM-Qualifikationsturnier in Dänemark. Mit Platz zehn reichte es damals nicht. 2018 wurde er Sechster bei der EM in den Niederlanden.

Neben dem Fußball war Robin Meyer im vergangenen Jahr auch noch zweifacher Deutscher Meister in der Para-Leichtathletik über 100 und 200 Meter.

Darauf absolvierte er auch noch einmal in der Woche zum Leichtathletik-Training bei Bayer Leverkusen und das „normale“ Training beim SSV Elspe. „Die Abiturzeit war schon ziemlich stressig. Zwischen der schriftlichen und mündlichen Prüfung war ich auch noch mit Bayer Leverkusen bei einem Leichtathletik-Trainingslager samt Wettkampf in der Schweiz. Ich hatte noch nie so einen Muskelkater wie danach“, lacht Robin Meyer.

Bayer Leverkusen machte ihm sogar Hoffnungen auf eine Teilnahme an den Paralympics 2020 in Tokio. Doch Robin Meyer winkt ab: „So lange ich es mit der Arbeit unter einen Hut bekomme, möchte ich Fußball und Leichtathletik zusammen machen. So lange ich in der Schule war hat das zeitlich eigentlich immer wunderbar gepasst. Aber am 1. September beginne ich eine Ausbildung als Industriekaufmann bei Thyssen-Krupp in Finnentrop. Da wird das wohl alles zeitlich nicht mehr klappen. Dann muss ich klar sagen: Mein Herz schlägt einfach für Fußball.“

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