Benjamin Simon

„Ich muss das erstmal realisieren“

Benjamin Simon.

Benjamin Simon.

Foto: meinolf Wagner

Ottfingen.   Paukenschlag am Siepen. Benjamin Simon ist nicht mehr Trainer des Fußball-Bezirksligisten SV Ottfingen. Nach nur einer Saison ist Schluss.

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Paukenschlag am Siepen. Benjamin Simon ist nicht mehr Trainer des Fußball-Bezirksligisten SV Ottfingen. Nach nur einer Saison ist Schluss.

Der Vorstand des habe sich „nach langen Gesprächen und Beratungen dazu entschieden, sich von Benjamin Simon zu trennen“ wie der Klub in einer Pressemitteilung am Dienstag Morgen bekanntgab.

Die Trainingsleitung übernimmt ab sofort der sportliche Leiter Uwe Kipping in Doppelfunktion. Ihm zur Seite steht der spielende Co-Trainer Julian Scheppe, sowie Torwarttrainer Paolo Fernandez.

Lösung Kipping Vorstandswunsch

Gerüchte, nach denen Uwe Kipping das Traineramt angestrebt habe, seien ihm auch zu Ohren gekommen, sagt Pierre Schürholz, 1. Geschäftsführer des SV Ottfingen, weist diese aber energisch zurück. „Nein. Wir vom Vorstand haben Uwe Kipping das vorgeschlagen. Es war Vorstandswunsch.“ Kipping soll zunächst „Ruhe reinbringen“ wie Schürholz sagte, „jetzt einen Trainer zu finden ist ja praktisch unmöglich.“

Schürholz ging diese Entwicklung aus menschlicher Sicht nahe, das war nicht zu überhören. „Ich vergleiche das mit Mounir Saida damals. Das war auch ein Supertyp,“ erinnert er an einen früheren SVO-Coach, der ebenfalls vorzeitig gehen musste. Und er fügte hinzu: „Hut ab vor Benjamin, wie er reagiert hat.“

Auch am Dienstag zeigte Benjamin Simon Größe und rief zurück, als er unsere Telefonnummer gesehen hatte. Nicht selbstverständlich in einer solchen Situation. Doch er war am Dienstag hörbar geplättet, „ich muss das erstmal realisieren,“ sagte er.

Zumal der Zeitpunkt, gelinde gesagt, für einen solchen Schritt ungewöhnlich ist. In der nächsten Woche wollte der SV Ottfingen eigentlich mit der Vorbereitung beginnen. Das wird er sicherlich auch, nur halt ohne Benjamin Simon.

Sportliche Bilanz prima

Sportlich betrachtet hatte sich der 31-Jährige aus Herdorf nichts vorzuwerfen. Er wurde Bezirksliga-Vizemeister, erreichte das Kreispokal-Finale gegen Finnentrop/Bamenohl, gewann vor drei Landesligisten den Wendener Gemeindepokal in der Halle und wurde Zweiter beim Feldpokal 2018 in Elben. „Das sehe ich genau so,“ sagt Pierre Schürholz. „Es sind gewisse Dinge angesprochen worden, mit der Mannschaft gesprochen wurde. Da kamen Dinge raus, dass wir die Reißleine ziehen mussten.“ Kritische Stimmen seien es gewesen, „denn sonst hätten wir es ja nicht gemacht,“ so Geschäftsführer. Aber er entscheide das nicht alleine, beim SV Ottfingen habe man ein Gremium. Schürholz: „Ich hatte acht Meinungen.“ Hat also die Mannschaft da Druck gemacht? Schürholz: „Natürlich spielt eine Mannschaft immer eine Rolle. Wenn eine Mannschaft einen Trainer verehrt, kannst du es als Vorstand nicht bringen, ihn rauszuschmeißen.“

Benjamin Simon sei ein netter Kerl, „vielleicht zu nett,“ sagt Schürholz. Und wenig erfahren im Trainergeschäft. Zudem ist Simon vor der Saison 2018/19 ins kalte Wasser gesprungen, was schnell vergessen wird. Er war ja nicht als Cheftrainer eingeplant, sondern stellte sich, als der ursprünglich verpflichtete Sascha Lichtenthäler absagte. Schürholz: „Dafür habe ich mich bei ihm bedankt, dass er sich das getraut hat, und das nicht bei einem kleinen Verein, sondern beim SV Ottfingen.“

Bescheidener Zeitpunkt

Zu den möglichen Gründen befragt, überlegte Simon auch zunächst an einer Formulierung. „Natürlich habe ich auch während der Saison Fehler gemacht,“ sagte er, „ich denke, das bleibt nicht aus. Ich hätte vielleicht das eine oder andere anders machen können.“

Noch am Abend der Entscheidung habe er „viele Meldungen und Anrufe von Spielern“ erhalten,“ verriet er, „die letzte um 23.25 Uhr. Das war durchweg alles positiv.“ Daher gehe er auch nicht davon aus, dass die Mannschaft die treibende Kraft hinter der Trennung war. Und: „So wie ich weiß, war auch der Vorstand ein bisschen gespalten.“ Das streitet Pierre Schürholz nicht ab, differenziert jedoch: „Der erweiterte Vorstand vielleicht. Aber der geschäftsführende Vorstand war sich einig.“

Was nun, Herr Simon? Eine neue Trainerstelle noch für die kommende Saison zu finden, ist sicherlich illusorisch. „Ziemlich bescheidener Zeitpunkt...“ sagt Benjamin Simon dann auch. Dem stimmt Schürholz zu: „Wir hatten nach dem letzten Spiel, auch nicht megamäßig Zeit und machen dass alles ehrenamtlich. Wir hatten viele Dinge zu erledigen. Es war der früheste Termin.“

Benjamin Simon will sich jetzt „erst einmal Zeit nehmen und das alles Revue passieren zu lassen.“ Und weil er Zeit hat, will er die nutzen, den Trainerschein zu machen. Mit 31 hat man noch einige Trainerjahre vor sich. Benjamin Simon: „Schau’mer mal.“

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