SG Wenden

Kunibert Rademacher: Stimme und Gesicht der Leichtathletik

Ehepaar Martina und Kunibert Rademacher mit Holger Keller (links) und Henning Grüne, dem Nachfolger von Kunibert Rademacher im Amt des 2. Vorsitzenden.

Ehepaar Martina und Kunibert Rademacher mit Holger Keller (links) und Henning Grüne, dem Nachfolger von Kunibert Rademacher im Amt des 2. Vorsitzenden.

Foto: volkher pullmann

Wenden.  Es waren schon emotionale Momente bei der SG Wenden, als sich Kunibert Rademacher in den „Ruhestand“ verabschiedete.

Anlass waren nicht die Regularien, als vielmehr eine Personalie. Zunächst lief alles in gewohnter Manier ab. Still am Vorstandstisch saß Kunibert Rademacher, seines Zeichens noch 2. Vorsitzender. Wie oft hatte er das Procedere einer Versammlung des Vereins, seines Vereins, dem er ja seit der Gründung vor 44 Jahren angehört, schon erlebt? Kunibert Rademachers Plan stand. Er würde sich aufs Altenteil zurückziehen. Ausgerechnet Kunibert Rademacher, stellvertretend, vielleicht auch der Kopf, für eine Rademacher-Dynastie im Verein.

Jetzt war Vorstandschef Holger Keller gefragt und er begann deutlich: „Wir haben es zur Kenntnis genommen, dass du heute keine Abschiedsrede wünschst. Daher haben wir uns entschlossen, nur eine Laudatio zu halten.“ Wollte man all seine Ämter, all seine Verdienste auflisten – es würde den Zeit- und Platzrahmen sprengen.

Kunibert Rademacher: die Stimme der SG Wenden. Unüberhörbar, wo auch immer seine Stimme gefragt war. Wie beim Südsauerlandlauf. „Mit Sachverstand und lockeren Sprüchen hast du die Zuschauer informiert und die Sportler zusätzlich motiviert“.

Für die SG Wenden sei Kunibert Rademacher „der Wolf-Dieter Poschmann“, also der ehemalige Langstreckenläufer und ZDF-Moderator. Kunibert Rademachers Begabung fürs Moderieren haben auch andere Vereine und auch der FLVW erkannt, der ihn für höhere Meisterschaften engagiert hat.

Ob er beim Südsauerlandlauf auch mal selbst mitgelaufen sei? Darauf wusste der aktuelle Frontmann der SG Wenden keine Antwort. Aber er fragte den „Abgänger“: „Hast du eigentliche eine Ahnung, wie viel Anmeldungen und Startnummern du vergeben hast?“ Die Antwort kam spontan: „15.000 und mehr.“ Kunibert Rademacher war um eine, wenn auch mal nicht ganz ernst gemeinte Antwort, nie verlegen.

Dass dieser weit über die Region hinaus bekannte Südsauerlandlauf immer gut über die Bühne gehen konnte, war ihm immer eine Herzensangelegenheit. Keller: „Mit deiner Zuverlässigkeit bist du für uns und viele andere ein gutes Vorbild. Von deinem Wissen über Sport und insbesondere die Leichtathletik und die Leichtathleten haben wir stets profitiert.“

Mit dem Traktor zum Training

Ein Blick ganz weit zurück lohnt sich, auf die Anfänge um 1976. Holger Keller hatte recherchiert. Trainiert wurde damals unter Kajo Böhler im Waldlehrpfad und im Wendebach oder im Albebachtal. Als Kunibert Rademacher den kleinen Traktor von seinem Vater fahren durftest, hatte er die anderen jugendlichen Leichtathleten mitgenommen, um das Training auf der Bezirkssportanlage in Gerlingen zu absolvieren. „Zunächst lerntest du die vielfältigen Disziplinen kennen. Später spezialisiertest du dich dann auf die Mittel- und Langstrecken, wo du zahlreiche Erfolge feiern konntest,“ so der SG-Vorsitzende.

Weggefährten wie Bruder Bruno erinnern sich: „Kuni hatte grundlegende Ideen, hat auch Spontanaktionen ausgearbeitet. Der Staffellauf nach Paris ist legendär. Ohne Handy, Funkgerät oder Navi. Und alle sind angekommen in Paris und auch zuhause. Wir hatten viel Spaß bei der 10x10-Kilometerstaffel in Bilstein. Es gibt so viel zu erzählen.“

Auch Andreas Henne erinnert sich. „Unsere dreitägigen Vatertagstouren mit Vorstand und engen Sportkollegen waren Standardprogramm.“ Der aktuelle Kassenwart erinnert auch an das Höhfest: „Eine alte Scheune von Rademachers zwischen Wenden und Schönau war Ort feuchtfröhlicher Veranstaltungen, auch ein Junggesellenabschied war mal dabei.“

Als sich die alten Freunde Egon Bröcher und Kunibert Rademacher nach der Laudatio von Holger Keller in die Arme nahmen, war das Emotion pur. Mehr als vier Jahrzehnte drückten ihre gegenseitige Wertschätzung aus. „Bis heute hast du die Geschicke unseres Vereins maßgeblich mitgestaltet“, schließt Holger Keller ab.

Dank an Frau und Kinder

Dass die Geschicke jetzt andere Mitglieder übernehmen müssen, steht zwischen den Zeilen. Aber das ist auch schon passiert. Junge Kräfte rücken nach. Kunibert Rademacher geht auch nicht so ganz. Aber es wird wieder viel Zeit vergehen, bis auch sie so geehrt werden können wie „Kuni“, der von der SGW-Versammlung einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt wird.

Wie sein Bruder Bruno steht er dem Verein auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite, wenn auch nicht mehr in vorderster Front. Und immer dabei, wenn auch unsichtbar, Martina Rademacher. „Ich hätte das alles doch nicht alleine stemmen können. Daher geht mein Dank vor allem an meine Frau und meine Kinder.“

Stille. Und dann doch viel Beifall, in dem auch der Dank der Mitglieder an seine Frau mitschwingt. Und zur Kindheit seines eigenen dreifachen Nachwuchses: „Unsere Kinder spielten nicht im Sandkasten, sondern in der Sprunggrube.“

Dass Britta, Ina und Nico auch langjährige Mitglieder sind und zum Teil aktiv mitarbeiten oder mitarbeiteten, versteht sich fast von selbst. Der Apfel fällt eben nicht so weit vom Stamm. Wohl dem Verein, der solch tatkräftige Familien in seinen Reihen hat.

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