Liebe zu Theater und Kanada

Grevenbrück.   Es war eine gute Idee der Veranstalter, die „komödiantische Lesung“ von Katerina Jacobs - so der Ausdruck im Veranstaltungsheft - in den Kulturbahnhof in Grevenbrück zu verlegen. Das Ambiente stimmte hundertprozentig. Jacobs Auftritt war dadurch deutlich intimer und persönlicher, als er es im PZ in Meggen gewesen wäre. Außerdem passte er auch sinnbildlich zum Thema, das vor allem in der Vorstellung des Buches von Katerina Jacob „Alles nur Theater: Mein abgefahrenes Leben auf Tournee“ bestand.

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Es war eine gute Idee der Veranstalter, die „komödiantische Lesung“ von Katerina Jacobs - so der Ausdruck im Veranstaltungsheft - in den Kulturbahnhof in Grevenbrück zu verlegen. Das Ambiente stimmte hundertprozentig. Jacobs Auftritt war dadurch deutlich intimer und persönlicher, als er es im PZ in Meggen gewesen wäre. Außerdem passte er auch sinnbildlich zum Thema, das vor allem in der Vorstellung des Buches von Katerina Jacob „Alles nur Theater: Mein abgefahrenes Leben auf Tournee“ bestand.

Die ankommenden, abfahrenden Züge bildeten ein nettes Pendant zu dem, was Katerina Jacobs erzählte oder vorlas. Herauskam ein äußerst unterhaltsamer und deftiger Blick hinter die Kulissen eines Tourneebetriebes, der keine Menschlichkeit ausließ. „37 Jahre Tournee gefahren!“, leitete Katerina Jacob, die vielen vor allem durch Fernsehauftritte („Der Bulle von Tölz u.a.) bekannt sein dürfte, ihre Geschichten ein. 150 oder mehr Vorstellungen mit einem Stück.

Auf Tournee

Fast jeden Tag in einer anderen Stadt, auf einer anderen Bühne, in einem anderen Hotel. Keines aus der Fünf-Sterne-Kategorie. Für manche wäre schon ein halber Stern zu viel gewesen. Was nimmt man auf eine Tournee mit? „Kuscheltiertier Piwi, na klar, irgendwas zum Schmusen brauche ich ja“, so Katerina Jacob, außerdem Instant Kartoffelbrei, „der mit den Röstzwiebeln, der ist der beste.“ Dazu einen Tauchsieder, 60-Watt – Birnen ( „Sie glauben gar nicht, in wieviel Hotelzimmern es nur 20-Watt-Birnen gibt, da sieht man doch nichts!“) , einen Duschkopf, („Oft sind die Duschköpfe verkalkt!“), einen Heizkörper („Die heizen erst, wenn wir da sind.“), sämtliche Medizin, die es gegen Erkältungskrankheiten gibt und das alles auf Plastiktüten verteilt, „den schweren Koffer lassen sie im Auto.“ Natürlich gibt es unterwegs Sex, Sex-„Unfälle“, Magen- und Darmprobleme und jede Menge anderer Unwägbarkeiten und Unannehmlichkeiten wie etwa störrische Klappbetten. Vor allem in der Vor-Navi Zeit glich das Finden des Auftrittsortes und des Hotels manchmal einer Art Glücksspiel. Monatelang mit einem und demselben kleinen Team beisammen, „da kann es sein, dass man sich zum Schluss hasst.“

Zu den Höhepunkten gehörte sicherlich die Geschichte, wie es bei einer Macbeth-Aufführung im verschneiten Schwarzwald zu einer heftigen Kollision mit einem älteren Ehepaar und deren Hund kam. Mangels Platz auf der Bühne – den versperrte das Bühnenbild - musste Macbeth mit Gefolge, darunter die barfüßige Lady Macbeth – Katerina Jacob – , um zu ihrem Auftritt zu kommen, hinter der Bühne durch den Schnee von einer Bühnenseite zur anderen rennen. Dabei rissen sie ein Ehepaar, das dort spazieren ging, heftig um. Katerina Jacobs,: „Ich weiß bis heute noch nicht, ob das Ehepaar das überlebt hat. Ich entschuldige mich natürlich. Aber das sollte man wissen: Für den Schauspieler ist eines am wichtigsten, dass er pünktlich auf der Bühne erscheint.“ Eine zweite Sache ist auch noch wichtig: Tourneeschauspieler müssen hart im Nehmen sein. Das bewiesen sämtliche Geschichten indirekt gleich mit.

Schon zu Beginn des Abends machte Katerina Jacob deutlich, dass sie aus einer großen Schauspielerfamilie kommt. Sie ließ per Handy ihre Mutter Ellen Schwiers ein paar Minuten an der Lesung teilnehmen, die sie im Plauderton begann. Überhaupt hielt sich nicht nur an ihre Bücher ( zu Beginn las sie aus „Oh ( weia) Kanada“ vor ), sondern ergänzte immer wieder erzählend aus dem großen Repertoire ihrer Auftrittserlebnisse. Das machte das Zuhören sehr entspannend.

Eine Flasche Rotwein

Zum Schluss überreichte ihr Paul-Wilhelm Thiel eine Flasche Rotwein mit dem Hinweis, dass sämtliche Aufführungen des „Ensembles“ ( der von Ellen Schwiers gegründeten Tourneetruppe,) insgesamt 19, immer auch in Meggen zu sehen gewesen seien. Katerina Jacob bekam für ihr plauderndes Vorlesen viel Applaus. Sie hatte an dem Abend fast alles richtig gemacht, nur eines nicht: die Einordnung von Finnentrop in den Hochsauerlandkreis.

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