NRW-Meisterschaften

Marco Giese hadert mit der Taktik

Marco Giese

Marco Giese

Foto: Lutz Großmann

Dortmund.   Wie weit die Bewertung einer guten Platzierung bei Meisterschaften auseinandergehen kann, zeigten die Titelkämpfe von NRW in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle.

Marco Giese von der SG Wenden war es nicht vergönnt, seinen Titel über 1500 Meter aus dem Vorjahr zu verteidigen und unterlag in einem typischen Meisterschaftsrennen dem 800-Meter-Spezialisten Julius Scherr (TV Wattenscheid 01). „Nein, ich bin mit dem zweiten Platz nicht zufrieden, ich hätte auch gewinnen können“, so der NRW-Vizemeister wenige Stunden nach seinem Lauf.

Gieses Unzufriedenheit ist wohl vor allem der Taktik geschuldet, keiner wollte Tempo machen. „Da wurde sofort gedrängelt und geschubst, die ersten tausend Meter wurden nur in etwa 2:40 Minuten zurückgelegt, dann zog das Tempo plötzlich an. Ich dachte schon, dass ich am Ende der Beste bin“, blickte Giese zurück, zollte aber auch seinem fünf Jahre jüngeren Bezwinger Julius Scherr Lob. „Julius hat sich zuletzt sehr gesteigert, der ist richtig stark geworden.“

Um dann in der Einschätzung seiner eigenen Leistung auch die letzten Wochen zu berücksichtigen: „Hinter mir liegen jetzt einige schwere Rennen, als es auch um die DM-Norm ging. Das habe ich schon etwas gemerkt.“

Denkbar auch, dass sich vielleicht die größere Grundschnelligkeit des 800-Meter-Spezialisten Scher gegen den 1500-Meter-Spezialisten Marco Giese durchsetzte. Trotz Wenn und Aber - jetzt rufen die nationalen Titelkämpfe in Dortmund. Und dann will der zurückhaltende, sympathische Mittelsteckler aus Wenden in das Finale – und genau darauf sind die Trainingseinheiten der letzten beiden Wochen ausgerichtet.

Feilen an Schlüsselstellen

Andere Gemütslage dagegen beim Team der Startgemeinschaft Olpe/Fretter, deren U20-Quartett über 4x200 Meter in der Besetzung Cathrin Eiden, Julia Hippler, Alina Hoberg und Christin Schneider unter 16 Teams auf Platz 7 kam.

„Das ist ganz okay, wir sind rundum zufrieden“, bewertete SCO-Chef Karl-Heinz Besting die Vorstellung der jungen Truppe, die mit Ausnahme von Cathrin Eiden alle dem ersten Jahr der U18 angehören. „Mit unserer reinen U18-Staffel wären wir in dieser Altersklasse in die Medaillenränge gelaufen“, vermutet Besting und nahm Bezug auf die Priorität der Zusammensetzung. „Es war ein weiterer Test für die Deutschen Hallenmeisterschaften der U20 in Halle an der Saale, und da es keine U18-DM in der Halle gibt, liegt unser Fokus eben auf der U20. Ein möglicher Titelgewinn in NRW bei der U18 war uns nicht so wichtig.“

Das Ziel „U20-DM in der Halle in Halle“ hat die Staffel der StG Olpe/Fretter schon seit langem erreicht, mehrfach bereits wurde die Norm erfüllt. „Die NRW-Meisterschaften waren für uns ein weiterer wichtiger Test. Wir feilen an den Schlüsselstellen, an den Wechseln. Das Verhalten beim Einfädeln, auf welcher Bahn, Fragen über Fragen. Manchmal fehlt noch ein wenig die Frechheit, ohne aber andere behindern zu wollen. Da sind noch einige Meter gutzumachen“, lässt Besting seinen Gedanken freien Lauf. Zufriedenheit auch über das Resultat der zweiten Staffel, die mit Alina Franke, Wiebke Rosemeyer, Luisa Schürhoff und Greta Wulff in 1:49,84 Platz 11 belegte. Auch in diesem Quartett gehören mit Wiebke Rosemeyer und Luisa Schürhoff zwei Athletinnen dem jüngeren U18-Jahrgang an.

Knoten bei Franka Linse platzt nicht

Bei Hochspringerin Franka Linse (U18) vom Skiclub Olpe will der Knoten einfach nicht platzen. „Bei 1,64 Meter blieb Franka hängen, das war leider mal wieder Kopfsache“, berichtete Besting von ihren mentalen Problemen. Aber die richtigen Höhenflüge bleiben ihr derzeit verwehrt. Kein Wunder, dass auch Trainer Dieter Rotter mit den 1,59 Meter (Platz 5) unzufrieden war. Da gerät die zweitbeste Einzelplatzierung für den Kreis Olpe fast in den Hintergrund.

Kramer zufrieden

Zufriedenheit dagegen bei Christian Kramer von der LG Südsauerland. Paula Simon (U18) verpasste über 60 Meter mit 8,29 Sekunden um eine hundertstel Sekunde die Finalteilnahme.

„Die Zeit ist okay. Sie ist derzeit in ihrem Leistungsbereich.“ Ebenso bewertete Kramer die Leistung von Carlotta Selbach (U20), die über 200 Meter mit 26.65 Sekunden Rang 10 belegte.

Für den Ex-Südsauerländer Julius Knoche geht es bei der LG Kindelsberg Kreuztal weiterhin bergauf, auch wenn er über 60 Meter mit 7,14 Sekunden im Finale (Platz 7) seine Bestzeit knapp verpasste.

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