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Michael Thielmann schießt RWL in die Oberliga

Michael Thielmann 25 Jahre Oberliga-Aufstieg RW Lennestadt

Michael Thielmann 25 Jahre Oberliga-Aufstieg RW Lennestadt

Foto: Privat / Jörg Schaefers

Grevenbrück.   Dank seiner Tore ist der Traum von der Oberliga in Grevenbrück wahr geworden. Ein Elsper wird zur RWL-Legende.

Vielleicht liegt der Schlüssel für den sensationellen Oberliga-Aufstieg von RW Lennestadt vor 25 Jahren in Attendorn. In der Hansestadt traf sich der harte Kern der RWL-Mannschaft nach der bitteren 2:3-Niederlage gegen den Hasper SV im Hotel zur Post.

Bei Wirt Otto Kersting spülten Michael Thielmann und Co. den Frust nach dem verlorenen Spiel im Lüdenscheider Nattenberg-Stadion um den dritten Verbandsligaplatz, der den direkten Sprung in die Oberliga bedeutet hätte, runter. „Da haben wir richtig einen gemacht und uns geschworen: Jetzt erst recht“, erinnert sich der damals 28-jährige Thielmann noch gut. Denn der nächste Matchball wartete schon auf die Rot-Weißen aus Grevenbrück.

Wenig später schrieb RW Lennestadt Fußballgeschichte und stieg als erstes und bislang einziges Fußballteam aus dem Kreis Olpe in die Oberliga auf, damals immerhin die vierthöchste Spielklasse. Die Presse, auch diese Zeitung, überschlug sich fast mit Lobeshymnen. Hier ein kleiner Auszug aus den Schlagzeilen vom Juni 1994: „RWL feiert die Oberliga mit einer rauschenden Nacht“ – Michael Thielmann schießt RWL in die Oberliga“ – „Größter Triumph für Fußballverein im Kreis Olpe. RWL steigt in die Oberliga auf. Riesenjubel in Grevenbrück”.

Seitfallzieher bringt die Wende

Mit seinen beiden Toren zum 2:2 gegen BW Wewer – mit diesem Unentschieden schafften im dritten Spiel der Relegationsrunde beide Mannschaften den Aufstieg – war Michael Thielmann maßgeblich an diesem rot-weißen Fußballtraum beteiligt. Erst traf der Stürmer per Seitfallzieher zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich. „Sechs oder sieben Minuten vor Schluss“, blickt Thielmann auf die entscheidende Szene zurück, stand der Elsper Junge nach einem Schuss von Uli Gnacke „da, wo ein Stürmer stehen muss“ und sorgte per Rechtsschuss für das vielumjubelte 2:2.

Nach dem Schlusspfiff brachen an diesem Mittwochabend in Bockum-Hövel alle Dämme, umjubelten 400 mitgereiste RWL-Fans ihre Aufstiegshelden. Mittendrin Michael Thielmann und sein starker rechter Fuß. „In den Minuten nach dem Spiel ist die ganze Last abgefallen. Die Busfahrt nach Grevenbrück und die Feier bei Klaus-Georg Born waren einzigartig. So etwas vergisst man nie. Das war ja mitten in der Woche. Einen Tag später haben wir eine Planwagenfahrt gemacht“, hat der heute 53-Jährige die Bilder noch im Kopf.

Wenn Michael Thielmann heute das Erfolgsgeheimnis der damaligen Aufstiegshelden nennen soll, muss er nicht lange überlegen. „Das waren die herausragende Kameradschaft und der sensationelle Teamgeist. Jeder konnte sich auf den anderen verlassen.“ Schon unter Dieter Richard war das Team nicht nur auf dem Platz eine Einheit. „Wir sind damals mit der kompletten Mannschaft und unseren Frauen für 14 Tage nach Lanzarote geflogen, los ging es am 27. Dezember. Das war total super.“ Damals sind Freundschaften entstanden, die bis heute anhalten.

Dazu gehören gemeinsame Urlaube oder wie am 1. Mai eine „schöne Wanderung“ in Elspe. Beim Stammtisch mit Spiry Vormweg, Matthes Kremer, Ralf Sonnenberg, Thomas Vieregge, Ralf Arens und Youngster Jens Selter möchte man schon mal Mäuschen spielen, wenn die ehemaligen Fußballer über alte Zeiten reden.

Mannschaftsgeist spielt große Rolle

Zwei Jahre lang konnte sich RW Lennestadt in der Oberliga behaupten. „Dank einer intakten Mannschaft“, darauf legt Michael Thielmann großen Wert. Daran änderten – vor allem in der zweiten Saison – auch regelmäßige Niederlagen nichts. „Das war unabhängig vom Ergebnis. Beim Spiel in Stadtlohn, fast an der holländischen Grenze, lagen wir nach gefühlt zehn Minuten schon 0:3 zurück. Auf der Rückfahrt im Bus herrschte trotzdem tolle Stimmung“, berichtet Michael Thielmann.

Wahrscheinlich war die Stimmung auch deshalb so ausgelassen, weil die meisten ahnten, dass die Oberliga vielleicht doch eine Nummer zu groß war für einen kleinen Verein wie RW Lennestadt. „Man muss sich auch mal vor Augen halten, mit was für einem kleinen Kader wir als Aufsteiger gespielt haben“, verweist Thielmann auf die Konkurrenz aus dem Ruhrgebiet. Während die meisten anderen Oberligateams personell kräftig zulegten, blieb die RWL-Mannschaft zusammen. Aber auch so reichte es für Michael Thielmann und Co. für spektakuläre Siege gegen die BVB-Amateure mit Lars Ricken und Ibrahim Tanko oder zu Hause auf Asche gegen die Amateure des FC Schalke 04. Der damalige Schalke-Trainer Klaus Fischer, eine blau-weiße Klublegende, war nach dem 2:6 an der Habuche sprachlos und musste wenig später gehen.

Natürlich war der Aufstieg in die Oberliga ein „unvergessliches Erlebnis“ für Michael Thielmann. Für den Elsper Jungen war aber auch der Landesligaaufstieg 1985 als A-Jugendlicher mit seinem Heimatverein SSV Elspe unter Trainer Wolfgang Wittemund „absolut herausragend“. Als Spielertrainer führte Thielmann später den SV 04 Attendorn 2001 mit seinem Kumpel Ralf Arens in die Landes- und den SSV Elspe 2003 zurück in die Bezirksliga. „Das war alles auf seine Art etwas Besonderes“, kann und will der ehemalige Torjäger diese Erfolge gar nicht miteinander vergleichen.

Ein Sturmtrio wie Michael Thielmann, Spiry Vormweg und Darius Orzechowski hat es bei RW Lennestadt nicht mehr gegeben. „Jeder von uns hatte seine Art Fußball zu spielen“, erinnert sich der Elsper gerne zurück. „Das war eine tolle Zeit.“

Der Ex-Stürmer mit der Torgarantie hat aber auch die fußballerische Gegenwart fest im Blick. Und in der ist aktuell die SG Finnentrop/Bamenohl im Kreis Olpe das Maß aller Dinge. „Das ist herausragend und wunderbar, was da abgeht.“

Vielleicht können die Schrages, Entrups, Hennes und Co. auch für ein Fußballmärchen sorgen wie RW Lennestadt vor einem Vierteljahrhundert. Michael Thielmann drückt seinen möglichen Nachfolgern jedenfalls kräftig die Daumen.

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