Schiedsrichter

Mit 18 Jahren Landesliga: Mika Arlitt in toller „Frühform“

Mika Arlitt (rechts) pfeift, Kreis-Obmann Marco Cremer assistiert, so geschehen am Sonntag in Gerlingen.

Mika Arlitt (rechts) pfeift, Kreis-Obmann Marco Cremer assistiert, so geschehen am Sonntag in Gerlingen.

Foto: Lothar Linke

Hünsborn.  „Eine stolze Leistung!“ So lobt Marco Cremer, Kreisschiedsrichter-Obmann, den Aufstieg des Fußball-Schiedsrichters Mika Arlitt von RW Hünsborn.

Nicht ohne Grund, hat es Arlitt doch mit nur 18 Jahren in die Landesliga geschafft. Außerdem ist er in der Jugend-Bundesliga (A- und B-Jugend) im Einsatz. Eine echte Seltenheit.

Landesliga mit 18 - damit bekommt das Wort „Frühform“ eine völlig neue Bedeutung. Wo und bei welchem Spiel er seine Premiere in dieser Spielklasse feiert, weiß er noch nicht. Mika Arlitt: „Die Ansetzungen sind noch nicht raus.“

Wie schafft man so was? Die Antwort klingt eigentlich simpel, doch steckt eine Menge Disziplin drin. Und Selbstkritik. Arlitt: „Ich denke, dass ich mich von Spiel zu Spiel verbessern konnte, weil ich jedesmal reflektiert habe, was ich falsch gemacht habe und was ich verbessern kann.“ Das könne vielleicht dazu führen, dass er „zu kritisch da herangehe,“ weiß er, „aber das hat mich immer weiter gebracht. Dass ich mir Tipps eingeholt habe, sei es von Marco Cremer oder von Thorben Siewer, meinem persönlichen Coach.“

Was für ihn feststeht und was er jungen Menschen mit auf den Weg gibt: „Die Schiedsrichterei hat mich in der Persönlichkeit nach vorn gebracht. Das höre ich auch von Freunden und Bekannten.“

Bemerkenswerte Aussage

Am Sonntag waren die Rollen vertauscht. Beim Testspiel des Westfalenligisten FSV Gerlingen gegen Salchendorf pfiff Mika Arlitt - und sein Kreis-Obmann Marco Cremer assistierte ihm an der Linie.

Ruhig, souverän, gestenarm war die Spielleitung des jungen Unparteiischen. So ist sein Stil. „Ich versuche immer, kommunikativ auf die Spieler zuzugehen.“ Und dann folgt eine bemerkenswerte Aussage: „Ich weiß, die haben alle wesentlich mehr Erfahrung als ich. Ich bin erst seit vier Jahren dabei, bin 19 Jahre jung. Da muss ich denen keinen vom Pferd erzählen. Ich bin mir meines Standings bewusst.“ Nur: Deutlich müssen Worte und Gesten sein, „damit ich nicht missverstanden werde.“

Mika Arlitts Schiedsrichterlaufbahn begann klassisch. Bis zur B-Jugend hat er Fußball gespielt bei Rot-Weiß Hünsborn. Aber eines teilt er mit den Kickern, die irgendwann ins Amt des Unparteiischen wechseln: „Ich fand es schon immer cool, Verantwortung zu übernehmen.“ Über Markus Schönauer, dem Vereins-Schiedsrichterobmann bei Rot-Weiß Hünsborn, meldete sich Mika Arlitt zum Schiedsrichterlehrgang an. Mit 15 Jahren. Die Prüfung bestand er ohne Probleme. Mit dem Fußballspielen hörte er auf, um sich voll auf die Schiri-Tätigkeit zu konzentrieren.

Kann man von einem Sprung ins kalte Wasser sprechen, wenn die Premiere ein D-Jugendspiel ist? Kann man. Auch wenn von den Zehn- bis Zwölfjährigen kaum Stress ausgeht. Vielmehr seien es die Eltern am Spielfeldrand, die dem jungen Schiedsrichter zusetzen. Diese Erfahrung kann Mika Arlitt bestätigen: „Da werden von außen schon Sprüche gekloppt. Das hat mich dann auch beschäftigt. Aber mittlerweile ist das absolut kein Thema mehr, weil man das komplett ausblendet.“

Dieses Ausblenden wird umso wichtiger, je größer die Zuschauerkulisse ist. 1200 wurden gezählt beim Relegationsspiel des SV Setzen gegen Assinghausen in der Bezirksliga in diesem Sommer. Arlitt war Assistent, hatte die Massen nur drei Meter entfernt im Rücken, er spürt die Nähe des Publikums viel intensiver als der Schiedsrichter auf dem Platz, in diesem Falle Pascal Emrich. „Da konnte man jedes Wort verstehen,“ erinnert er sich. Doch unwohl war ihm dabei nicht. „Die Setzener hatten es gut geregelt, es waren einige Ordner eingesetzt und Sperren aufgestellt.“

Knifflige Situationen, wie Millimeter-Abseits, blieben dem jungen Schiedsrichter in diesem Spiel erspart. In den letzten zehn Minuten gab’s einen Strafstoß. „Der war für mich eindeutig, und Pascal hat ihn richtig erkannt. Ich habe noch per Funk reingepiepst, dass es auch für mich ein klarer Strafstoß war,“ berichtet Arlitt.

Beim heimischen Schiedsrichterausschuss ist man zu recht stolz. Marco Cremer: „Mit Mika schafft seit vielen Jahren mal wieder ein Schiedsrichter des Kreises Olpe den Aufstieg in die Landesliga. Das zeigt, was mit sehr intensiver Arbeit und ständigem Begleiten von jungen Schiedsrichtern möglich ist - wenn diese es selber möchten und das entsprechende Niveau und Talent haben. Wir haben uns in den vergangenen Jahren auch konsequent von Schiedsrichtern des Förder-Pools getrennt, wenn Einsatz, Leistung, Talent oder Sozialverhalten nicht gepasst haben.“

Dank an den Opa

In allen sieben Bezirksligaspielen zeigte Mika Arlitt Top-Leistungen (wie auch bei Rüblinghausen gegen Altenhof) und lag mit einem sehr guten Notendurchschnitt unter den ersten 10. Bezirksliga ist für Schiedsrichter mit das härteste Brot, es ist die höchste Liga, in der man ohne Assistenten auskommen muss. Arlitt bestätigt das: „Nach all meinen Bezirksligaspielen brauchte ich erstmal Ruhe, weil diese Spiele einem alles abfordern.“

Ab dem 16 Lebensjahr fuhr er mit dem Motorrad (unter 125 ccm) zu den Spielen, im Winter chauffierte ihn der Opa. „Da hat er eine Menge Zeit investiert,“ sagt Mika Arlitt dankbar.

Zielgerichtet wie in seiner Schiedsrichter-Tätigkeit ist Mika Arlitt auch beruflich. Das Abitur hat er seit diesem Frühjahr in der Tasche. Jetzt beginnt er ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Rettungsdienst. „Da bin ich der Überzeugung, dass man das immer gebrauchen kann, und dass man sich in der Persönlichkeit weiter entwickelt.“

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