Orland Pfeiffer

„Mister Neu-Listernohl“ wird 80 Jahre

Orland Pfeiffer steht vor einem runden Geburtstag.

Orland Pfeiffer steht vor einem runden Geburtstag.

Foto: Martin Droste

Neu-Listernohl.   Das Café Moses in Neu-Listernohl ist fast zum Wohnzimmer von Orland Pfeiffer geworden.

Hier sitzt der Mann mit den vielen Ämtern in Sport und Kommunalpolitik fast jeden Nachmittag und hält zwischendurch ein Schwätzchen mit Freunden und Bekannten.

Und hier im Café mit dem Jugendstil-Ambiente feiert „Mister Neu-Listernohl“, der eigentlich Orlandus heißt, am kommenden Montag mit zahlreichen Gästen seinen 80. Geburtstag. „Das wäre ohne die Unterstützung der Familie Lütticke und von Rüdiger König nicht möglich gewesen“, bedankt sich der am 15. Januar 1938 im seit Jahrzehnten in den Fluten der Biggetalsperre versunkenen Ort Listernohl Geborene beim Inhaber des Cafe Moses und dem Vorsitzenden des Stadtsportverbandes Attendorn.

„Wir sind 1964 nach Neu-Listernohl gezogen und waren mit die Letzten aus dem alten Dorf“, erinnert sich Orland Pfeiffer an die Umsiedlung mit seinen Eltern aus der ehemaligen Heimat im Biggetal. Nach dem Staubeginn am 4. November 1965 stieg das Wasser wegen des Dauerregens viel schneller als geplant. „Am 2. Weihnachtstag bin ich mit Heinz Schnüttgen nach Hohenhagen gefahren. Da stand schon alles unter Wasser“, weiß der bald 80-Jährige noch genau.

Alles stand unter Wasser

Schon im alten Dorf hatte Orland Pfeiffer seine Leidenschaft für König Fußball entdeckt. Nach dem 2. Weltkrieg spielten die Listernohler erst in Sondern. Dann bauten einige fleißige Männer des SC Listernohl mit Hacke und Schüppe den Aschenplatz „Auf dem Stein“. Sie sind als „Steinmännchen“ in die Geschichte des Vereins eingegangen, der 1929 als katholische DJK (Deutsche Jugendkraft) gegründet worden ist.

Der junge Orland Pfeiffer war schon 1953 Platzkassierer und übernahm vier Jahre später das Amt des Jugendleiters. Der SC Listernohl ließ ihn nicht mehr los. 14 Jahre war Pfeiffer Geschäftsführer und stand anschließend 12 Jahre als 1. Vorsitzender an der Spitze des Sportclubs. Der Verein pendelte damals zwischen der 1. und 2. Kreisklasse. Neben Fußball hatte der SC Listernohl eine große Tischtennisabteilung sowie eine Leichtathletik- und Frauenabteilung.

„Geachtete Persönlichkeit“

Der Multifunktionär war Gründungsmitglied des am 21. April 1972 ins Leben gerufenen Stadtsportverbandes Attendorn und von 1972 bis 1977 dessen Geschäftsführer. Zu diesem Zeitpunkt hatte es den Wirt der Dorfkneipe „Sonnenhof“ schon in die Kommunalpolitik gezogen. Für die SPD saß Orland Pfeiffer 27 Jahre im Attendorner Stadtrat und leitete u.a. den Ausschuss für Sport und Jugendpflege.

In dieser Funktion schlug Pfeiffer 1988 Rüdiger König als neuen Vorsitzenden des Stadtsportverbandes vor und hat das bis heute nicht bereut. Im Gegenteil. „Den Attendorner Sportvereinen geht es heute so gut wie nie. Das ist der große Verdienst von Rüdiger König.“

Das Kompliment gibt König gerne zurück: „Orland Pfeiffer ist eine beliebte und geachtete Persönlichkeit, die sich über mehrere Jahrzehnte mit viel Sachverstand und Herz um das Gemeinwohl nicht nur für seinen Heimatort Neu-Listernohl, sondern für das gesamte Stadtgebiet, verdient gemacht hat. Darüber hinaus ist er ein überzeugter und kritischer Demokrat mit hohem Urteilsvermögen, dem das Wohl der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Attendorn ganz besonders am Herzen liegt.“

Zu den Heimspielen des 2005 ins Leben gegründeten SC LWL - mit den Heimatvereinen SC Listernohl, SF Windhausen und SC Lichtringhausen - geht Orland Pfeiffer aus gesundheitlichen Gründen nur noch selten. Der Ehrenvorsitzende des SC Listernohl hatte damals eine Fusion mit dem benachbarten SV Listerscheid befürwortet, kann mit der heutigen Lösung aber gut leben.

Foto mit Willy Brandt

Beim Besuch dieser Zeitung hält der bald 80-Jährige stolz einen alten, fast vergilbten Zeitungsausschnitt in den Händen. Das Foto aus den frühen 1960er-Jahren zeigt den jungen Orland Pfeiffer neben dem damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, bei einer SPD-Veranstaltung in Gelsenkirchen. Der SPD gehört „Mister Neu-Listernohl“ seit 60 Jahren an.

Trotz aller gesundheitlichen Nackenschläge in den letzten Jahren mischt Orland Pfeiffer weiter im Dorfgeschehen mit. Und so macht der Mann mit den vielen Ämtern keinen Hehl daraus, dass er gegen den geplanten Abriss der Kirche ist.

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