Interview

Patrick Berg ist mit Entwicklung der JSG RHID-F zufrieden

Patrick Berg ist Geschäftsführer des VfR Rüblinghausen

Patrick Berg ist Geschäftsführer des VfR Rüblinghausen

Foto: Lothar Linke

Rüblinghausen.   Die Meisterschaft haben die A-Junioren der JSG RHID-F gewonnen. Aber ein Ziel ist noch offen.

Bezirksliga-Aufstieg! Das große Ziel der A-Jugendfußball-Spielgemeinschaft RHIDF, bestehend aus den Vereinen VfR Rüblinghausen, BW Hillmicke, SpVg Iseringhausen und SV Dahl/Friedrichsthal. Am 16. Juni startet die Aufstiegsrunde. Wir sprachen mit Patrick Berg, Geschäftsführer des VfR Rüblinghausen.

Spielgemeinschaften entstehen, Spielgemeinschaften trennen sich. Und das auch, wenn nur zwei Vereine beteiligt sind. Ist da eine Vierer-Gebilde nicht viel zerbrechlicher?

Patrick Berg: Es kann nur dann funktionieren, wenn zwischen den agierenden Personen ein Vertrauensverhältnis herrscht, und Kontinuität. Wir sind uns da absolut einig: Wir machen es langfristig, unabhängig davon wer wie viele Jugendspieler gerade beisteuern kann. Voraussetzung einer funktionierenden JSG ist ein für alle Seiten fairer Rahmenvertrag. Und den haben wir.

Die große Herausforderung im Jugendfußball ist nun mal die demografische Entwicklung. Und wenn du den Jungs ein gutes Umfeld bieten willst, brauchst du eine starke Gemeinschaft..

Vier Vereine aus drei Kommunen bilden die JSG RHIDF. Wie steht es da mit der Identifikation?

Da kann mir über die JSG jeder erzählen was er möchte: Die Identifikation ist immer beim Heimatverein, und das ist auch gut so. Die JSG ist Mittel zum Zweck. Die Spieler bleiben zum Beispiel allesamt Mitglieder in ihren Heimatvereinen.

Aber, jedes Kind, jeder Jugendliche will grundsätzlich in einem starken Team spielen, mit einer verlässlichen Perspektive durch alle Jahrgänge, wo die Chance auf sportliche Weiterentwicklung besteht. Was übrigens die Jugendlichen auch selber sagen. Also da gibt’s schon den Ehrgeiz, das darf man nicht unterschätzen.

Der beste Indikator ist die gute Trainingsbeteiligung und der enge Zusammenhalt auch außerhalb des Platzes..

Und danach?

Dann geht es sofort wieder in die Heimatvereine. Nehmen wir den VfR als Beispiel: mit Frederik Döppeler, mit Nico Schieritz mit Jonas Quast und Mike Dischereit gab es vier A-Jugendliche, die aktiv in der ersten Mannschaft mitgespielt haben. Wir hatten aber auch in diesem Jahr vom SV Dahl/Friedrichsthal den Robin Besting. Der spielt in der JSG in der A-Jugend, hat aber auch schon in der Mannschaft des SV Dahl mitgespielt.

...und ist aufgestiegen.

Genau. Das ist dann natürlich auch das Thema. Dass man sagt, wenn ich eine starke A-Jugend habe, da profitieren alle Vereine davon.

Ist diese JSG also ein Nachwuchsreservoir für alle Vereine? Aber nehmen wir Robin Besting. Er kann mit Dahl/Friedrichsthal in der Kreisliga A spielen. Wenn er sich aber Bezirksliga zutraut, und nach Rüblinghausen geht, was dann?

Das ist ein wichtiger Punkt. Wenn er nicht in der JSG gespielt hätte, oder wir diese JSG nicht hätten, dann hätte er womöglich schon vorher den Verein gewechselt. Hätte sich in Dahl/Friedrichsthal ab- und woanders angemeldet. So aber ist der Weg doch viel einfacher. Er kann die Entscheidung als Spieler seines Heimatvereins treffen.

Aber mal grundsätzlich: Wenn ein Fußballer in einer höheren Liga spielen will, dann ist er weg. Ihm kannst und darfst du keine Steine in den Weg legen. Höherklassig zu wechseln ist Weiterentwicklung. Die Alternative zur JSG ist, dass er sich schon im Jugendbereich abmeldet. Der Weg zurück ist dann deutlich schwieriger.

In unserer JSG nutzen übrigens auch Spieler von fremden Vereinen die guten Rahmenbedingungen. Hier sind wir ganz offen. Wenn es sportlich und vor allem menschlich passt, ist jeder und wenn es auch mal nur für ein oder zwei Jahre ist, herzlich willkommen.

Jetzt steht noch ein großes Ziel an. Der Bezirksliga-Aufstieg der A-Jugend. Wie wichtig wäre der?

Wir wollen die Aufstiegsrunde erfolgreich bestreiten. Das wäre ein Riesenerfolg. Die Meisterschaft in der Kreisliga A war schon toll, das Kreispokal-Endspiel auch, aber das Sahnehäubchen wäre Bezirksliga. Wir wären dann mit der B- und der A-Jugend in der Bezirksliga vertreten. Das wäre für die gesamte JSG ein Schub.

Wie wichtig war es für den Jugendbereich, dass die Erste des VfR Rüblinghausen den Bezirksliga-Klassenerhalt geschafft hat?

Enorm! Was ebenfalls großartig ist, dass Dahl/Friedrichsthal mit zwei Mannschaften aufgestiegen ist. Das hat mich echt gefreut, weil das auch in Dahl/Friedrichsthal nochmals den Fokus auf den Fußball verstärkt.

Ganz klar: Je höher die ersten Mannschaften spielen, umso besser ist das. Dieser Doppelaufstieg erhöht ja den Reiz, in ihrem Heimatverein zu spielen.

Die Philosophie bei Rot-Weiß Hünsborn, um nur ein Beispiel zu nennen, ist eine sehr enge Verbindung zwischen den drei Seniorenmannschaften und der Jugend. Die Zusammenarbeit dort gilt als beispielhaft. Ist das bei RHID auch so?

Auf jeden Fall. Als die D-Jugend Kreispokalsieger wurde, war die gesamte C-, B- und A-Jugend zum Unterstützen da. Es hat sich auch gezeigt, wie wichtig Zusammenhalt ist.

Denn: Die A-Jugendlichen haben in diesem Jahr in der ersten Mannschaft nicht nur ausgeholfen, sie haben sie gerettet. Weil sie sofort Leistungsträger waren. Es hat sich auch gezeigt, wie wichtig das ist.

Das ist ein großes Kompliment für die Jugendspieler?

Ja. Aber andererseits zeigt das natürlich auch eher eine Schwäche der ersten Mannschaft, dass sie es am Ende allein, aufgrund der vielen verletzungsbedingten Ausfälle, nicht geschafft hat, sondern auf die A-Jugendlichen angewiesen war. Für die Jungs war das supergut. Allerdings geht das nur, wenn wirklich eine enge Kommunikation da ist. Die klappt mal besser, mal weniger gut. Da musst du immer hinterher sein.

Aushilfe in der Ersten und Titeljagd in der A-Jugend-Kreisliga. War diese Belastung nicht zu hoch?

Unser klares Ziel war mit der Ersten die Bezirksklasse zu halten und mit der A-Jugend Meister zu werden. Wir wollten in diese Aufstiegsrunde! Es gab zwei schwere Konkurrenten in der Liga, und es war schon Spitz auf Knopf.

Im Mai hatten wir sieben Meisterschaftsspiele von der A-Jugend, plus Spiele der Ersten. Da muss man schon gucken, dass man Jugendliche nicht überfordert.

Zurück zur JSG: Wird die nach jeder Saison neu verlängert?

Die gilt langfristig. Wir setzen uns regelmäßig mit den Jugendvorständen zusammen, und dann wird die Budgetplanung gemacht, über die Mannschaften gesprochen über die Trainer. Das ist mit vier Vereinen aus drei Kommunen schon eine Herausforderung. Aber wir haben es immer gut hinbekommen.

Weil wir alle das gleiche Ziel haben: Die Jugendspieler bestmöglich ausbilden, damit sie im Heimatverein im Seniorenbereich spielen können. Einen wesentlichen Faktor dürfen wir nicht außer acht lassen.

Welchen?

Die Eltern. Die müssen sich, wenn sie auf den Sportplatz kommen, wohl fühlen. Sie müssen merken, dass man hier positiv und wertschätzend miteinander umgeht, ob bei Siegen oder bei Niederlagen.

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