„Mein größter Tag“

Peter Srodka schenkt der SpVg Olpe das „Wunder von 1988“

40 Jahre ist’s her: Als Spielertrainer führt Peter Srodka (rechts) den TuS Rhode 1978/79 in die Bezirksliga. Neun Jahre später vollbringt er mit der SpVg Olpe ein Fußballwunder.

40 Jahre ist’s her: Als Spielertrainer führt Peter Srodka (rechts) den TuS Rhode 1978/79 in die Bezirksliga. Neun Jahre später vollbringt er mit der SpVg Olpe ein Fußballwunder.

Foto: Privat

Olpe.  Ob mit dem VSV Wenden, mit der SpVg Olpe, dem TuS Erndtebrück oder mit dem TuS Rhode… Fußballtrainer Peter Srodka weiß, wie Aufstiege gehen.

Das Befürchtete ist eingetreten. Auf die Frage, was denn nun der größte Erfolg seiner Laufbahn gewesen sei, antwortete Peter Srodka, Fußballtrainer aus Olpe gelassen: „Da gibt es einige.“

Diese Aussage hilft nicht weiter. Denn wir suchen ja den einen, den alles überragenden Triumph. Der Mann hat ja recht. Srodkas Karriere ist mit Aufstiegs-Sekt getränkt. Fünfeinhalb Mal hat er, Jahrgang 1942, als Trainer eine Mannschaft in eine höhere Klasse geführt. Fünfeinhalb Mal deshalb, weil er beim TuS Rhode wegen einer Hüftoperation zur Saisonhalbzeit 1996/97 aufhören musste. Sein Kollege Werner Heuel hat das Werk dann vollendet. Den Sprung in die Kreisliga A.

Den TuS Erndtebrück führte er 1970 in die Bezirksliga, mit dem VSV Wenden stieg er zweimal auf. 1978 in die Bezirksliga und 1985 in die Verbandsliga. Dem TuS Rhode schenkte er 1979 mit dem Bezirksliga-Aufstieg die größte Stunde, der SpVg Olpe 1988 einen völlig unerwarteten Triumph.

Dürrer Kranz mit Eichenblättern

Aber was war nun das Größte? Am Tisch in Srodkas Wohnung in Olpe gerät das Gespräch immer mehr zu einer zähen Verhandlung. Zu einer verzweifelten Suche nach der Nuance. Nach dem Detail, das den einen Tag hervorhebt. „Einen Erfolg muss es doch geben, der alle in den Schatten stellt.“ Srodka greift in die Sprüchekiste: „Es gibt viele größte, aber nur wenige kleinste.“ Zwischendurch betritt Srodkas Ehefrau Rita den Raum. „Am schönsten war’’s in Rhode. Da haben wir auf den Straßen getanzt,“ sagt sie. „Das haben wir bei allen Aufstiegen. Aber du warst nicht immer dabei,“ kontert der Multi-Aufsteiger.

Plötzlich holt Peter Srodka aus dem Berg von Schwarz-Weiß-Fotos und Zeitungsausschnitten einen kleinen, zerbrechlich wirkenden Kranz hervor. Aus dünnem Holz ist der geflochten, mit welken Eichenblättern, mit Eicheln und Bändchen verziert. „Den gab es für die Westfalenmeisterschaft der Höheren Schulen 1958,“ sagt er, „die haben wir mit dem Heinrich-Kleist-Gymnasium Bochum-Gerthe geholt.“

Wer Srodka kennt, weiß, dass er seine Gesprächspartner gern mal kitzelt. Aber das hier ist doch nicht Ihr Ernst, oder? Gut, es war sein erster Erfolg. Mit zarten 15 Jahren. Doch will er diese Schulmeisterschaft wirklich vergleichen mit den Aufstiegen im Kreis Olpe? Mit den spektakulären Triumphen, in entfesseltem Massenjubel gefeiert von Hunderten, wenn nicht über 1000 Fans? Ja, will er. Denn dieser Erfolg war gegen Schüler-Nationalspieler aus Dortmund, Essen und Gelsenkirchen-Schalke erkämpft.

„Teuerster Kreisligist Deutschlands“

Vom Level her war zweifellos der Verbandsliga-Aufstieg mit dem VSV Wenden 1985 das Gigantischste. Da hatte sich der VSV endgültig zur Fußball-Großmacht in der Region aufgeschwungen. „Ich würde sagen: Gefühlsmäßig war das mit einer Supermannschaft größer als die anderen. In Wenden war, was die Zuschauer und die Stimmung anging, immer richtig was los,“ kommentiert Srodka den Trubel vor 34 Jahren.

Schon 1978 hatte er mit dem VSV den Aufstieg gepackt. Vor 1800 Zuschauern im Entscheidungsspiel, gegen Langenei/Kickenbach, Und mit seinem Spielmacher Heribert Junge. „Der hatte ein unglaubliches Auge“, erinnert sich Peter Srodka, „wir haben uns vorn abgewechselt.“ Der VSV hatte einen starken Kader, die Gegner waren stets besonders heiß. „In Rahrbach,“ erinnert sich Srodka, „hatten sie ein Plakat aufgehängt: Die teuerste Kreisliga-Mannschaft Deutschlands kommt.“

Mit schwarzem Anzug in den Matsch

Eine Sonderstellung nimmt der Landesliga-Aufstieg mit der Spielvereinigung Olpe 1988 ein. Der war ein Fußballwunder, weil die Kreuzberg-Elf von ganz unten kam. „In der Saison davor haben wir gegen den Abstieg gespielt. Und das unter Ausschluss der Öffentlichkeit,“ erinnerte sich Srodka an den sportlich wohl tiefsten Punkt in der 100-jährigen Geschichte der SpVg Olpe. Die hatte die Schlinge schon um den Hals und verhinderte das Unvorstellbare, den Sturz in die Kreisliga, erst in einer Dreier-Relegationsrunde.

Dass die Spielzeit drauf derart brillant verlaufen würde, „das war überhaupt nicht vorauszusehen,“ drückte es Srodka noch gelinde aus. Die Olper hatten eine gute Truppe. Mit Michael Kreis kam vom Kreisligisten aus Bleche ein Volltreffer erster Güte: „Er hat 29 Buden gemacht,“ schwärmte Srodka, „ich freue mich heute noch, wenn ich ihn sehe.“

Eine Sensation nahm Konturen an. Die war perfekt, als in Hilchenbach der noch fehlende Punkt eingefahren war. Mittlerweile hatte sich auch die Euphorie um die SpVg Olpe wieder eingestellt, eine riesige Zahl von Schlachtenbummlern stürmte den Platz. „Der Echen Volmer, unser Betreuer damals, wälzte sich mit einem schwarzen Anzug im Matsch,“ lachte Srodka. Staffelleiter Hans Walle gratulierte Kapitän Matthias Schönauer. Gefeiert wurde im Samos und im Roten Hahn.

Alles ein alter Hut

Es passte alles. „Die Mannschaft hat total harmoniert. Wenn du aufsteigen willst, dann muss alles passen. Wir hatten keine Stinkstiefel dabei“ Die Trainingsbeteiligung war konstant hoch, die Spieler selbst trugen zu fortschrittlichen Übungen bei. Der Vater von Thorsten Feldmann hatte das bekannte Fahrradgeschäft in der Felmicke. „Thorsten brachte alte Fahrradschläuche mit. Damit machten wir Antrittsübungen. Der Spieler hinten hielt den Schlauch fest, der vorne lief los. Das war immer ein Spaß, wenn der Hintere plötzlich losließ und es knallte,“ berichtet Srodka, „vieles, was heute als moderne Trainingsmethoden verkauft wird, ist ein alter Hut.“

Und eines hat er mitgenommen aus den vielen Stunden der Freude, des Erfolges, nämlich, dass nichts ewig ist. „Das Glück ist ein Hauch. Ein Husch.“

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