Interview

Petra Weschollek: „Antholz ist mein Lieblingsort“

Petra Weschollek vor „ihrem“ Gymnasium „GymSL“ in Lennestadt

Petra Weschollek vor „ihrem“ Gymnasium „GymSL“ in Lennestadt

Foto: Volkher Pullmann. / Volkher Pullmann

Oberhundem.  Im Interview lässt Petra Weschollek, Biathlon-Olympiateilnehmerin von 1994, ihre Karriere Revue passieren.

Am Donnerstag beginnt die Biathlon-WM in Antholz (Südtirol). Petra Weschollek, Olympiateilnehmerin von Lillehammer 1994, nach Studium der Sportwissenschaften und Französisch als Lehrerin am Städtischen Gymnasium Lennestadt tätig und Trainerin beim Skiclub Oberhundem, blickt zurück und äußert sich auch kritisch zur Entwicklung des Biathlonsports.


Frau Weschollek, die Biathlon-WM beginnt an diesem Donnerstag. Was empfinden Sie gerade vor dieser WM, die ja in Antholz stattfindet?
Petra Weschollek: Das ist natürlich ein ganz spezieller Ort für mich. Südtirol ist ja im Rahmen der Biathlon Trophy Oberhof-Ruhpolding-Antholz immer ein gewisser Abschluss. Genau dort habe ich 1994 mit Platz 18 meine beste Weltcup-Platzierung erzielt. Das war mein größter Erfolg, der vor Ort mit der Nominierung für die Olympischen Winterspiele in Lillehammer gekrönt wurde.


Was ist so besonders an Antholz?
Das Ambiente, die Kulisse, die charmanten Südtiroler, die Begeisterung der Fans, da stimmt alles. Das ist einfach mein Lieblingsort. Und das Wetter zeigt sich auch meistens von seiner besten Seite.


Sie sind damals nur ein Jahr nach den Spielen in Norwegen im März 1995 zurückgetreten. Haben Sie das irgendwann mal bedauert?
Das ist eine lange Geschichte. Zuerst war ich ziemlich frustriert, als ich ins zweite Glied zurückversetzt wurde. Martina Zellner rückte für mich ins A-Team rein, war später bei Weltmeisterschaften weit vorne, holte auch Medaillen. Dann kommen schon mal Gedanken wie „Was wäre, wenn ich durchgezogen hätte?“ Aber es war eben anders gekommen. Ich hatte eine Entscheidung getroffen.


Haben Sie mal an ein Comeback gedacht?
Nicht ernsthaft. Ich war schon wenigstens zwei Jahre außen vor. Ich steckte mitten im Studium und hatte meine berufliche Perspektive im Visier. Nach so langer Zeit Anschluss im Hochleistungssport zu finden wäre unrealistisch gewesen.


Wie ist denn heute, nach über 25 Jahren Ihre Einstellung zum Biathlon?
Es war zunächst sehr schwer, dem Sport den Rücken zuzukehren. Der erste Frust führte in den beiden ersten Jahren dazu, dass ich Biathlon nicht am Fernsehen erleben wollte. Die Enttäuschung war noch sehr groß. So langsam legte sich aber der Frust. Der neue Lebensabschnitt mit dem Studium drängte die negativen Emotionen in den Hintergrund.


Waren Sie auch mal wieder live bei Veranstaltungen?
Ja, ich habe die erste Auflage der World Team Challenge in der Arena auf Schalke erlebt. Das war grandios. Die Stimmung war phänomenal. So ein Rennen hätte ich auch gerne mal als Aktive gemacht.


Sind Sie auch mal an andere Biathlon-Orte zurückgekehrt?
Bin ich. Der Schwerpunkt meines Sport-Studiums lautete „Ökonomie und Management“. Ich hatte die große Chance, mein einjähriges Betriebspraktikum bei der der Krombacher Brauerei in der Sport-Sponsoring und Eventabteilung zu absolvieren. Krombacher war gerade ins Biathlon-Sponsoring eingestiegen und bei vielen Weltcups sowie auch der Weltmeisterschaft vor Ort. Die schon erwähnte Biathlon-Trophy ist immer ein Höhepunkt. Auch bei der Weltmeisterschaft im slowenischen Pokljuka war ich für Krombacher im Einsatz.


Haben oder hatten Sie noch Kontakt zu ehemaligen Teamgefährtinnen?
Ja, klar. Es war ja die Zeit einer Uschi Disl, eines Peter Sendel oder Sven Fischer, um nur einige zu nennen. Da lief ich immer offene Türen ein. Der Kontakt ist also da, wenn auch nicht regelmäßig. Und im Rahmen meiner damaligen Tätigkeit bei der Krombacher konnte ich durchaus einen Beitrag für die internen Feierlichkeiten der DSV-Athleten beisteuern.
Als ehemalige Hochleistungssportlerin und Sportwissenschaftlerin engagieren Sie sich sicher auch in Ihrem Heimatverein SC Oberhundem…?
Das ist für mich selbstverständlich. Ski alpin und Langlauf. Da kommt viel Grundlagentraining zusammen. Im Sommer auch Inline-alpin und spielerisches Training der Geschicklichkeit beim Hindernisparcours. Das ist sehr stimmungsvoll und der Spaß steht im Vordergrund. Wir haben im Verein ein breitgefächertes Angebot. Es kommt die spezifische Vorbereitung auf die Wintersaison hinzu. Reisen und Lehrgänge sind die Folge, zumal wir ja leider nicht immer den Schnee vor der Haustür haben.


Wie sehen Sie die Entwicklung des Wettkampfsports seit Ihrer aktiven Zeit?
Nun, das liegt ja lange zurück, 25 Jahre. Ich hätte sehr gern den Verfolger und den Massenstart gerne gemacht. Das gab’s damals noch nicht. Die vor einigen Jahren eingeführte Mixed-Staffel ist nicht so mein Ding, das ist mehr ein Showelement, so etwa wie die World Team Challenge. Gut ist, dass die Mannschaftswettbewerbe abgeschafft wurden. Die waren ziemlich langweilig. Wichtig finde ich, dass bei allen kreativen Neuschöpfungen von Wettbewerben der Wettkampfkalender nicht unnötig aufgebläht wird. Die Saison ist lang und hart, acht Weltcups und eine WM bzw. Olympische Spiele.


Ihre aktuelle Einschätzung des Biathlonsports?
Insgesamt sehr positiv. Die Stadien sind sehr gut gefüllt, der Sport ist ein echter Publikumsmagnet. Aber das hat auch seine Schattenseiten. Wir sind in Deutschland seit Jahren verwöhnt worden. Die Ikonen sind nicht immer da. Das ist die Kehrseite. Der Druck von außen wächst. Ein vierter Platz ist kaum noch etwas wert. Und so macht sich auch der Athlet selbst mehr Druck.


Und was erreichen die deutschen Biathleten in Antholz?
Es wäre schön, wenn zumindest die Frauen- und Männerstaffeln vorne dabei sind. Ich drücke auf jeden Fall allen ganz fest die Daumen. Weltmeisterschaften haben eigene Gesetze. Da hat man schon viele Überraschungen erlebt. Ich predige auch meinen Schülern: Ein Rennen ist erst zu Ende, wenn alle die Ziellinie überquert haben.

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