Fußball-Landesliga

Rot-Weiß Hünsborn dankt Manfred Arns

Manfred Arns (links) mit zwei wichtigen Mitstreitern bei RW Hünsborn. Gabriel Annen (Mitte) war mit Arns gemeinsam 1. Vorsitzender, ihm steht als Arns-Nachfolger nun Henning Uebach zur Seite. Rechts der Sportliche Leiter Rade Lucic.

Manfred Arns (links) mit zwei wichtigen Mitstreitern bei RW Hünsborn. Gabriel Annen (Mitte) war mit Arns gemeinsam 1. Vorsitzender, ihm steht als Arns-Nachfolger nun Henning Uebach zur Seite. Rechts der Sportliche Leiter Rade Lucic.

Foto: meinolf Wagner

Hünsborn.  Manfred Arns zieht sich bei Rot-Weiß Hünsborn aus der ersten Reihe zurück. Beim 100-jährigen Jubiläum wird er aber noch kräftig mitwirken.

Wie ist das, wenn man von über 100 Menschen im Saal mit lang anhaltendem Applaus bedacht wird? Manfred Arns antwortet auf seine typische, seine bescheidene Art: „So schlecht kann ich demnach nicht gewesen sein in all’ den Jahren. Ich denke auch, dass ich das ganz gut hinbekommen habe.“

Mit Sicherheit. Jetzt ist nach 18 Jahren Vorstand allerdings Schluss für Manfred Arns, der bis letzten Samstag gemeinsam mit Gabriel Annen den Vorsitz von Rot-Weiß Hünsborn inne hatte.

Beim 100-jährigen Vereinsjubiläum wird er sich noch einbringen. Aber: „Es wird jetzt allerhöchste Zeit, dass ich als erster Mann verschwinde,“ sagt Manfred Arns und verweist dabei auch auf seine private Situation, die sich auf traurige Weise völlig verändert hat durch den Tod seiner Frau im Oktober. Sie hatte das Vereinslokal „Zu den Drei Königen“ geführt. Manfred Arns: „Ich kann meinen Schwager damit jetzt nicht alleine lassen. Das würde dann alles zuviel.“

Keine Skandale, kein Theater

Manfred Arns’ Rückzug aus der vordersten Reihe ist verständlich. Der Abschied vollzieht sich ohne Blick zurück im Zorn. Skandale, Theater - all das war Fehlanzeige bei RW Hünsborn, und das über Jahrzehnte. So baut sich das Image eines top geführten Vereins auf, woran Manfred Arns auf seine Art und mit seiner Art einen gewichtigen Anteil hatte.

„Wir haben immer versucht, die Ruhe zu bewahren. Auch in schwierigen Zeiten. Da haben wir immer zu den Trainern gehalten.“ Der Beweise war ein Landesliga-Saisonstart mit zwei Punkten aus acht Spielen. „Da wäre fast in jedem Verein der Trainer geflogen oder geschasst worden. Das war bei uns nie ein Thema.“ Andreas Waffenschmidt gehörte weiterhin das Vertrauen, und dann ging es auch wieder bergauf. Manfred Arns: „Wir haben viel gesprochen mit den Spielern, mit dem Trainer. Am im Endeffekt haben wir immer noch die Kurve gekriegt. Ich denke, das zeichnet uns auch aus.“

Und es zahlt sich aus, Kontinuität walten zu lassen. Andreas Waffenschmidt ist im siebten Jahr, „Bernd Krämer war auch vier, fünf Jahre hier,“ nennt Manfred Arns ein weiteres Beispiel für ein langjähriges Trainer-Engagement am Löffelberg. „Damit verfahren wir ganz gut.“

Das gelingt aber nur, wenn im Vorstand Einigkeit herrscht. Angenommen, zwei Vorstandsmitglieder wollen am Trainer festhalten, und zwei nicht, was dann? „Natürlich wird da kontrovers gesprochen. Aber am Ende gibt’s nur eine Stimme, egal, ob es fünf-eins oder acht-drei ausgegangen ist. Der Vorstand hat entschieden, und fertig.“ Dass es RW Hünsborn ab Sommer mit einem anderen Trainer angehen will, hat Andreas Waffenschmidt nicht begeistert, das streitet Manfred Arns auch nicht ab: „Er war schon enttäuscht, sicher.“

Nachwuchsarbeit lohnt sich

Nicht ohne Stolz blickt Manfred Arns darauf, dass die Philosophie des Vereins mit den Jahren aufgegangen ist, nämlich so viele eigene Spieler wie nur möglich in den Seniorenbereich zu führen und zu Leistungsträgern zu machen. Das war immer die oberste Prämisse am Löffelberg. Die zweite Mannschaft ist erfolgreich, die dritte ebenfalls - der Unterbau der Landesliga-Mannschaft kann sich sehen lassen.

„Das kommt alles nicht von ungefähr,“ bekräftigt Manfred Arns, „das war alles geplant. Genau genommen gab es gar keine andere Möglichkeit, als auf die Jugend zu setzen. Wir haben überlegt: Wie machen wir es? Was kommt die nächsten zwei, drei Jahre?“ Das Ergebnis war das Konzept mit der starken Nachwuchsförderung. „Wir hatten mit Udo Zimmermann einen sehr guten Trainer damals. Aber uns war klar, dass das alles ein paar Jahre dauern würde.“ Heute sagt Manfred Arns: „Der Erfolg, den wir momentan haben, das alles ist dieser Tatsache geschuldet.“

Zum Schluss einer langen Amtszeit wird Bilanz gezogen. Und zumeist nach dem gleichen Frage-Muster: Was war die schönste, was die bitterste Stunde? „Ganz klar die beiden Aufstiege. Mit der Ersten in die Landesliga, und jetzt mit der Zweiten in die Bezirksliga. Das waren Highlights,“ antwortete Manfred Arns spontan, „das hat so viel Spaß gemacht, dass die jungen Burschen das geschafft haben. Und es macht einen auch stolz.“

Insgesamt war es schöne Jahre, auch die alten Zeiten. In dem Zusammenhang fällt ihm der frühere Kassierer Hermann-Josef Halbe ein, der auch viel zu früh verstorben ist. „Er war der letzte Kassierer, der die Bücher noch mit der Hand gemacht hat,“ hat Manfred Arns beim Stöbern im Archiv entdeckt, und muss schmunzeln, „wie schön er alles handschriftlich in die Riesenkladden eingetragen hat. War ein toller Typ, der Hermann!“

„Total ohnmächtig“

Gab es auch eine Phase, in der Manfred Arns sich gesagt hat: Jetzt schmeiß’ ich hin? „Wenig. Ich hatte immer gute Mitstreiter gehabt.“ Dennoch gab es eine Sache, die ihm gewaltig gegen den Strich gegangen ist. Vor allem deshalb, weil er und der Verein diese Geschichte, wie Arns sagt, „total ohnmächtig“ über sich ergehen lassen musste: Die Spruchkammerverhandlung nach dem Pokalspiel gegen die SpVg Olpe. „Da ist nach dem Spiel angeblich der Schiedsrichter geschlagen worden. Wir waren total machtlos, sahen das Desaster schon auf uns zukommen. Das hat mich dermaßen wütend gemacht.“

Dabei sieht sich Manfred Arns selbst als „eher ruhigen“ Menschen. „Ich kann schon aus der Haut fahren,“ sagt er aber auch, „wenn einer versucht, mich hintenrum zu heben oder zu linken. Dann ist natürlich Holland in Not, das kann ich gleich sagen.“

Info

Manfred Arns wird beim 100-jährigen Jubiläum von Rot-Weiß Hünsborn voll aktiv dabei sein. Er hat das, was im Sommer geplant ist, auch zu großen Teilen federführend angeleiert.

„Das soll schon eine richtig tolle Sache werden,“ blickt er auf das Wochenende Anfang Juli voraus, „hundert Jahre wird man nur einmal. Das wollen wir gebührend feiern und das kriegen wir auch gut hin, da bin ich mir sicher.“ Unter anderem ist ein Festzug geplant.

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