Fußball-Kreisliga C

RSV Listertal: „Wir fühlen uns nicht mehr als Exoten“

Ingo Hartmann

Ingo Hartmann

Foto: privat

Kreis Olpe.  Der RSV Listertal nimmt als einziger Verein aus dem Märkischen Kreis am Spielbetrieb im Fußballkreis Olpe teil und ist Zweiter der Kreisliga C2.

Zum ersten Mal richtete der C-Kreisligist offiziell das Attendorner Hallen-Stadtpokalturnier aus. Dafür gab es nicht nur von Bürgermeister Christian Pospischil viel Lob. Wir sprachen mit dem 1. Vorsitzenden Ingo Hartmann über den „Exoten“ im heimischen Fußballbetrieb.

Der RSV Listertal ist 2008 vom Fußballkreis Lüdenscheid in den Fußballkreis Olpe gewechselt. Wie kam es dazu?

Ingo Hartmann: Das hatte logistische Gründe. Die Lage an der Lister ist nun Mal direkt an der Kreisgrenze zu OE. Die Zufahrt zu unserem Sportplatz ist die Grenze zur Stadt Drolshagen. Die Fahrtstrecken zu Auswärtsspielen haben sich gegenüber dem Märkischen Kreis, zum Beispiel nach Altena, Nachrodt, Neuenrade, verkürzt und die Vorfreude auf Derbys unter anderem gegen Listerscheid, LWL, Schreibershof und Bleche war auch groß.

Nach einem kurzen Gastspiel in Drolshagen haben Sie sich der Attendorner Fußballfamilie angeschlossen, gehören aber nicht dem Stadtsportverband an. Wie wurden Sie in der Hansestadt aufgenommen?

Sehr herzlich durch den Vorstand des Stadtsportverbandes Attendorn, im Besonderen durch den Vorsitzenden Rüdiger König. Er hat unsere Aufnahme sportlich und nicht politisch gesehen.

Würden Sie heute noch einmal vom Kreis Lüdenscheid in den Fußballkreis Olpe wechseln?

Ja, der ganze Verein fühlt sich richtig wohl im Fußballkreis Olpe. Nach über zehn Jahren Zugehörigkeit fühlen wir uns überhaupt nicht mehr als Exoten. Sportlich war das Timing aber etwas unglücklich, weil wir durch die Neustrukturierung 2009 als Tabellenvierter der Kreisliga B in die C Liga eingruppiert wurden.

Was sind die großen Unterschiede zwischen beiden Fußballkreisen?

Der Sport ist natürlich derselbe. Im Detail gibt es sicherlich Unterschiede. Ich als Altliga-Fußballer würde zum Beispiel die Krombacher Pokal-Runden nennen. Die Aufteilung in Ü32, Ü40, Ü50 und Ü60 gibt es im Fußballkreis Lüdenscheid nicht. Dort wird nur eine Ü32-Runde ausgespielt und die Teilnehmerzahl ist in den letzten Jahren rückläufig. Im Senioren- und Jugend-Bereich bekomme ich von unseren Trainern und Aktiven gesagt, dass Fair-Play größer geschrieben wird. Im unteren Jugend-Bereich werden Turniere und Liga als Spieletreff beziehungsweise ohne Tabellen-Wertung gespielt.

Ihr Nachbarverein ist der sportlich übermächtige RSV Meinerzhagen, der aktuell in der Oberliga spielt. Wie ist das Verhältnis zwischen Ihren Klubs?

Bei der 1. Mannschaft spielt der Nachbar RSV natürlich in einer anderen Dimension. Da werden nahezu Profi-Strukturen dargestellt. Ich persönlich würde mich aber wirklich freuen, nächstes Jahr Regionalligaspiele im Stadion an der Oststraße schauen zu können. Dafür gönne ich unserem Nachbarverein alles Gute. Aber der sportliche Erfolg ist schon bemerkenswert rasant erfolgt. In der Saison 2010/11 wurde an der Oststraße noch Kreisliga A gespielt! Im Jugend-Bereich sehe ich beide Vereine auf Augenhöhe und bei den Alten Herren haben wir die Nase vorne.

Sie sitzen für die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Meinerzhagen. Wie sehen Sie die Ausbaupläne im Stadion an der Oststraße?

Als Ratsherr freue ich mich vor allem über die in Eigeninitiative schon erfolgten und noch geplanten Maßnahmen des RSV Meinerzhagen . Aus meiner Perspektive als Vorsitzender im Listertal ist das auch selbstverständlich. Allerdings sind die Vorzeichen für unseren Verein etwas anders, weil wir eine vereinseigene Sportanlage betreiben. Ich habe natürlich auch das Bauprogramm der Stadt Meinerzhagen mitgetragen. Die dort genannten Renovierungs-Maßnahmen im und am Stadion an der Oststraße sind wirklich notwendig.

Der RSV Listertal mischt als Tabellenzweiter der Kreisliga C 2 oben mit. Ist der Aufstieg in die B-Liga das erklärte Ziel?

Ja natürlich. Sportlich möchten wir immer das Optimale erreichen. Vor allem, weil wir auch den direkten Aufstieg noch aus eigener Kraft schaffen können.

Für die Ausrichtung des Attendorner Hallenpokals gab es viel Lob. Das war doch sicherlich ein Kraftakt für Ihren kleinen Verein?

Das Lob hat uns wirklich gefreut. Ich sehe das unter der Überschrift „Kleiner Verein – großer Zusammenhalt“. Wir mussten an den beiden Tagen fast alle Aktiven aus den Senioren-, Damen- und Altliga-Mannschaften in die Helferlisten eintragen. Aber alles lief reibungslos. Und gefühlt richtet der RSV über die Winterpause ja ständig Turniere aus. Mitte Januar war noch der Stadtpokal für Reserve- und Altliga-Mannschaften in der Rundturnhalle und Ende Januar bis Anfang Februar folgen sechs Jugendturniere in der Rothensteinhalle in Meinerzhagen.

Wie ist das Attendorner Stadtpokalturnier aus Ihrer Sicht gelaufen?

Sportlich wirklich klasse und ich darf sagen, dass sich mit LWL ein verdienter Sieger durchgesetzt hat. Da einige Fragen zur Zusammensetzung der Vorrunden-Gruppen aufkamen, möchte ich gerne etwas dazu sagen. Die Auslosung erfolgte im Beisein aller teilnehmenden Vereine bei der Vorbesprechung und gezogen hat ein Sportfreund aus Dünschede. Es war also wirklich Zufall, dass die höherklassigen Teams alle in einer Vorrunden-Gruppe gelandet sind.

Können Sie kurz den RSV Listertal vorstellen. Wie viele Mitglieder haben Sie und welche Mannschaften spielen beim RSV?

Wir haben zurzeit 470 Mitglieder. Es sind neun Jugend-Mannschaften in den Ligen aktiv, wobei wir im A- und B-Bereich eine erfolgreiche JSG mit dem TuS Herscheid betreiben. Mit 1., 2. und Frauen sind drei Senioren-Mannschaften im Spielbetrieb, dazu Ü32, Ü40, und Ü50 in den Altliga-Pokalrunden. Es findet sich bei uns also jeder Sportfreund ein passendes Team.

Wenn sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für den RSV Listertal wünschen?

Wenn ich nach vorne schaue, hätte ich gerne schon ein Projekt abschließend erledigt. Wir planen in der Sommerpause 2022 den Hauptplatz zu erneuern, weil unser Kunstrasen seit 2006 im Spielbetrieb ist. Und bei einer vereinseigenen Sportanlage ist das eine sowohl finanziell als auch logistisch riesengroße Kraftanstrengung für einen kleinen Verein. Da beneide ich manchmal wirklich andere Konstellationen in Nachbar-Vereinen, aber es sei den Sportfreunden gegönnt.

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