Handball

TV Olpe: Handball-Landesliga vor 15 Fans?

Von volle Rängen in der Kreissporthalle Olpe können die Handball-Verantwortlichen des TV Olpe zumindest am kommenden Wochenende, wenn die Saison startet, nur träumen.

Von volle Rängen in der Kreissporthalle Olpe können die Handball-Verantwortlichen des TV Olpe zumindest am kommenden Wochenende, wenn die Saison startet, nur träumen.

Foto: meinolf Wagner

Olpe.  Der Handballfan hungert. Seit fast einem halben Jahr hat es im Kreis Olpe kein Spiel von Bedeutung gegeben.

Doch der lang ersehnte Auftakt am Samstag könnte ziemlich trist ausfallen, zumindest für die Freunde des Landesligisten TV Olpe. Der erwartet um 18.30 Uhr die HSG Lüdenscheid.

Denn die Vorgabe des Kreises Olpe als Eigentümer der Kreissporthalle lautet: Nur 20 Prozent der Tribünen-Kapazität darf genutzt werden. „Das sind 65 Personen“, informiert Uwe Schmidt, Abteilungsleiter Handball beim TVO. Personen wohlgemerkt. Denn es wird nicht unterschieden zwischen zahlenden Zuschauern und anderen Anwesenden. Das hat gravierende Konsequenzen. Denn schaut sich etwa Olper Zweite und Dritte, die vorher spielen, die Landesliga-Mannschaft an, müssen sie auf die Tribüne und fallen somit ins Zuschauerkontingent. Uwe Schmidt: „Dann bleiben für wirkliche Zuschauer so ungefähr zehn, fünfzehn Plätze über“.

Stress droht

Landesliga-Handball vor 15 Zuschauern? Eine Farce. „Für uns eine Katstrophe“, so drückt es Uwe Schmidt aus, zumal nach dem ewig langen Handball-Verzicht. Für dieses Grüppchen die Halle zu öffnen, lohnt sich nicht wirklich. Darüber hinaus droht Stress. Der TVO hat einen Kern von treuen Fans, die dem Verein seit vielen Jahren und auch in schlechten (Kreisliga-)Zeiten die Stange gehalten haben. „Wie sollen wir differenzieren: Wen lassen wir rein, wen nicht“, sieht der Abteilungsleiter schon jetzt Unheil heraufziehen. „Gerade zum Auftakt ist das denkbar schlecht. Denn wenn man mit einer solchen Restriktion in die Saison startet, kann das dazu führen, dass womöglich beim zweiten Spiel nichtmals mehr 65 Zuschauerkommen, weil sie sagen: Das ist mir zu blöde“.

Was den Olpern fehlt, ist eine App, über die sich die Interessierten im Vorfeld registrieren können und der Gastgeber genau sehen, wann die Zahl von 65 erreicht ist. Die will der TVO nach Möglichkeit zum zweiten Heimspiel anbieten. Doch für die Saisonpremiere steht sie noch nicht zur Verfügung. „Jetzt kann ich schlecht sagen: Ich mache die Tageskasse auf, lasse fünf Mann rein und schicke den Rest nach Hause“, zuckt Uwe Schmidt mit den Schultern. Schulterzucken? Schwierig in einer Zwangsjacke. In einer solchen steckt er - in organisatorischer Hinsicht.

Vorbild Attendorn/Ennest

Eine solche App hat der Olper Liga- und Kreisrivale SG Attendorn/Ennest bereits. Der darf übrigens 150 Plätze vergeben. „Das kann man ruhig positiv erwähnen: Die Zuschauer in Attendorn müssen sich unter der Woche registrieren und haben dadurch die Zulassungsberechtigung zur Halle“, weiß Uwe Schmidt. Der Vorteil ist, dass die SGA auch gleich die Personalien der Besucher hat. Dadurch gibt es keine langen Schlangen. Schmidt kündigt an: „Das werden wir auch machen, aber zum ersten Spiel schaffen wir das nicht. Deshalb machen wir die Tageskasse erst gar nicht auf“.

Im Austausch mit dem Kreis wolle man versuchen, mit einer Konzeption eine höhere Besucher-Zahl zulassen zu können. Schmidt: „Vor dem Hintergrund, dass es sich bei einem Großteil der Anwesenden und unserer Besucher um Verwandte oder Lebenspartner handelt, die laut Verordnung keinen Mindestabstand einhalten müssen.“

Finanzielle Einbußen

Wer kommt denn nun in den Genuss der Landesliga-Premiere am 3. Oktober? Die Spieler der zweiten und dritten Mannschaft. Klar. Vorrang haben darüber hinaus die Mitglieder des Vereins, der Abteilung. „Da fragen wir jetzt ab, ob bei den Jugendmannschaften und Eltern Interesse besteht. Die verbleibenden Plätze werden an die Fans vergeben“. Diese sollen sich unmittelbar an Uwe Schmidt wenden. „Wenn dann noch was übrig bleibt, müssen sich die, die noch zuschauen möchten, mich anrufen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ In Zahlen: „Melden sich 20 Leute und ich habe 20 Plätze, dann gut. Melden sich 100, muss ich 80 abweisen“.

Zuschauer der Gästemannschaft erhalten überhaupt keinen Zutritt zur Halle. Uwe Schmidt: „Das haben wir dem Westdeutschen Handballverband und der Handballkreis Lenne-Sieg entsprechend mitteilen müssen“. Es muss für maximal 25 Personen der Gäste ein Zutritt zur Sporthalle sichergestellt werden. Schmidt: „Das werden wir dank des großen Innenraumes auch bei Einhaltung der Schutzbestimmungen gewährleisten können.“

Das alles ist mit Ehrenamtlichen zu bewältigen. Uwe Schmidt, „Den Aufwand für 65 Leute zu betreiben, von denen 40 zur Abteilung gehören, also ohnehin in der Halle wären, da muss man sich überlegen, ob man das für 25 Zahlende macht“.

Schmidt sieht auch das Finanzielle. „Über die Zuschauer-Einnahmen decken wir unsere Schiedsrichterkosten. Wenn wir ein komplettes Heimspiel-Wochenende haben mit allen Jugend- und drei Seniorenmannschaften, dann fallen etwa 400 Euro Schiedsrichterkosten an. Die werden wir mit den wenigen Zuschauern nicht annähernd erzielen. Jeder Heimspieltag wird für uns ein großes Verlustgeschäft sein“.

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