Jugendfußball

„Vier gegen vier wird keine Utopie bleiben“

Michael Kurzeja FC Lennestadt.

Michael Kurzeja FC Lennestadt.

Foto: Michael Meckel

Lennestadt.  Nach zwei Jahren Abstinenz sind die B-Jugendfußballer des FC Lennestadt zurück in der Fußball-Bezirksliga.

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Wir sprachen mit Trainer Michael Kurzeja über den Triumph, die Entwicklung des Jugendfußballs und seine Karriere.

Wie erleichtert waren Sie, als der Aufstieg nach dem Sieg gegen Dautenbach feststand?

Wir waren alle sehr erleichtert. Es war ein schweres Stück Arbeit bei der Hitze an diesem Tag und wir hatten auch das Glück auf unserer Seite. Wenn Dautenbach nach 15 Minuten 2:0 geführt hätte, wäre das nicht unverdient gewesen.

Was ist das Saisonziel?

Der Klassenerhalt. Da bin ich jedoch sehr optimistisch, denn wir haben fast den gleichen Kader zur Verfügung, wie letztes Jahr in der C-Jugend Bezirksliga. Punktuell kommen noch Spieler der B2 dazu, die in der JSG Lennestadt/Brachthausen/Rahrbachtal spielen. Und mit Martin Funke haben wir einen hervorragenden Trainer gewinnen können, der sich bisher als mein Co-Trainer schon gut eingebracht hat und die Jungs erreicht.

Wie wichtig war der Aufstieg für den Verein nach dem sofortigen Wiederabstieg der A-Jugend?

Der Aufstieg ist schon von großer Bedeutung. So können die Jugendlichen maximal vier Jahre überkreislich spielen und werden jedes Wochenende gefordert. Hier müssen sie sich an ein schnelleres Tempo und mehr Zweikampfhärte gewöhnen. Dies wird ihnen später in der A-Jugend und auch im Seniorenbereich zugute kommen.

Sie waren viele Jahre Kreis-Jugend-Übungsleiter. Was sagen Sie zur Entwicklung des Jugendfußballs in den vergangenen Jahren?

Durch den Demografiewandel wird es für die Vereine immer schwieriger, eigenständig Jugendmannschaften zu unterhalten. Selbst mit drei oder vier Vereinen ist es heute schwierig, im Bereich der A- und B-Junioren eine Mannschaft zu stellen. Umso wichtiger finde ich es, dass in den wenigen Mannschaften dann gute und qualifizierte Trainer vorhanden sind, um die Spieler auszubilden, um sie nicht auch noch zu verlieren. Aktuell steht der Kreis sehr gut da, denn es spielen in allen Altersklassen Mannschaften überkreislich. In den Aufstiegsrunden haben es drei von vier Mannschaften geschafft. Dies ist doch ein Zeichen für die gute Arbeit in den Vereinen und die dort vorhandenen Talente.

Nach Ihrer Zeit als Kreisjugend-Übungsleiter waren Sie einige Jahre im Seniorenfußball tätig. Was ist der grundlegende Unterschied, eine Jugend- und eine Seniorenmannschaft zu trainieren?

Im Jugendbereich kannst du die Talente ausbilden. Es ist immer eine Bestätigung deiner Arbeit, wenn du die Begeisterung siehst. Viele Spieler sind sehr lernwillig und vertrauen dir, wenn du Übungen und Vorgaben machst, die sie nachvollziehen können. Dies ist sicherlich genauso im Seniorenbereich. Allerdings lässt meinem Empfinden nach die Einstellung und Motivation der Spieler in den letzten Jahren in manchen Spielklassen nach. Heute fällt es viel leichter, sich „mal eben“ vom Training oder Spiel per SMS oder WhatsApp abzumelden. Wenn dies dann auch noch kurzfristig passiert, telefonierst du samstags hinter Spielern her und weißt nicht, wie viele Spieler du sonntags zur Verfügung hast.

In der Saison 2011/12 sind Sie mit dem FC Lennestadt in die Landesliga aufgestiegen und hätten im folgenden Jahr um ein Haar den Durchmarsch in die Westfalenliga geschafft. Welche Erinnerungen haben Sie an diese erfolgreiche Zeit?

Wir wurden auf einer Euphoriewelle getragen. Es hat alles gepasst. Der Zusammenhalt in der Mannschaft und im Verein war einfach toll. Dazu kamen dann die erfolgreichen Spiele im Kreis- und Westfalenpokal. Viele Zuschauer, auch aus anderen Vereinen, haben mit tollen Kulissen für eine super Stimmung gesorgt.

Welches war das schönste welches das negativste Erlebnis in ihrer Zeit als Trainer der 1. Mannschaft des FC Lennestadt?

Das schönste Erlebnis war das Pokalspiel gegen Preußen Münster als Bezirksligist vor 2500 Zuschauern. Der Adrenalinspiegel stieg permanent an und hörte auch in der Verlängerung nicht auf. Wir haben eine sensationelle Leistung abgeliefert und von allen Seiten Komplimente erhalten. Dieses Spiel war der Schlüssel für die darauffolgenden Spiele. Das negativste Erlebnis war sicherlich der nicht geschaffte Aufstieg im zweiten Jahr. Im Nachhinein war es als Trainer sicherlich mein größter Fehler, dass ich in dem entscheidenden Spiel nicht vor Ort war. Heute würde ich es anders machen.

Viele Spieler von damals sind immer noch dabei. Was sagen Sie zur Entwicklung Ihrer ehemaligen Spieler unter Ihrem Nach-Nachfolger Jürgen Winkel?

Die Jungs beweisen ja aktuell, dass sie in der Lage sind, Westfalenliga zu spielen. Ich freue mich für Jürgen, dass er schon zweimal den Aufstieg geschafft hat mit der Truppe. Viele haben sich weiter entwickelt und sind nun gestandene Spieler, die sich nicht sofort aus der Ruhe bringen lassen. Es freut mich natürlich, dass noch immer so viele Spieler dabei sind, die ich schon aus der A-Jugend mit hochgezogen habe und mit denen der Systemwechsel auf die Raumdeckung vollzogen wurde.

Gab es damals Angebote von höherklassigen Vereinen?

Es hat Anfragen gegeben, die ich aber aus beruflichen Gründen nicht annehmen konnte und wollte. Der zeitliche Aufwand wäre noch weit größer gewesen und dann musst du dich irgendwann zwischen Beruf und Hobby entscheiden. Und in dem schnelllebigen Trainergeschäft setze ich lieber auf einen sicheren beruflichen Arbeitsplatz.

Nach Ihrem Abschied beim FC Lennestadt 2014 lief es zunächst nicht mehr so rund in ihrer Karriere. Beim SV Schmallenberg/Fredeburg, FC Kirchhundem und beim FC Langenei/Kickenbach war früher Schluss als geplant. Warum?

Das hatte unterschiedliche Gründe. In Schmallenberg wollten sie die Rückrunde mit einem einheimischen Trainer fortsetzen, nachdem ich beim Ligakonkurrenten und meinem Heimatverein FC Kirchhundem zugesagt hatte. In Kirchhundem lag es an vielen personellen Problemen durch Abgänge und Verletzungen, teilweise habe ich zu Beginn der Rückrunde auf bis zu fünf Spieler der Zweiten zurückgreifen müssen. In Langenei hätte mir nur ein Kader von 14 Spielern zur Verfügung gestanden. Da haben der Vorstand und ich uns in guten Gesprächen darauf geeinigt, dass ein Spielertrainer in der damaligen Situation dem Verein mehr helfen konnte.

Dann sind Sie wieder in den Jugendbereich eingestiegen. Was haben Sie gedacht, als die erste Anfrage kam, die C-Jugend des Vereins zu übernehmen?

Willst du wirklich wieder zurück in den Jugendbereich? Aber dann hat mich Frank Ahlemeyer von der Qualität der Mannschaft, dem Zusammenhalt und der Unterstützung durch die Eltern überzeugt. Und heute bin ich froh, diesen Schritt gegangen zu sein.

Wird man Sie irgendwann mal wieder im Seniorenfußball erleben oder bleiben Sie jetzt – zumindest für eine überschaubare Zeit - im Jugendfußball tätig?

Aktuell fühle ich mich im Jugendbereich und mit meiner neuen Aufgabe sehr wohl. Ich muss nicht mehr regelmäßig drei bis vier Mal die Woche auf dem Sportplatz stehen. Nach mehr als 30 Jahren im Trainergeschäft brauche ich jetzt erst einmal eine Pause. Was die Zukunft bringen wird, kann ich heute nicht beantworten. Man soll ja bekanntlich niemals nie sagen.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Wie sieht Ihrer Meinung nach Fußball im Kreis Olpe in zehn Jahren aus?

Ich bin fest davon überzeugt, dass es einen Wandel geben wird. Schon heute wird das Norwegermodell (9 gegen 9) im Seniorenbereich gespielt. Hier wird es Weiterentwicklungen geben, genauso wie Fusionen oder Spielgemeinschaften. Im Jugendbereich werden die Mannschaften immer kleiner und die Spielformen ebenfalls. Vier gegen vier in den jüngeren Jahrgängen wird keine Utopie mehr bleiben.

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