Regeländerungen

Von „längst überfällig“ bis „unnötig“

Ab der kommenden Saison darf vier Mal ausgewechselt werden.Fot

Ab der kommenden Saison darf vier Mal ausgewechselt werden.Fot

Foto: Michael Meckel

Kreis Olpe.  Zwei wichtige Regeländerungen gibt es in der kommenden Fußball-Saison 2019/20.

Erstens: Statt drei Wechseln pro Mannschaft sind künftig vier Auswechslungen erlaubt. Zweitens: Der Nichtantritt einer Mannschaft nach dem 1. Mai wird künftig nicht nur mit einer negativen Spielwertung und 100 Euro Ordnungsgeld bestraft, sondern darüber hinaus auch mit drei Minuspunkten – für die darauf folgende Saison. Wir hörten uns um, wie die Änderungen aufgenommen wurden.


Joachim Schlüter (FLVW-Kreisvorsitzender): Beim Spielverzicht ist es eine Sache der Gerechtigkeit. Dies gilt vor allem in den überkreislichen Ligen, in denen das Torverhältnis bei Punktgleichheit zählt.

Teams, die an der Spitze stehen, kennen das Phänomen der Abstiegskandidaten, die auf einmal keine Mannschaft stellen können. Statt einem möglichen bzw. wahrscheinlichen hohen Sieg kommt so „nur“ ein 2:0 in die Wertung. So ist im letzten Jahr Landesligist SSV Hagen gegen die späteren Aufsteiger RSV Meinerzhagen nicht angetreten. Man muss auch an die Heimmannschaften denken, die schon Verpflegung eingekauft haben und denen teils hohe Zuschauereinnahmen wegbrechen.

Zur vierten Auswechslung: Hier will man die Spielordnung an die der Jugend angleichen, wo vier Wechsel schon seit etlichen Jahren erlaubt sind. So wird es für die Vereine einfacher. Darüber hinaus hat man mehr taktische Möglichkeiten und einen Spieler mehr, den man einsetzen kann.


Thomas Hütte (Trainer SpVg Olpe): Zur vierten Einwechslung. Diese Regel ist schon längst überfällig, und absolut zu befürworten. Dadurch haben die Trainern mehr Möglichkeiten beim Wechseln. Spieler können sich über mehr Spielpraxis freuen, was ja bereits in Freundschaftsspielen erlaubt ist. Zum zweiten Punkt: Es ist schwierig zu beurteilen, ob das sinnvoll ist, da vermutlich nicht viele Mannschaften, welche sich fast zum Saisonende durchgekämpft haben, sich dann doch abmelden. Im Amateursport halte ich die Regel vielleicht nicht angebracht, da Vereine immer mehr und mehr Schwierigkeiten haben, den Spielbetrieb aufrecht zu halten. Bedingt durch Anzahl der Spieler aber auch finanzieller Unterstützung.

Marco Jung (Geschäftsführer SV Brachthausen/Wirme und Schiedsrichter): Vier Wechsel finde ich nicht gut. In der Verlängerung den vierten Mann zu bringen, finde ich dagegen gut. Den Nichtantritt zu bestrafen, ist richtig. Nur die Strafe ist ein Witz! Hier sollte man die Strafe deutlich höher setzen und der Mannschaft das Geld geben, die gegen die ausfallende Mannschaft spielt, weil solche Absagen meistens kurzfristig. Ein Punktabzug halte ich nicht für sinnvoll. Das ist nicht fair. Bei zweiten Mannschaften kommen solche Probleme ja öfters vor.


Nico Rettler (Trainer SG Saalhausen/Oberhundem): Ich finde die Änderung mit den vier Wechseln eigentlich ganz gut. Als Trainer hat man so die Möglichkeit, je nach Spielstand noch ein weiteres Mal durch einen Spielerwechsel taktisch einzugreifen. Da wir zur Zeit bei immer mindestens 15 Spieler beim Training haben, die es alle verdient hätten, zu spielen, habe ich als Trainer die Option, jedem Spieler seine Einsatzzeiten zu geben, was sich auch positiv auf die Motivation der Spieler auswirken würde.

Zur Strafe bei Nichtantreten: Leider ist es in den unteren Ligen in den letzten Jahren ja öfters mal vorgekommen, dass Mannschaften nicht antreten konnten, weil Spieler, die sich eigentlich für den Mannschaftssport entschieden haben, sich kurzfristig sonntags vor dem Spiel abgemeldet haben. Oft auch aus unwichtigen Gründen oder weil ihnen kurzfristig eingefallen ist, dass sie doch keine Lust haben oder unwichtigere Dinge zu tun haben. Durch die zusätzliche Strafe könnte dem ein wenig entgegengewirkt werden. Vielleicht wird so der Anreiz erhöht sonntags doch die 90 Minuten zum Sportplatz zu gehen. Allerdings betrifft dieses Thema ja meistens eher die 2. und 3. Mannschaften in den unteren Kreisklassen.


Yasin Colak (spielender Co- und ab Sommer Cheftrainer Türk Attendorn): Vier Einwechslungen sehe ich ganz positiv. So hat man die Chance, falls man breiten Kader besitzt, mehr Spielern Einsatzzeit zu geben. Man ist als Trainer flexibler aufgestellt. Zum Nichtantritt: Es ist unfair, den anderen Mannschaften gegenüber, die ihre Ziele noch nicht erreicht haben, wenn man vor Saisonende schon die Spiele nicht mehr bestreitet. So etwas zeigt aber auch den Charakter des Vereins und der Mannschaft. Deswegen ist das absolut in Ordnung.

Marco Cremer (Vorsitzender Kreis-Schiedsrichter-Ausschuss): Ich sehe für die Änderung mit dem vierten Wechsel in den unteren Klassen, auch vor dem Hintergrund des Spielermangels und des demografischen Wandels keine wirkliche Notwendigkeit. In hohen Amateurligen kann ich die Dringlichkeit erst recht nicht erkennen. Es gibt deutlich wichtigere Dinge, bei denen es Regelungsbedarf gäbe. So ist ein Unding, dass sich Spieler vor spielfreien Wochenenden reihenweise die fünften Gelbe Karte abholen können.

Inakzeptabel ist auch, dass Rotsperren in der Winterpause abgesessen werden können. Wir brauchen dringend eine Sperre, die sich an Spielen und nicht an Wochen orientiert. Zu Punkt zwei: Das erscheint mir aus Gründen der Wettbewerbsverzerrung zum Saisonende sinnvoll, wobei es auch da sicherlich möglich sein wird, kreative Ideen zu entwickeln, um den Punktabzug zu verhindern. Es soll ja selbst in Landesliga-Spielen schon vorgekommen sein, dass nach 15 Minuten fünf Spieler verletzt waren, was dann einen Spielabbruch zur Folge hat.

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