RW Hünsborn

Wie geht's denn so, Andreas Waffenschmidt?

Sieben Jahre lang ein vertrautes Bild bei Spielen von Rot-Weiß Hünsborn: Andreas Waffenschmidt engagiert an der Seitenlinie.

Sieben Jahre lang ein vertrautes Bild bei Spielen von Rot-Weiß Hünsborn: Andreas Waffenschmidt engagiert an der Seitenlinie.

Foto: Michael Meckel

Hünsborn/Freudenberg.  Sieben Jahre lang hat Andreas Waffenschmidt RW Hünsborn geprägt. Im Juni war Schluss. Wie fühlte sich das halbe Jahr ohne Fußball an?

Andreas Waffenschmidt war in Hünsborn nicht nur Trainer der ersten Mannschaft. Was ebenfalls in Erinnerung bleibt, ist, dass er im gesamten Verein Akzente gesetzt hat, über die Landesliga-Truppe hinaus. Im Sommer war Schluss. Nach einem halben Jahr nun die Frage: Wie hat der Vollblut-Fußballer und Trainer aus Freudenberg das halbe Jahr ohne Traineramt überstanden?

Im Skatspiel verbessert

Was macht das Schlagzeug-Spiel, dem er sich verstärkt widmen wollte? Er lacht: „Da werde ich mich nicht mehr verbessern, dafür ist mein Rückenleiden zu groß. Das wäre ohnehin just for fun gewesen. Aber auch andere Hobby-Bands sitzen jetzt zu Hause, wie sich das nun mal gehört.“ Höhere Einsatzzeiten bekommt Andreas Waffenschmidt dagegen in seinem Skatclub bei seinem Kumpel Ingo in Freudenberg, den er seit Urzeiten kennt. Inzwischen bemerkt Waffenschmidt auch Verbesserungen in seinem Skat-Spiel. „Jetzt kann ich dort auch pünktlich erscheinen, vorher hat der Fußball vieles blockiert“.

Kein Wunder, wenn man sein Traineramt so pflichtbewusst ausübt. 314 Spiele hat er für RW Hünsborn als Trainer bestritten. In 25 Jahren Trainerdasein hat er ein einziges Mal gefehlt: „Bei der Konfirmation meines eigenen Sohnes“, präzisiert er.

Waffenschmidt ist seiner Linie auch im Fußball-Ruhestand treu geblieben. Die lautet: Jammern gibt’s nicht. Das hat er schon zu Zeiten, als er mit extremen Verletzungssorgen kämpfen musste, nicht getan. Und auch jetzt regt er sich nicht über die Corona-Beschränkungen auf, „Fußballerisch gesehen ist der Unterschied zwischen mir und den anderen Trainerkollegen ja nicht so groß“, sieht er auch die zur Inaktivität verurteilten Trainern im Amateurfußball weit und breit, „wobei mein Zustand sicherlich entspannter ist“. Er denke zurzeit sehr oft an seine Kollegen, die nicht wissen, wie es weitergeht. Schließlich wisse er nur zu genau, was da für eine Arbeit dran hängt. „Da bin ich froh, dass ich mir dieses Kopfkino jetzt nicht antun muss“.

Für seine Begriffe werde „auf hohem Niveau“ geklagt, stellte Andreas Waffenschmidt fest, „wir können in den Garten gehen, wir können spazieren gehen, da gibt es andere Menschen, die haben es deutlich schlechter als wir“. Von daher war es für ihn ein gutes Jahr, weil seine Familie von gesundheitlichen Schäden verschont geblieben sei.

Kontakte bestehen noch

Kontakt zu Rot-Weiß Hünsborn hat Andreas Waffenschmidt schon noch. Zu bestimmten Leuten. Wie zu Bernd Schönauer, „da gehe ich auch, soweit es die Corona-Bestimmungen zulassen, etwa einmal im Monat hin“. Telefonkontakt hat er noch zu den Spielern, die länger bei ihm waren. Mit dem ehemaligen Kapitän Hendrik Blecker, mit Daniel Jung, um nur zwei zu nennen. Mit Ansgar Arns, dem Trainer der zweiten Mannschaft, telefoniert er regelmäßig. Aber ansonsten sei das auch so ein bisschen eingeschlafen. „Das ist das Normalste von der Welt, so traurig das auch am Anfang war".

Das eine oder andere Hünsborner Spiel hat er in der Mini-Saison besucht. „Es hat mir gut gefallen, die Spiele mal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, von oben, von der Bierbude aus, um es mal ganz plump auszudrücken“. Interessant sei es schon, mit dem Leuten dort zu stehen, die ansonsten meckern oder jubeln. Haben Sie auch kräftig gemeckert, Herr Waffenschmidt? „Natürlich habe ich mitgemeckert“, lacht er, „muss ich ja, um sagen zu können: Früher war alles besser“. Der Vorteil sei die Unabhängigkeit. „Wenn ich mal Lust habe auf ein anderes Spiel, in Freudenberg oder sonst wo, dann kann ich das auch tun.“ Oder sich seinen Sohn anschauen, der bei den Sportfreunden Siegen in der B-Junioren-Westfalenliga spielt.

In der Entscheidung bestärkt

Andreas Waffenschmidt hatte befürchtet, dass ihm diese Auszeit schwerer falle. „Aber ich bin da sehr gut mit klar gekommen“, resümiert er nach sechs Monaten. Nichts von Frust, nichts von Gelangweiltsein. „Nein“, sagt Andreas Waffenschmidt, „man muss mit sich selbst im Klaren sein, man muss sehr demütig nachdenken über alles“. Aus der zeitlichen Distanz sieht er, dass in Hünsborn ein Trainerwechsel sicherlich mal gut tat. Und dann fügt er hinzu: „Abgesehen davon habe ich gemerkt, dass mir einiges an heutigen Fußball auch nicht mehr gefällt. Dass ich eigentlich bestärkt bin, erstmal nichts mehr zu machen“.

Er selbst ist ein Trainer, der das Hauptaugenmerk nicht auf die taktischen Sachen gelegt hat, sondern versucht hat, den jungen Spielern immer so Sachen wie Passspiel, Ballmitnahme zu vermitteln. Und der über die menschliche Schiene gekommen ist. „Darauf habe ich immer den Fokus gelegt, und da habe ich auch viele Gegner gehabt. Nur wenn das dem einen oder anderen nicht mehr gut genug ist, dann ist das deren ihr Problem. Ich werde meine Meinung nicht ändern“.

Angebote anderer Vereine

Vieles betrachtet Andreas Waffenschmidt kritisch. „Wenn ich sehe, wohin der Fußball schlittert mit all den modernen Begriffen, und musst dann sehen, wie Bayern München in jedem Spiel fünf Hundertprozentige des Gegners zulässt - dann habe ich so mein Problem damit, wie das heute alles ausgelegt wird. Zu viele Leute denken, sie erfinden den Fußball neu. Vielleicht ist dann meine Art auch gar nicht mehr so gewollt“. Doch Art und Weise, wie vermehrt gearbeitet wird, sage ihm nicht mehr so zu. „Ich habe viele Vereine gesehen, da stehen die Spieler die halbe Trainingseinheit auf dem Platz und müssen sich anhören, wie es funktioniert“, sagt er, „ich war immer der Meinung: Das sind Leute, die ihrem Hobby nachgehen. Lasst sie doch Fußball spielen in den anderthalb Stunden, in denen wir uns da treffen!“

Anrufe seien gekommen. Angebote anderer Vereine. „Es freut mich, und es ehrt mich auch“, gibt er zu, „aber ist habe erstmal alles abgeblockt. Mit der Begründung, und die ist auch ehrlich: Ich weiß nicht, ob ich zurzeit in der Lage bin, mit dem Herzblut, was ich immer an den Tag gelegt habe, wieder etwas zu übernehmen“. Dazu fehle ihm zurzeit die Power. „Da wäre ich einem Verein, dem ich zusagen würde, wahrscheinlich ungerecht gegenüber. Das will ich dem Verein und auch mir ersparen“.

Neues Engagement in weiter Ferne

Das ist der aktuelle Stand. „Man weiß nie, wo sich irgendwas verändert. Erstmal ist jetzt ein Engagement im Sommer für mich ganz, ganz weit weg“. Nebenbei hat Andreas Waffenschmidt schon mal beim B-Jugend Training in Freudenberg geholfen, „da trainieren zwei Freunde von mir, das war ganz witzig. Da habe ich mir eine Gruppe genommen, damit ich drin bleibe, und den Jungs hat das auch ganz gut gefallen. Mir auch, mal nicht in der Verantwortung zu stehen“.

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