Reitsport

Balve Optimum: Darum bleiben trotz Verlegung Fragezeichen

Ob im September die Deutschen Meister, wie hier Julie Mynou Diederichsmeier im vergangenen Jahr, in Balve gefeiert werden können? Es bleiben Fragezeichen trotz der Verlegung.

Ob im September die Deutschen Meister, wie hier Julie Mynou Diederichsmeier im vergangenen Jahr, in Balve gefeiert werden können? Es bleiben Fragezeichen trotz der Verlegung.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Balve.  Das Balve Optimum samt DM der Spring- und Dressurreiter wurde in den September verlegt. Turnierchefin Rosalie von Landsberg-Velen im Interview.

Zigtausend Zuschauer, mehrere Hundert Pferde, Deutschlands Top-Reiter – sie alle werden nicht wie geplant Anfang Mai zum Longines Balve Optimum ins Sauerland reisen. Denn auf Grund der Coronakrise zogen die Veranstalter eines der prominentesten Reitturniere Deutschlands jetzt die Notbremse und verlegten das Optimum inklusive der Deutschen Meisterschaft auf den 17. bis 20. September.

Rosalie Freifrau von Landsberg-Velen ist seit dem Tod ihres Vaters Turnierchefin des Optimums. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt sie unter anderem, ob eine komplette Absage diskutiert wurde und warum trotz des feststehenden Termins ein Fragezeichen bleibt.

Frau von Landsberg-Velen, durchlebt das Longines Balve Optimum aktuell die schwierigste Zeit in der Geschichte des Turniers?

Rosalie von Landsberg-Velen: Das gilt ja nicht nur für das Longines Balve Optimum, sondern für ganz Deutschland, für Europa. Sie und ich, wir haben eine solche Situation doch noch nie erlebt. Manche ältere Menschen, mit denen ich mich unterhalte, sagen, es fühle sich an wie im Krieg. Es ist eine harte Zeit auch für unser Turnier, aber wir haben bereits andere harte Zeiten überstanden – und aktuell geht es ohnehin mehr um Solidarität mit all unseren Mitmenschen. Es geht darum, diese so schwere Zeit bestmöglich und gemeinsam zu überstehen.

Welche anderen harten Zeiten meinen Sie?

Es gab die Finanzkrisen in den Jahren um 2008, 2010. Das waren auch Jahre, in denen wir zweifelten, ob wir das Turnier durchführen könnten, und froh über jeden 100-Euro-Schein waren. Mit der aktuellen Krise erleben wir natürlich eine neue Dimension. Allerdings bin ich ein Mensch, der sich bemüht, stets positiv zu bleiben. Bislang haben sich auch in Krisenzeiten immer wieder neue Türen geöffnet, es ging weiter und wir konnten das Turnier stets durchführen.

So soll es ja auch in diesem Jahr sein. Anders als bei anderen großen Turnieren wie zum Beispiel „Horses & Dreams“ in Hagen gibt es für das Optimum einen Ersatztermin im September. Stand eine komplette Absage überhaupt im Raum?

Nein, darüber haben wir nie gesprochen. Ich bin sehr stolz und froh, dass wir frühzeitig mit allen handelnden Personen gesprochen und einen Ersatztermin ins Auge gefasst haben. Sei es mit den Verantwortlichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung oder denen vom Fernsehen. Große Traditionsveranstaltungen sagen ab oder überlegen zu verschieben – wir haben dank der frühzeitigen Gespräche bereits einen neuen Termin. Ich hoffe jetzt, dass wir im September eine Veranstaltung realisieren können.

Sie haben Zweifel, obwohl der neue Termin erst in einem halben Jahr ist?

Wer weiß denn, was im September los ist? Schauen Sie nur auf den Punkt Sponsoring, der für uns sehr wichtig ist. Niemand kann heute seriös abschätzen, in welcher Lage sich welche Firma im September befindet. Es ist für uns alle eine außergewöhnliche Situation. Aber erstmal sind wir froh, einen neuen Termin im nationalen und internationalen Kalender einzunehmen, an dem es Stand jetzt keine erdrückende Konkurrenz durch andere Termine gibt.

Wie schwierig war die Verschiebung aus wirtschaftlicher Sicht? Sie dürften schließlich Verträge mit Ausstellern und so weiter haben.

Balve Optimum: Titelträger gehen baden
Balve Optimum- Titelträger gehen baden

Natürlich war es schwierig. Knapp zwei Monate vor einem Turnier läuft der ganze Apparat bereits. Umso wichtiger war es, dass wir uns eine Deadline gesetzt haben, zu der wir eine Entscheidung treffen wollten, um den finanziellen Schaden möglichst gering zu halten. Das sind ja Summen im sechsstelligen Bereich, die im Raum stehen. Ich kann nur sagen: Es war toll, wie alle Partner reagiert haben. Jetzt hoffe ich auch, dass uns die Fans die Treue halten, denn die bereits erworbenen Karten behalten für den neuen Termin ja ihre Gültigkeit.

Wie viele Tickets sind denn bereits verkauft worden?

Eine konkreten Zahl kann ich Ihnen nicht nennen. Alles in allem haben wir bereits Eintrittskarten für rund 30.000 Euro verkauft. Der Termin im Mai war aus sportlicher Sicht einfach fantastisch. Die Deutsche Meisterschaft wäre in der Dressur die erste Sichtung für die Olympischen Spiele in Tokio gewesen, aber es ist wie es ist.

Im September dürften viele Reiter allerdings auch froh sein, wieder ein solches Championat reiten zu dürfen. Denn aktuell ruht der Reitsport ja ebenso wie zum Beispiel der Fußball oder der Handball.

Das ist auch unsere Hoffnung, dass die Reiter froh sind, wenn in der zweiten Jahreshälfte ein Turnier dieser Güte stattfindet. Für das Longines Balve Optimum gibt es jetzt Planungssicherheit – auch für unsere Zuschauer, durch die diese fantastische Atmosphäre in den Stadien am Schloss Wocklum einzigartig wird.

Was bedeutet die Verlegung eigentlich für Sie und die freiwilligen Helfer? Lassen Sie jetzt im übertragenen Sinne erstmal die Schüppen fallen?

Zum jetzigen Zeitpunkt beschäftigt sich ja nur ein sehr kleiner Kreis an Menschen mit dem Turnier. Die vielen freiwilligen Helfer, über die wir sehr dankbar sind, stoßen erst zum Termin zum Optimum-Team. Ich bin zum Beispiel aktuell damit beschäftigt, die Werbe-Maschinerie zu stoppen. Wir hätten in einigen Tagen Plakate aufgestellt, verteilt und so weiter. Die können wir jetzt natürlich einstampfen. Aber: Auf Grund der großen Sorge um all unsere Mitmenschen ist das ein vergleichsweise kleines Problem.

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