Präzisionssport

Dartmannschaft aus Balve marschiert durch die Liga

Nur ein Teil des elfköpfigen Teams: Zum Training sind nicht alle Mitglieder erschienen. Die Aufnahme zeigt (von links): Volker Schwartpaul. Marcel Mutzenbach, Christian Fröndt, Jessica Schulte und Manuel Wulf.

Nur ein Teil des elfköpfigen Teams: Zum Training sind nicht alle Mitglieder erschienen. Die Aufnahme zeigt (von links): Volker Schwartpaul. Marcel Mutzenbach, Christian Fröndt, Jessica Schulte und Manuel Wulf.

Foto: Alexander Lück

Balve.   Die Mammut Amateure wollten zu Saisonbeginn nur den Klassenerhalt sichern. Jetzt sind sie aber Tabellenführer und stehen kurz vorm dem Aufstieg.

Höchste Präzision ist vor allem Kopfsache. Spaß und Lockerheit sind aber genauso nötig. Die Balver Dartmannschaft der Mammut Amateure eilt in ihrer Liga im Moment von Sieg zu Sieg, der Durchmarsch ist das Ziel. Wir haben die Sportler beim Training besucht, über die richtige Wurftechnik und den aktuellen Hype des Kneipensports gesprochen.

Denn aus den (früher auch verrauchten) Hinterzimmern der Bierlokalitäten stammt dieser Sport. Und diesen Charme versprüht er auch in Balve. Zumindest wenn man die Mammut Amateure besucht. In der Gaststätte „Ballova“ (ehemals Pizzeria „Etna) in der Hoffmeisterstraße geht es durch ein kleines Labyrinth aus engen Gängen bis in ein schummriges Hinterzimmer. Schlager und Pop liefert die akustische Hintergrundkulisse für das Training, zu dem heute fünf Spieler aus der elfköpfigen Mannschaft gekommen sind. Unterschied zum klassischen Mannschaftssport wie Fuß- oder Handball: man kann natürlich auch alleine trainieren, wenn man ein Dartboard Zuhause hat.

Durchmarsch in die nächste Liga

Donnerstagsabend, ab 19 Uhr kommen dann immer die, die Zeit haben. Was auch nicht selbstverständlich ist, da zwei der Mammut Amateure aus beruflichen Gründen in Köln leben. Wie etwa der aktuelle Kapitän (man lässt das Amt rotieren, um allen mal etwas Verantwortung zu geben) Tobias Midderhoff, der deshalb (nicht nur, aber auch) für den Dartsport zwischen Sauer- und Rheinland pendelt.

Die Meisterschaftsspiele finden an den Wochenenden statt. Und da läuft es für die Mammut Amateure im Moment ziemlich gut. Klarer Tabellenführer sind sie in der Sauerlandliga B, nachdem man erst vor der Spielzeit aus der C-Liga aufgestiegen war und als Ziel eigentlich nur nichts mit dem Abstieg zu tun haben wollte. Nun will man aber auch den Durchmarsch, das möglicherweise vorentscheidende Topspiel wird am nächsten Samstag in Balve stattfinden. Nicht wie aus dem TV bekannt mit Steeldarts wird hier gespielt, sondern auf ein elektronisches Dartboard. Jeder mit anderen Pfeilen, die sich in Gewicht oder Maßen unterscheiden und die man nach gutem Gefühl aussucht. Wie einen Kugelschreiben soll man sie halten.

In der Klasse, wo die Mammut Amateure angesiedelt sind, spielt man von 301 Punkten abwärts (501 bei den Profis). Beenden muss man das Spiel durch Wurf auf ein Doppel- oder Trippelfeld. In unteren Ligen checkt man auch durch ein einfaches Feld aus, weiter oben ist dann nur noch ein Doppel für den Erfolg erlaubt. Vier bis sechs (zwei als Ersatz) Spieler treten in den Meisterschaftspartien an, im Einzel und Doppel. Wer zuerst elf Siege holt, gewinnt. Bis dahin kann es schon mal drei bis fünf Stunden dauern. Geprägt sind die Duelle in aller Regel immer von großer Fairness. Ein Bier danach unter den Kontrahenten ist absolut üblich. Die Gaststätte „Ballova“ ist auch der Heimspielort der Mammut Amateure. Den ersten Teil ihres Namen wird man wohl kaum einem Balver erklären müssen. Der zweite Teil, so erzählen die Spieler, war eher ein Kokettieren mit den vermeintlich überschaubaren Fähigkeiten. Was sich aber schnell als gar nicht so treffend herausstellte.

Den Kopf frei haben

In dieser Form existiert die Balver Mannschaft seit 2014, es gab aber auch Vorläuferteams. Einer der „Urgesteine“ ist Marcel Mutzenbach. Was den 30-Jährigen am Dartsport fasziniert? „Es geht so schell hin und her, auch eine klare Führung kann durch ein paar Würfe wechseln. In den fünf bis zehn Minuten eines Spiels muss man alles abrufen was man sich im Training erarbeitet hat, dann aber auch den Kopf frei haben und nicht zu viel über die Würfe nachdenken, sondern einfach machen.“ Teamkollege Christian Fröndt fügt hinzu: „Dart ist schließlich zu 80 Prozent eine Kopfsache.“ Wobei er es sogar lieber hat, wenn der Gegner auch gut punktet, da man dadurch seine eigene Leistung herausfordert. Andererseits, so Mutzenbach: „Man spielt nicht den Gegner, sondern das Dartboard. Wenn man selber sein bestes Spiel abrufen kann, ist die Chance zu gewinnen auch ziemlich hoch.“

Manchmal reicht aber auch das nicht. Wenn der Kontrahent ein Weltstar ist in seinem Sport, zum Beispiel. Christian Fröndt hatte 2018 bei einem Dartevent in Lüdenscheid - nach erfolgreicher Qualifikation gegen zahlreiche andere Bewerber - die Chance, gegen Phil Taylor zu spielen. Rekordweltmeister und absolute Ikone des Dartsports, mittlerweile im Leistungsbereich im Ruhestand und dafür auf Schauwettkämpfen unterwegs. Einen solchen absolvierte er gegen Fröndt. „Da habe ich am Anfang nur gezittert auf der Bühne, konnte gar nicht mein Spiel bringen.“ Entsprechend chancenlos war er. Anfang dieses Jahres bei einem ähnlich Event gegen den Holländer Raymonad van Barneveld (ebenfalls mehrfacher Weltmeister) in Plettenberg lief es dann schon entspannter und erfolgreicher für den 30-Jährigen.

Rechnenkünste verschaffen Vorteil

Die Altersspanne der Mammut Amateure reicht übrigens von 19 bis 35 Jahren. Andere Mannschaften haben da auch deutlich ältere Sportler, Vater-Sohn-Kombinationen sind auch nicht ungewöhnlich. Einzige Dame im Balver Team ist Jessica Schulte, die über sozialen Medien auf ihre heutige Mannschaft aufmerksam wurde. Frauen sind zwar klar in der Minderheit, aber nahezu in allen Mannschaften vertreten. Und für alle gilt: rechnen muss man können, um das Dartboard exakt auf null bringen zu können. „Durch die richtigen Rechenwege über die entsprechend Felder kann man sich einen Vorteil verschaffen“, weiß Marcel Mutzenbach.

Die Truppe war auch schon mehrfach als Zuschauer auf großen Turnieren in Großbritannien. Aus dem Fernsehen kennt man vor allem die WM die immer um den Jahreswechsel in London stattfindet. Dort, wo eine bunte Kostümierung der Zuschauer und eine überbordende Stimmung selbstverständlich sind. „Auf den Turnieren, wo wir als Zuschauer waren, hatten wir einfach unsere Trikots an“, sagt Manuel Wulf. Den Boom des Dartsports, so erzählt man weiter, merkt man in den Ligen nicht unbedingt so stark, auch wenn die Zahl der Mannschaften steigt. Deutlich macht das eher die deutlich gestiegene Resonanz auf Hobbyturnieren, wo man alleine und nicht im Team antritt.

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