Frauenhandball

Darum wollen viele Handballerinnen nicht mehr weiterspielen

Stephan Nocke, Trainer des TV Halingen, kann den Wunsch nach dem Saisonabbruch nachvollziehen.

Stephan Nocke, Trainer des TV Halingen, kann den Wunsch nach dem Saisonabbruch nachvollziehen.

Foto: Dietmar Reker

Halingen.  In einer Videokonferenz mit dem Handballverband sprechen sich einige Vereine für einen Saisonabbruch aus. Der Grund ist nachvollziehbar.

Quo vadis, Frauenhandball? Wie bei den Männern auch, befindet sich der Spielbetrieb bei den Damen derzeit im Coronamodus - sprich in der vorzeitigen Winterpause. Ähnlich wie bei den Herren, hat der Handballverband Westfalen zu einer Videokonferenz geladen, um ein Stimmungsbild der Vereine einzuholen und verschiedene Möglichkeiten der Fortsetzung vorzustellen. Mit einer eindeutigen Tendenz.

Bei den Männern war der Grundtenor eindeutig: Die Vereine wollen die Saison im Januar oder Februar fortsetzen, egal ob nur eine Hinrunde gespielt wird oder eine komplette Runde.

Annullierung eine Option

Anders verhält es sich bei den Frauen. „Der Tenor vieler Vereine gerade aus dem Ruhrgebiet war es, dass die Saison abgebrochen werden sollte“, weiß Stephan Nocke, Damentrainer des Landesligisten TV Westfalia Halingen. Grund für die radikale Forderung sind die Berufe vieler Spielerinnen. „Es gibt ja einige Spielerinnen, die in Pflegeberufen oder im öffentlichen Dienst tätig sind, bei denen der Arbeitgeber es sehr kritisch sieht, wenn noch Handball gespielt wird, wo es ja auch immer zu Infektionen kommen kann“, erklärt Nocke, warum viele Vereine einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs kritisch gegenüberstehen.

„Denn letztlich muss man festhalten, dass Handball immer noch ein Hobby ist. Ein sehr schönes, das wir gerne machen, aber es gibt derzeit wichtigeres“, betont der Kamener, der neben den Halinger Frauen auch noch beim Herren-Landesligisten HSG Lüdenscheid in der Verantwortung steht.

Drei Varianten für Re-Start

Zum Re-Start gibt es eine Menge Gedankenspiele. Denkbar sind folgende Varianten.
Variante 1:
Es wird nur eine Halbserie gespielt. Aufsteiger ist der Tabellenerste, vier Mannschaften steigen ab.
Variante 2:
Eine verkürzte Rückrunde ist mit geteilten Staffeln möglich. Die Plätze eins bis sechs spielen um den Aufsteig, die restlichen Mannschaften um den Klassenerhalt.
Variante 3:
Eine verkürzte Rückrunde. Die ersten vier Mannschaften spielen einen Aufsteiger aus, die restlichen in einem Play off-System im Modus „best of 3“ die Absteiger. Wer seine Serie verliert, steigt ab.

Persönlich glaubt Nocke nicht daran, dass in dieser Saison nochmal ein Ball geworfen wird. „Letztlich kann ich mir nicht vorstellen, dass wir vor März oder April wieder in die Hallen rein können und dann wird es mit der Saisonfortsetzung eng. Mein Vorschlag wäre, dass wir die Saison abbrechen und früh mit einer neuen Serie starten, am besten schon Mitte August, dann wäre genügend Zeit, um im Sommer schon einmal viele Spiele zu absolvieren, damit die Lage entspannter ist, falls es noch einmal zu einem Abbruch im Winter kommen sollte“, gibt Nocke zu bedenken.

Ähnlich wie bei den Männern wird der Westfälische Handballverband nun Fragebögen an die Vereine verschicken, um ein Stimmungsbild einzuholen. Auf Basis dieses Stimmungsbildes soll im Laufe des Dezembers geklärt werden, ob und wie die Saison fortgesetzt wird.

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