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Felix Evers bietet am Bieberhof eine artgerechte Alternative

Felix Evers (Bieberhof)  mit ungewöhnlichen Pensionsgästen: Mini-Ponys. 

Felix Evers (Bieberhof) mit ungewöhnlichen Pensionsgästen: Mini-Ponys. 

Foto: Tim Cordes / WP

Lürbke.  Pferde im Stall? Das ist keine Variante mit der sich Felix Evers aus der Lürbke anfreunden kann.

Die Sonne strahlt am Himmel über dem Bieberhof. Grüne Wiesen, Felder und Bäume. Ein wahres Idyll außerhalb des Mendener Stadtteils Lendringsen. Nicht nur für die zahlreichen Spaziergänger, die die Wege rund um den Hof nutzen, um vom Alltag abzuschalten, sondern auch für knapp 40 Pferde.

Siesta scheint für Pferde kein Fremdwort zu sein. Während die Mittagssonne drückt, haben es sich die Tiere unter den Schatten spendenden Wipfeln der Bäume bequem gemacht, dösen oder beobachten aufmerksam, was sich außerhalb des Grüns tut. Die kilometerlange Weide auf der sich die Tiere normalerweise tummeln wirkt in diesem Moment ein wenig verwaist.

Während die Tiere anderswo in Boxen auf ihren täglichen Auslauf warten, haben die Pferde auf dem Hof von Betreiber Felix Evers alle Freiheiten. Täglich und rund um die Uhr sind die Tiere im Freien. „Das ist bei uns nicht die klassische Geschichte mit den Pferden, die in der Box stehen und darauf warten, einmal am Tag rausgeholt und geritten zu werden. Wir versuchen die Pferde so artgerecht wie möglich zu halten“, erklärt Felix Evers das Konzept am Bieberhof.

Das bedeutet: Im Sommer stehen die Tiere 24 Stunden auf der Weide. Den Stall sehen sie nur aus der Entfernung. „Nur im Winter stehen die Pferde nachts im Stall und werden dort morgens gefüttert“, erläutert der 32-Jährige. Nach dem Frühstück geht es dann in kleinen Gruppen auf die Paddocks am Hof. „Hier können die Tiere ihr Sozialverhalten ausleben, sich bewegen und ihre natürlichen Verhaltensweisen nachgehen“, sagt Felix Evers. Zunächst gab es Versuche, die Tiere auch im Winter auf die Wiese zu schicken.

Doch die Schäden, die witterungsbedingt an den Grasflächen entstanden, sorgten für ein Umdenken von Seiten des Betreibers. „Wir haben dann die Paddocks als saubere Alternative gebaut. Da können sie im Winter sicher und sauber stehen und sich bewegen.“

Kein klassischer Reitstall

Dass sich der Landwirt nun primär mit Pferden auseinandersetzt hat seine Gründe. „Mein Vater hat den Hof früher klassisch landwirtschaftlich betrieben und musste aus gesundheitlichen Gründen die Schweinehaltung immer weiter zurückfahren. Dann kamen peu á peu die Pensionspferde“, erinnert sich Evers an die Wandlung des Hofes.

„Wir sind nicht der klassische Reitstall, der Reitunterricht gibt. Abgesehen von zwei Pferden, die uns gehören, sind alle anderen Tiere von Besitzern, die ihre Tiere bei uns einstellen. Sie müssen sich um nichts kümmern, außer ihre Pferde zu reiten“, fasst Evers den Sinn des Pensionsbetriebs zusammen. Für die Besitzer der Pferde ist der Bieberhof eine äußerst komfortable Lösung. Sie haben täglich genügend Auslauf, können aber auch jederzeit geritten werden.

„Die Besitzer können natürlich immer zu uns kommen, um ihre Pferde zu reiten“, betont Evers. Turnierpferde sind unter den Gästen eher selten. „Ich würde sagen, dass 90 Prozent der Pferde hier von Freizeitreitern sind, die mit ihren Pferden nicht zu Turnieren fahren, sondern hauptsächlich ins weitläufige Gelände reiten“, weiß Evers.

30 Hektar Fläche

Die Vorteile des Konzepts liegen auf der Hand. „Im Reitstall ist es ja so, dass die Pferde nur Auslauf bekommen, wenn sie geritten werden. Ansonsten stehen sie in ihrer Box. Bei uns müssen die Pferde im Sommer eigentlich gar nicht bewegt werden, weil sie sich den ganzen Tag auf den Wiesen frei bewegen können. Im Winter gibt es dann zumindest tagsüber die Möglichkeit, sich ein wenig auf den Paddocks zu bewegen“, erklärt Evers.

In der freien Natur legen Pferde am Tag cirka 30 Kilometer zurück. Eine Strecke, die auch am Bieberhof nicht einfach umzusetzen ist. „Es ist eine Frage des Zuschnitts. Wenn ich die ein oder andere Weide quadratisch anlege, ist sie natürlich leichter zu bewirtschaften, aber für die Pferde ist es letztlich schon besser, wenn sie mal eine lange Strecke laufen oder wandern können“, weiß der Lürbker.

Insgesamt 30 Hektar umfasst die Fläche rund um den Bieberhof. Auf der größten Wiese geht es nicht nur geradeaus, sondern auch über kleine Steigungen, um die Tiere etwas zu beanspruchen. „Wenn sie die Strecke bis zum Bach hinunter laufen, dann haben sie schon einmal zwei Kilometer zurückgelegt“, sagt Evers. Ungewohnte Möglichkeiten für die Tiere.

„Viele Pferde sind erstmal völlig überfordert, wenn sie hier herkommen und sehen, was sie für Möglichkeiten haben. Das dauert Tage bis Wochen bis sie sich dran gewöhnt haben“, beobachtet der junge Betreiber.

Fast die gesamte Fläche steht den Pferden zur Verfügung, bis auf wenige Ausnahmen. „Die Flächen werden hauptsächlich für die Pferde genutzt. Etwas Ackerbau betreiben wir auch noch. Aber das wird von Jahr zu Jahr weniger. Wir erhalten aber den Bauernhof-Charakter und haben ein paar Rinder, sowie Schafe, Enten und Hühner. Das gehört für mich auch dazu, aber die Pferde machen schon 90 Prozent des Betriebs aus“, verrät Evers.

Futter wird selbst angebaut

Dass man sich auf knapp 40 Pferde beschränkt, wobei die Nachfrage größer ist, hat einen bestimmten Grund. „Wenn wir mehr Pferde hier aufnehmen würden, dann könnten wir sie mit unserem Futter nicht mehr satt bekommen“, ergänzt der Betreiber. Denn das Futter der Vierbeiner kommt komplett aus den eigenen Ressourcen.

„Die Pferde müssen sich ja nicht nur bewegen, sie müssen auf den Weiden auch satt werden. Außerdem brauchen wir neben den Weideflächen auch noch genügend Wiesen um Heu für den Winter zu produzieren. Hätten wir mehr Tiere hier, dann würde das nicht mehr klappen“, entgegnet Evers.

Neulinge kommen meistens in den Sommermonaten. „Dann lassen sie sich besser integrieren. Die neuen Pferde kommen erst einmal auf eine kleine Weide. Von dort aus können die anderen Pferde sie sehen und sie sich beschnuppern, bevor sie zur Gruppe stoßen“, erklärt Evers das Prozedere.

Nach dem Kennenlernen beginnt für die Pferde ein völlig neues Leben.

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