Laufsport

Jan Fitschen freut sich auf Mendener Citylauf

Jan Fitschen

Jan Fitschen

Foto: Theo Kiefner / Pace Pack Runners

Menden.  Der Europameister von 2006 startet beim großen Laufereignis in der Hönnestadt. Für Einsteiger hat er ein paar gute Tipps parat.

Noch fünf Tage, dann werden in Menden wieder die Laufschuhe geschnürt, denn am Sonntag, 30. Juni ertönt der Startschuss für den Citylauf. Unter die vielen Breitensportler mischt sich ein bekanntes Gesicht der Läuferszene: Jan Fitschen, 28-maliger Deutscher Meister und Europameister über die 10.000 Meter. Vor Ort wird der 42-Jährige nicht nur am Citylauf teilnehmen, sondern als „Laufsportexperte zum Anfassen“ Fragen rund um den Sport und seine Karriere beantworten – wie beispielsweise über...

Die Anfänge

Fitschen entdeckt erst spät seine Leidenschaft für das Laufen: „Das war mit knapp zwölf Jahren, da habe ich mich dem Lauftreff in meiner Heimatstadt angeschlossen“, sagt er. Zuvor habe er alle möglichen Sportarten ausprobiert: „Fußball, Basketball und Badminton.“ Geblieben ist er aber beim Laufsport, der ihn bis heute immer noch fasziniert: „Ich weiß, dass er nicht nur meinem Körper sondern auch meinem Kopf gut tut“, so der Europameister von 2006. Der Sport ermögliche einem die heutzutage eher rar gewordene Momente: „Einfach mal Zeit für sich zu haben“, sagt Fitschen und fügt hinzu: „Wenn ich laufe, klingelt kein Telefon und keiner will was von mir.“ 30 Minuten Bewegung reichen aus, dann habe er den Kopf frei: „Ich denke an rein gar nichts mehr. Das ist meditierendes Laufen.“

Die Salamitaktik

Allein fühlen tut er sich dabei aber nicht – ganz im Gegenteil: „Die Begeisterung für diesen Sport teilt man mit Millionen anderen Menschen, die die selben Phasen wie ich durchmachen“, so der gebürtige Niedersachse. Dazu zähle auch sich immer wieder aufs Neue zu motivieren. Für den vielfachen deutschen Champion kein Problem: „Bei lockeren Dauerläufen brauche ich mich gar nicht motivieren, die genieße ich einfach.“ Vor Wettkämpfen habe er in seiner aktiven Zeit die „Salamitaktik“ genutzt, erinnert sich Fitschen zurück: „Da habe ich mir die Herausforderungen in kleine Häppchen geteilt. Quasi von Runde zu Runde gedacht.“ Vielleicht ist dies ja eines der Erfolgsgeheimnisse, die Fitschens Weg zur Profilaufbahn ebneten? Für den Ausnahmesportler steckt mehr dahinter: „Nach der Schule habe ich den Leistungssport an die erste Stelle gestellt.“ Studiert hat er nebenbei – Physik in Bochum, aber: „Meine Priorität war immer laufen, laufen, laufen.“

Den Leistungssport

Der Weg vom Breiten- in den Leistungssport sei bei ihm ein schleichender Prozess gewesen. Als 19-Jähriger habe er jeden Tag trainiert: „Zweimal am Tag. Jede Einheit ein bis zwei Stunden.“ Ein Profisportler sei er damals aber noch nicht gewesen: „Profi ist man erst, wenn man mit Sport seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Obwohl ich zu der Zeit schon 15 Mal Deutscher Meister war, habe ich meistens nur Taschengeld bekommen“, schaut Fitschen zurück. Zum richtigen Profi habe er es erst mit seinem Europameistertitel 2006 in Göteborg gebracht – „geplant habe ich das nicht“, lacht Fitschen. Trotzdem sei dieser Titel sein persönlich größter Erfolg: „Klar, man erinnert sich auch zurück an die erste Niedersachsen- oder Deutsche Meisterschaft, aber die EM überstrahlt wirklich alles.“

Den Endspurt

Fitschen erinnert sich noch gut an den Tag, als er sich die „europäische Krone“ über die 10.000 Meter aufsetzte. „Am Wettkampftag habe ich mir gedacht, dass Zehnter zu werden ein Erfolg sei. Ich war aufgeregt.“ Doch es sollte anders kommen. Schon vor Beginn des Rennens sei klar gewesen, dass der Lauf ziemlich „taktisch“ geprägt sein würde: „Langsamer Anfang und ein Spurt am Ende“, erklärt der 42-Jährige und führt fort: „Kurz vor Schluss ist mir aufgefallen, dass ich Vierter bin. Dann habe ich im Schlussspurt noch drei Plätze aufgeholt. Als ich auf der Zielgeraden dann an erster Position war, habe ich nur gedacht: Was ist denn hier los?“

Den Citylauf

Das Erfolgsrezept beim Laufen sei vor allem eins: „Sich selbst gut einschätzen zu können“, so Fitschen. Die Breitensportler am kommenden Sonntag sollten sich schon vor dem Start darüber im Klaren sein, welche Ziele sie haben: „Geht es Ihnen um Rekorde oder Spaß?“, so der Experte. Daran und an den Trainingsleistungen sollte man sich beim Lauf orientieren: „Es bietet sich aber am Anfang an defensiv zu laufen, um für den Schlussspurt noch Körner zu haben.“ Dies sei das beste Gefühl, so Fitschen, der sehr viel von der Mendener Veranstaltung hält: „Ich finde das Event super. Es ist wichtig, dass man beim Laufen Ziele hat.“ Genau hierfür seien lokale Geschichten, wie eben der Citylauf, optimal: „Alleine schon weil man mit Freunden daran teilnehmen kann und die Zuschauer am Straßenrand für eine extra Portion Motivation sorgen“, so der ehemalige Profisportler.

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