Bewegung

LG Menden möchte Nachwuchs mit Kinderleichtathletik binden

Bananenkisten anstatt die klassischen Hürden: Noa Ghorbani von der LG Menden springt so hoch es geht.

Bananenkisten anstatt die klassischen Hürden: Noa Ghorbani von der LG Menden springt so hoch es geht.

Foto: Tobias Schad

Menden.   Bei der Sportgemeinschaft wird der klassische Dreikampf modifiziert. Nicht die Leistung, sondern der Spaß am Sport steht dabei im Fokus.

Ein schneller Sprint, ein weiter Wurf und ein starker Sprung. Schon ist der Treppchenplatz beim Dreikampf zum Greifen nah. Es sei denn, jemand anderes legt bessere Zeiten und größere Weiten hin. Das Prinzip eines klassischen Wettkampfs. Doch die Devise „schneller, weiter, höher“ gilt beim Deutschen Leichtathletik Verband (DLV) in seiner ursprünglichen Form nicht mehr – zumindest bei den unter 14-Jährigen. Der Nachwuchs läuft, wirft und springt zwar immer noch, aber in einer abwandelten Form: „Beim Lauf geht es für die Kinder über Bananenkisten, zwischen Hütchen oder über Strohballen“, erklärt Christina Geiseler, Geschäftsführerin der LG Menden. Oder beim Weitsprung, da werden Ringe auf dem Boden platziert, die eine gewisse Schrittabfolge erfordern. Die Palette an Übungen ist groß. Laut DLV können die Vereine und Verbände aus 37 Kinderdisziplinen wählen.

Leichtathleten gewinnen

Schon im Jahr 2013 hat der DLV im Bereich der „Kinderleichtathletik“ das alternative Wettkampfsystem an den Start gebracht. Der DLV verspricht sich darunter vor allem eins: „Kinder für die Leichtathletik zu gewinnen, an die Leichtathletik zu binden und möglichst lange im Verein zu halten“, heißt es auf der Homepage des Verbandes. Die LG Menden ist auch schon lange dabei – sogar noch vor dem eigentlichen Start der Reform: „Wir haben schon 2012 einen Kinderleichtathletik-Wettkampf veranstaltet“, erinnert sich Geiseler – quasi Pionierarbeit, deshalb verfügen die Hönnestädter auch über zwei Übungsleiterinnen, die speziell für diese Art von Leichtathletik ausgebildet wurden.

Drei Altersklassen fallen bei der Sport-Gemeinschaft unter das Alternativprogramm der Kinderleichtathletik: „Die U8, U10 und U12“, sagt Christina Geiseler. Bei der hiesigen U14 werde dies jedoch nicht mehr angeboten. Zwischen den Altersgruppen wird die Gewichtung an kinderathletischen Inhalten unterschieden.

„Die Sieben- bis Achtjährigen der U8 dürfen ausschließlich Kinderleichtathletik machen“, erklärt die Geschäftsführerin. Die U10, Acht- und Neunjährige, dürfen auch traditionelle Wettkämpfe besuchen, „vorausgesetzt, sie nehmen mindestens einmal im Jahr an der Kinderleichtathletik teil“, sagt Christina Geiseler. Junge Sportler, die in die Altersklasse U12 fallen, also die Zehn- und Elfjährigen, dürfen hingegen eigenständig entscheiden, welches Wettkampfsystem sie bevorzugen. Bei allen drei Altersklassen gibt es zudem keine Bestenlisten: „Das ist erst ab der U15 der Fall“, erklärt Christina Geiseler. Einen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Kindern, die durchgängig den traditionellen Dreikampf bestreiten, gebe es aber nicht: „Die Kinderleichtathletik trainiert den Nachwuchs soweit, dass er ohne Probleme Wettkämpfe bestreiten kann.“

Spaß und Schutz

Die Beweggründe der LG, das alternative Wettkampfsystem in ihren Reihen durchzuführen, sind laut Christina Geiseler zweigeteilt. In erster Linie gehe es darum, das Vergnügen an der sportlichen Betätigung in den kindlichen Vordergrund zu stellen: „Wir wollen vor allem den Spaß bei den Kindern wecken und sie nicht vergraulen, wenn sie nicht so leistungsstark sind.“ Dadurch hole man die Kleinen weg vom Fernseher, Computer und Smartphone, hin auf die Tartanbahn und zur Weitsprunggrube. Das Ergebnis dem Spaß unterzuordnen, ist nur eine Seite der Medaille. Der Geschäftsführerin der LG Menden ist es ebenso wichtig, die Nachwuchsathleten zu schützen: „Ihre Körper halten manche traditionellen Disziplinen einfach nicht aus.“ Geiseler denkt da beispielsweise an das Hammerwerfen oder Kugelstoßen.

Obwohl das alternative Sportprogramm mehr Aufbauarbeiten vor den jeweiligen Events erfordert, halte sich der Organisationsaufwand für Veranstalter und Helfer in Grenzen: „Es kommt immer drauf an, welche Disziplinen angeboten werden,“ so Geiseler. Schlussendlich müsse man nur das gleiche tun, wie beim klassischen Dreikampf auch. Einzig und allein weniger Kampfrichter würden pro Wettkampfstation benötigt.

Die wichtigste Frage jedoch ist, ob das Alternativprogramm bei den Kindern ankommt und ihnen überhaupt gefällt? Schließlich sind sie es, die laufen, werfen und springen müssen – wenn auch in einer abgewandelten Form. Christina Geiseler ist sich absolut sicher: „Die Kinder finden’s einfach nur toll.“

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