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Ohne Mathias Camminady läuft beim Balve Optimum nichts

Mathias Camminady, Organisator des Balve Optimum. 

Mathias Camminady, Organisator des Balve Optimum. 

Foto: Uwe Schmack

Balve.  Das Balve Optimum zählt zu den größten Reitturnieren in Deutschland. Für Mathias Camminady bedeutet das eine Menge Arbeit.

Der Turniersport im Märkischen Kreis ist sehr facettenreich. Es gibt kleine Turniere mit Prüfungen der Klasse E und große Veranstaltungen bis zur schweren Klasse. Das auch Deutsche Meisterschaften im Springen und der Dressur mit Sichtungen für Championate im Märkischen Kreis stattfinden, ist sicherlich eine Besonderheit. Sie sind von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) auch bis 2025 fest dem Reiterverein Balve zugesagt. Aber was läuft eigentlich hinter den Kulissen ab?

Da weiß keiner besser als Mathias Camminady, zweiter Vorsitzender des RV Balve und Mitglied in der Turnierleitung des Balve Optimums. „Ich bin praktisch das Bindeglied zwischen Reiterverein Balve und der Turniergemeinschaft.“ Und damit ist er das ganze Jahr beschäftigt. Mit Ann Christin Spiller und Rosalie von Landsberg-Velen bilden sie das Kernteam für das Balver Optimum. Daneben sind aber auch der Vorstand vom Verein und die Gesellschafter von der Turniergemeinschaft fest in den Planungen eingebunden.

Ein wichtiger Punkt ist aus seiner Sicht die Pflege der Anlage. „Wir müssen mindestens zweimal im Jahr die Dächer im Stadion reinigen.“ Aber auch die Investitionen um so ein Turnier ausrichten zu können sind immens. „Wir veranschlagen jedes Jahr mindestens 100.000 Euro für Neubauten bzw. Erneuerungen. Das muss das Turnier am Ende hergeben.“

Wenn man bedenkt, dass noch vor vielen Jahren die Zuschauer auf Holzbänken das Geschehen verfolgten, ist das heute unvorstellbar. Im Lauf der Jahre wurden das Dach und die Sitzbänke neu und fest gebaut. „Wir sind heute eine der wenigen, die ein permanentes Reitstadion in Deutschland haben.“

300 Helfer in einer Schicht

„Das A und O bei Turnieren ist die Pflege und Gewinnung von Sponsoren. Wir sind mit ihnen das ganze Jahr im Kontakt,“ so Camminady. „Es werden ca. eine Million Euro aus dem Sponsorenbereich benötigt, um so eine Veranstaltung wie die Deutschen Meisterschaften stemmen zu können.“ Dabei beträgt der gesamte Etat etwa 1,3 Millionen. „Aber das Besondere an diesem Turnier ist, dass wir sehr viele ehrenamtliche Helfer haben. Um die 300 sind in einer Schicht. Etwa 100 mehr unterstützen diese Meisterschaften insgesamt. Ohne sie wäre es gar nicht möglich, so etwas zu stemmen. Allerdings ganz ohne Festangestellte geht es auch nicht,“ weiß der zweite Vorsitzende.

„Aber das ist nur ein geringer Teil. Anders als bei anderen Turnieren in Deutschland. Ich glaube, wir sind die Einzigen, wo dieses Geflecht von der Organisation in dieser Größenordnung überhaupt zum Tragen kommt.“

„Bei dieser Vielzahl von Helfern gibt es natürlich eine logistische Herausforderung. Wir müssen alle diese Leute plus Reiter und andere Besucher in Hotels unterbringen. Wir buchen Übernachtungsmöglichkeiten rund um Balve, im Hochsauerland und bis nach Iserlohn.“ Bei dieser Vielzahl von Besuchern und Reitern bleiben durchschnittlich etwa 600.000 Euro im Märkischen Kreis, so seine Berechnung. „Denkt man nur an die Übernachtungen. Das ist bestimmt auch ein wichtiger wirtschaftlicher Aspekt für unsere Region.“

Seit einigen Jahren gibt es sogar ein Team von zehn Leuten, die nur für die Sicherheit während Turniers zuständig sind. Sie erledigen aber auch kleinere Reparaturaufgaben während der Prüfungen.

Zelte für 350 Pferde

Bezüglich dieses Themas treffen sich bereits im Januar ein Team von Polizei, Feuerwehr, Bauamt, Ordnungsamt und Rettungsdienst, um das Reitturnier vorzubereiten. „Ich halte es nicht für übertrieben, was hier gemacht wird,“ so Camminady. Man muss Sicherheitsbereiche vorhalten, die Zufahrten für Rettungsdienste müssen frei sein, um nur einige Dinge zu nennen. Dieses Team besteht ungefähr aus 15 Leuten.

Zurück zur Infrastruktur: „Wir müssen jedes Jahr um die 350 Pferde in Zelten unterbringen und 120 Vierbeiner werden in den Hallen aufgestallt. Die Maße der Boxen betragen drei mal drei Meter. Das ist von der Internationalen Vereinigung vorgeschrieben.“ Im Laufe der Jahre wurden für die Zelte Drainagen verlegt.

Zudem stellen die Balver jedem Pfleger ein kostenloses Frühstück zur Verfügung. „Natürlich dürfen die sanitären Anlagen wie Duschen nicht fehlten. Aber das machen wir schon seit Jahren so.“ Diese Standards sind mittlerweile auf internationalen Turnieren üblich.

Meisterschaften für viele Vereine uninteressant

Apropos International: Bis vor einigen Jahren gab es nur Wertungsprüfungen auf Deutschen Meisterschaften. Das war für die Veranstalter uninteressant. „Wir haben uns in Balve Gedanken gemacht, wie man die DM noch attraktiver gestalten kann. Viele Veranstalter wollten diese Meisterschaften gar nicht mehr durchführen.“ So kam das Trio aus Graf Landsberg, seiner Tochter Rosalie und Mathias Camminady auf die Idee, Internationale Prüfungen mit anzubieten. Wie man sieht, mit Erfolg: „Ich glaube, die Meisterschaften haben dadurch wieder mehr an Interesse gewonnen.“

„Ich bin der festen Überzeugung: Hätten wir dieses Meisterschaften nicht, wäre eine Veranstaltung dieser Größenordnung in unserer Gegend nicht durchführbar,“ betont Mathias Camminady

Ganz besonders stolz ist der zweite Vorsitzende des Reitvereins Balve darauf: „Wer bei uns Deutscher Meister geworden ist, der kam auch kurze Zeit später groß raus.“

Als Beispiel seien nur Daniel Deusser und Simone Blum genannt. „Sie wurde bei uns Deutsche Meisterin und kurze Zeit später Weltmeisterin.“ Scheint Balve-Wocklum im idyllischen Orletal ein gutes Pflaster für die Reiter und Reiterinnen zu sein.

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