Gefängnis-Fußball

Platte Heide Pinguine kicken hinter Gefängnismauern

Mannschaftsfoto der Pinguine vor der JVA. Hinter Gittern ist das Fotografieren nicht erlaubt.

Mannschaftsfoto der Pinguine vor der JVA. Hinter Gittern ist das Fotografieren nicht erlaubt.

Foto: Alexander Lück

Platte Heide/Werl.   Kicker von Platte Heide unterliegen Team aus JVA-Insassen beim Spiel hinter Gittern in Werl. Ein Mendener kennt sich bestens im Gefängnis aus.

Ein Spiel verloren, aber eine einmalige Erfahrung gewonnen: Hinter den Gittern der Justizvollzugsanstalt Werl absolvierten die Hobbykicker der Platte Heide Pinguine ein Freundschaftsspiel gegen eine Gefangenenauswahl. Und dachten hinterher an eine sportliche Revanche.

„Ein bisschen mulmig ist uns wohl allen“, sagt Patrick Fedorczuk mit einem Lachen vor den Toren der JVA. „Aber wir freuen uns auch auf das Erlebnis.“ Dann geht es für die Fußballer der Pinguine – alle zwischen 19 und 30 Jahren alt – hinter Gitter: Personalausweise abgeben, Handys dürfen nicht mit rein, Menschen und Spielutensilien müssen durch den Metalldetektor. Der Wachtmeister scherzt: „Wir fragen gerade noch offene Strafverfahren ab, um zu sehen, wen wir von euch hier behalten.“

Ein Höhepunkt im Knast-Alltag

Nur für einen ist dieses Prozedere in der JVA Alltag. Und bevor der falsche Eindruck entsteht: Der Mendener Sebastian König arbeitet dort als Justizvollzugsbediensteter. Die Elf aus teils ehemaligen, teils aktuellen Vereinsspielern besteht seit einem Jahr. Und König war es, der diesen ungewöhnlichen Spielort ins Gespräch brachte.

Immer wieder kommen Mannschaften „von draußen“ in die JVA und messen sich mit den Teams der Insassen. Auch für die ist so ein Spiel ein Höhepunkt in ihrem Alltag. „Die Organisation so eines Besuches ist kompliziert“, so König.

Der gepflegte Kunstrasenplatz der JVA hat etwa die Maße einer Mehrfachturnhalle. Entsprechend wird mit vier gegen vier Feldspielern gekickt. „Gegen uns wird wohl eine Auswahl der besten Insassen antreten. Es könnte schwer werden“, spekulierte Patrick Fedorczuk schon vor Anpfiff. Er sollte Recht behalten. Die Pinguine (der Name ergab sich aus dem Lieblingstier einiger der Kicker) geben ihr Bestes, sind aber läuferisch und körperlich unterlegen. Und als sie das erste Mal treffen, ist es der Ehrentreffer zum 1:4. Zur Pause führt die JVA-Auswahl mit 7:1.

In Hälfte zwei läuft es besser für die Pinguine – ihnen gelingt durch einen abgefälschten Schuss immerhin der zweite Treffer. So steht es am Ende 11:2 aus Sicht der Gefangenen. „Das war vielleicht die beste Mannschaft gegen die wir bisher angetreten sind“, schnauft einer der Platte Heide-Kicker durch.

Der Umgang war übrigens stets sportlich und fair, die Gefangenen bedanken sich mehrfach für den Besuch. Einer von ihnen, so stellt sich heraus, war gegen einen der Pinguine auch schon mal in einem Meisterschaftsspiel angetreten.

Sportlich und fair

Bei den Mendener Fußballern hat das Match den Ehrgeiz geweckt. Erste Gedanken: Wir kommen demnächst noch einmal wieder. Der Justizbedienstete Sebastian König darf sich in den nächsten Tagen wohl ein paar Neckereien an seinem Arbeitsplatz anhören. Irgendwie ist es für die heimischen Kicker ein komisches Gefühl, einfach hinausspazieren zu können, während der Gegner teilweise auch noch sehr lange hier leben muss.

Während König noch ein paar Fragen seiner Kumpel zum Gebäude und dem Alltag hier beantwortet, blickt Patrick Fedorczuk auf dem Weg durch das bedrückend wirkende Außengelände der JVA in Richtung Ausgang zurück: „Am Beginn des Spiels war noch etwas zu viel Respekt da. Danach war es ein normales Fußballspiel.“

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