Fairplay

SVÖ-Spieler Dennis Lange verschießt absichtlich Elfmeter

Ehrliche Haut: Dennis Lange vom SV Oesbern.

Ehrliche Haut: Dennis Lange vom SV Oesbern.

Foto: Frank Saul

Menden.   SV Oesbern-Spieler Dennis Lange hat gegen SV Hemer II absichtlich einen Elfmeter verschossen, weil er ihn zu Unrecht zugesprochen bekommen hatte.

Es sind turbulente Tage für Dennis Lange. Am Dienstag bestand der 30-jährige Hönnestädter seine Meisterprüfung als Dachdecker. Ein paar Tage zuvor sorgte Lange als Fußballer der Zweitvertretung des SV Oesbern für Aufsehen. Er nahm im Spiel gegen die SG Hemer II einen unberechtigten Elfmeter für seine Mannschaft nicht an.

Der Schiedsrichter nahm in jenem Spiel seine Elfmeterentscheidung nicht zurück. Lange setzte den Strafstoß absichtlich neben das Tor und bekommt seitdem sehr viel Anerkennung auch über die Hönnestädter Fußballszene hinaus für seine Fair-Play-Aktion.

Die WP-Sportredaktion sprach mit dem SVÖ-Kicker über den plötzlich gestiegenen Bekanntheitsgrad, die Reaktion seiner Mitspieler und darüber, ob er die Aktion wiederholen würde.

Hallo Dennis Lange. Zunächst einmal das Allerwichtigste. Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Meisterprüfung als Dachdecker. Da war der verschossene Elfmeter sicherlich ein Kinderspiel, oder?
Dennis Lange: Vielen Dank! Ich bin natürlich sehr glücklich, dass ich die Meisterprüfung bestanden habe. Darüber freue ich mich sehr, vor allem weil es eine anstrengende Zeit in der Abendschule war. Dann kam da noch die tägliche Arbeit und der Fußball. Aber ich bin da schon stolz drauf.

Sind Sie auch auf Ihre Aktion mit dem verschossenen Elfer stolz? Also, ich weiß nicht so recht. Für mich war das einfach eine Selbstverständlichkeit. Das kommt vielleicht auch daher, weil ich früher selbst Verteidiger war. Und seitdem weiß ich, wie schnell man mit seinen Aktionen daneben liegen kann. In dem Spiel war schnell klar, dass ich dieses Elfmeter-Geschenk nicht annehmen würde. Und da der Schiedsrichter bei seiner Entscheidung blieb, habe ich den Ball halt neben das Tor gesetzt.

Wie war denn anschließend die Reaktion bei Ihren Mitspielern, zumal Ihr Team ja ganz tief im Abstiegskampf steckt. Was hat der Gegner gesagt?
Also meine Mannschaftskameraden haben zu 95 Prozent hinter meiner Entscheidung gestanden. Ein, zwei Teamkollegen hatten zunächst kein Verständnis. Da musste ich mir dann Vorwürfe anhören, wie ich denn so etwas machen könnte. Das würde in der Liga doch keiner machen. Aber die Verärgerung hat sich dann auch gelegt. Ja, und vom Gegner aus Hemer bin ich zu meinem Verhalten in dieser Situation auch beglückwünscht worden.

An Glückwünschen dürfte es in den vergangenen Tagen wohl nicht gemangelt haben - oder?
Ja, auf jeden Fall. Ich bin von Bekannten und Freunden angesprochen worden. Für meine Arbeitskollegen war das auch ein Thema. Meine Mutter hat sich die Zeitungsartikel sogar ausgeschnitten. Sie ist schon ein wenig stolz. Ich habe ihr gesagt, sie hätte auch ihren Anteil, schließlich hätte sie mich zur Ehrlichkeit erzogen.

Wie werten Sie, dass der Schiedsrichter, trotz Ihres Hinweises, bei der Entscheidung blieb?
Ich habe ihn gefragt und er hat gesagt, dass es für ihn ein Elfmeter gewesen wäre. Ich sollte ihn beim nächsten Mal doch ganz deutlich darauf hinweisen, dass es kein Strafstoß gewesen sei.

Haben Sie denn nicht daran gedacht, dass Ihre Mannschaft im Kampf um den Klassenerhalt noch jeden Punkt gebrauchen kann?
Nein, ich muss zugeben, das war für mich in der Szene überhaupt kein Thema. Zumal ein verwandelter Elfmeter keine Garantie dafür gewesen wäre, dass wir das Spiel gewonnen hätten. Die SG Hemer II versucht ja seit Jahren aufzusteigen. Die hätten auch nach einem frühen Rückstand das Spiel nicht weggeschenkt. Wir müssen die Punkte für den Klassenerhalt in anderen Spielen holen.

Hoffen Sie, dass Ihre Aktion etwas im Fußball bewirken kann?
Ja! Ich hoffe, dass vielleicht ein Umdenken bei dem ein oder anderen einsetzt. Dass es letztlich nur um Fußball geht und dass man ehrlich miteinander umgehen sollte Ich finde, man muss bei uns nicht alles vom großen Fußball kopieren. Ich würde es jedenfalls wieder so machen.

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