Leichtathletik

Tobias Schulte vom MC Menden meistert den Mumbai-Marathon

Präsentiert nach dem Zieleinlauf beim Mumbai-Marathon stolz die Medaille: Tobias Schulte, der aus Lendringsen stammt und das Trikot des MC Menden trägt.

Präsentiert nach dem Zieleinlauf beim Mumbai-Marathon stolz die Medaille: Tobias Schulte, der aus Lendringsen stammt und das Trikot des MC Menden trägt.

Foto: Privat

Menden/Mumbai.   Laufen unter extremen Bedingungen: Tobias Schulte (38) vom MC Menden hat den Mumbai-Marathon erfolgreich gemeistert. Wir haben nachgefragt.

Tobias Schulte liebt trotz eines gesundheitlichen Handicaps die Marathon-Distanz. „Es geht mir dabei weniger um mich, sondern vielmehr um das Zeichen an andere Diabetiker oder deren Angehörige, dass trotz der Diagnose ganz viele Dinge möglich sind. Vielleicht kann ich auf diesem Weg einen kleinen Beitrag leisten“, erläuterte Tobias Schulte seine sportlichen Ambitionen. Der 38-Jährige, der gebürtig aus Lendringsen stammt und für den MC Menden startet, wohnt in Bad Vilbel (nördlich von Frankfurt) und ist als Diplom-Betriebswirt und Luftverkehrskaufmann bei einer großen deutschen Fluggesellschaft beschäftigt. Und zum Marathon nach Mumbai ging es dann auch natürlich mit dem Flieger. Wir haben mit dem Ausdauersportler über seine jüngsten Erlebnisse auf der Piste in Mumbai gesprochen.

Wie ist die Idee entstanden, in Mumbai zu laufen?

Tobias Schulte: Schon vor einigen Monaten hatte ich geplant, meinen 91. Marathon in Mumbai zu laufen. In Indien war ich noch nie und dieses Land sollte später auf keinen Fall in meiner Marathonliste fehlen. Mumbai wurde der abenteuerliche Auftakt zum ersten meiner letzten zehn Marathonläufe. 100 Marathonläufe wären dann geschafft.

Wie war Ihr erster Eindruck bei der Ankunft?

Es war ein kurzer, aber unvergesslicher Ausflug in eine fremde Welt.

Samstagmorgens um 3 Uhr kam ich im Hotel an, Zeit genug, um erst einmal viel zu schlafen. Der Samstag blieb mir dann, um mich zumindest etwas auf das Klima einstellen zu können. Zu Hause waren es 3 Grad, in Mumbai um 10 Uhr morgens bereits knapp 30 Grad bei sehr trockener Luft. Mumbai ist eine Stadt, die im Verkehrschaos und im Schmutz zu versinken scheint, die Kluft zwischen arm und reich ist unübersehbar. Das geht natürlich nicht spurlos an einem vorbei.

Laufen in Mumbai. Wie muss sich ein Europäer die Organisation vorstellen?

Überall in der Stadt wurde mit nicht zu übersehender Plakatierung auf den Marathon hingewiesen. 47.000 Läufer, zumeist lokale Läufer, waren für unterschiedlichste Läufe registriert. Knapp 8000 waren für den Marathon angemeldet. Dank einer kleinen, aber top organisierten Marathonmesse verlief die Startnummernabholung sehr zügig. Ich besichtigte noch kurz ein paar Streckenabschnitte und konnte mir nicht vorstellen, wie man es schaffen sollte, diese Straßen nur einen Tag später für die Läufer rechtzeitig abzusperren. Doch dies gelang den Organisatoren wirklich eindrucksvoll. Die Marathonorganisation hätte kaum besser sein können. Nicht umsonst fällt der Mumbai Marathon in die IAAF-Gold-Label-Kategorie.

Wie sind Sie in den Wettkampftag gestartet?

Meine Vorbereitungen waren ähnlich wie auch bei anderen Marathonläufen. Nur die Startzeit war ungewohnt. Der Startschuss zum Marathon sollte am Sonntag um 5.30 Uhr fallen, also um 1.00 Uhr deutscher Zeit. Somit machte ich mich nach nur drei Stunden Schlaf und ohne Frühstück um circa 23 Uhr deutscher Zeit auf den Weg zum Start.

Wie beurteilen Sie die Streckenführung?

Die Straßen wurden für die Läufer vorab noch extra gesäubert, der Verkehr weitläufig umgeleitet. Wo gestern noch hunderte Autos, Händler, Tiere über die Straße liefen, war nun alles vorbereitet für den Marathonlauf. Es herrschte eine gespenstige Ruhe als pünktlich um 5.30 der Startschuss an der berühmten „Victoria Railway Station“ fiel. Täglich fahren von diesem Bahnhof circa drei Millionen Menschen bzw. bis zu 1000 Züge ab. Andere Dimensionen, die nur schwer greifbar sind. Zunächst ging es lange an der Küstenstraße entlang, dann hinauf auf den sogenannten „Skylink“, im Grunde Mumbais Golden Gate Bridge. Von hier hatte man einen tollen Blick auf die beleuchtete Stadt. Mumbai, die Stadt die eigentlich niemals ruht, wirkte von hier sehr leise und schön. Der Marathonkurs führte uns noch durch viele verschiedene Stadtteile und ermöglichte eindrucksvolle Perspektiven. Führt eine Marathonstrecke kreuz und quer durch eine Stadt, kann man diese einfach prima kennenlernen. In Mumbai hat es funktioniert, das war klasse.

Wie sind Sie mit den Temperaturen zurechtgekommen?

Es waren beim Start bereits über 20 Grad Celsius und mein MCM-Trikot war schon nach einem Kilometer verschwitzt. Ich merkte recht schnell, dass mir die Wärme und die gefühlt rauchig-trockene Luft im Verlauf des Rennens noch ziemliche Probleme bereiten würde. Kurzum, ich war auf das Klima nicht vorbereitet und es hat mir extreme Probleme gemacht. Aber darin lag ja auch der Anreiz. Ich wusste ja schon vorher, dass dies so auf mich zukommt.

Wie haben Sie den Streckenverlauf erlebt?

Die Sonne ging bei Kilometer 17 auf. Ein roter Feuerball, schön anzusehen, aber er sollte später gnadenlos auf uns herunterbrennen. Bei Kilometer 23 entschied ich mich, das Tempo rauszunehmen. Ich hatte geplant, nach 3:40 Stunden anzukommen. Bis Kilometer 23 lag ich zeitlich auch im Limit, aber die Kräfte ließen schneller als gedacht nach. Es war sehr warm, mittlerweile knapp 30 Grad, schwarzer glühender Asphalt, kein kühlender Wind und irgendwie schlug nun auch die Müdigkeit etwas durch. So entschied ich mich, nicht mehr auf die Uhr zu gucken und lieber die Eindrücke aufzusaugen, die der Streckenkurs bot. Gesund ankommen, war die Devise, die Zeit war nicht mehr wichtig.

Wie beurteilen Sie die Konkurrenz?

Im Grunde ging es mir weder um eine gute Laufzeit noch um eine gute Platzierung. Ich wollte gesund ankommen und mit einer Medaille im Gepäck nach Hause fliegen. Daher habe ich mich auch mit der Konkurrenz nicht beschäftigt. Letztlich bin ich sogar im vorderen Drittel angekommen. Was mich immer wieder fasziniert, sind die afrikanischen Läufer, die zwei Stunden nach uns gestartet waren. Sie „flogen“ quasi an uns vorbei. Cosmas Lagat aus Kenia sollte nach 2:09 Stunden als Erster die Ziellinie überqueren. Unglaublich bei diesen Bedingungen.

Wie waren die Verpflegungsstellen organisiert?

An den Verpflegungsstellen gab es kalte Schwämme, die waren natürlich super. Ich nutzte sie jedoch primär, um mir damit die Augen auszuwischen, die alle fünf bis sechs Kilometer „brannten“. Die Mischung aus Schweiß und Staub war auch für mich neu. Ansonsten war alles top organisiert. Auch die Verpflegungsstände waren spitze.

Wie haben Sie die letzten Kilometer erlebt?

Bei Kilometer 31 gab es noch eine ordentliche Bergetappe. Der Berg tat richtig weh. Die Luft wurde bis zum Ziel nicht besser, es wurde immer heißer. Aber ich hatte mich in der Zwischenzeit daran gewöhnt. 200m vor dem Ziel entschied ich mich, zu gehen, um nochmal in Ruhe auf das Rennen zurückzublicken, um sich nochmal kurz zu vergegenwärtigen, wo man eigentlich gerade war, um nochmal kurz danke zu sagen, dass dieses Laufabenteuer möglich war.

Wie lange haben Sie denn für die 42,195 Kilometer gebraucht?

Nach 4:07 Stunden erreichte ich glücklich das Ziel und erhielt eine sehr schöne Medaille zur Erinnerung. Am nächsten Tag ging es dann bereits wieder zurück in die Heimat. Was bleibt, sind unvergessliche Eindrücke, für die der Marathon eine perfekte Bühne bot. Ich würde niemandem empfehlen, hier sein Marathondebüt zu geben, aber wer schon etwas Erfahrung auf dieser Distanz hat und den Mumbai-Marathon in seiner Urlaubsplanung berücksichtigen kann, der sollte darüber nachdenken.

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