American Football

Regisseur der „Lumberjacks“ Brilon beim „Rasenschach“

Julian Freise von den „Lumberjacks“.

Julian Freise von den „Lumberjacks“.

Julian Freise ist der Schlüsselspieler im System des American Football-Teams der „Lumberjacks“ aus Brilon.

Brilon. Ohne ihn läuft im Angriff seines Teams nichts zusammen: Julian Freise ist Quarterback bei den Brilon Lumberjacks in der American-Football-Landesliga. Der 31-Jährige zieht die Fäden im Angriff und setzt seine Mitspieler spektakulär in Szene. Bisher mit Erfolg: Die Lumberjacks gehören mit fünf Siegen und zwei Niederlagen zu den Topmannschaften der Liga.

Gestartet ist die Saison bereits im April. „Wir haben nur etwa alle zwei Wochen ein Spiel“, sagt Freise. Im August gibt es eine kurze Sommerpause, anschließend wird bis in den Oktober gespielt. Die Auswärtsfahrten führen den Beamten teils bis an die holländische Grenze, wenn Partien in Kleve und Bocholt stattfinden. Da hat das Spiel im 60 Kilometer Luftlinie entfernten Iserlohn schon fast Derbycharakter. „Die kurzen Strecken fahren wir mit dem Auto, die anderen mit einem gecharterten Teambus“, sagt der Quarterback. Zu den Brilon Lumberjacks gehören knapp 70 Aktive, davon fahren 42 mit zu einem Ligaspiel.

Training für die Bauchmuskeln

Da die Saison von Frühjahr bis Herbst dauert, findet die Vorbereitung im Winter statt. „Im Fokus stehen Lauf- und Kräftigungseinheiten“, sagt Julian Freise. Er geht dreimal wöchentlich ins Fitnessstudio, trainiert dort insbesondere Rücken und Bauch - und zwar für seinen Wurf. „Es ist ein Irrglaube, dass ein kraftvoller und präziser Wurf nur an kräftigen Armen liegt“, sagt der Spielmacher. Wegen der Drehung sei besonders eine ausgeprägte Bauchmuskulatur wichtig. „Der Arm ist einfach ausgedrückt nur eine Schleuderverlängerung“, erklärt der gebürtiger Bestwiger. Neben seinen Einheiten im Fitnessstudio ist für den Quarterback das Auswendiglernen der Taktiken und Spielzüge von größter Bedeutung. „Die Spielzüge werden auf dem Reißbrett gezogen. Nicht umsonst spricht man beim American Football vom Rasenschach“, sagt Freise. Die Spielzüge werden individuell auf die Qualitäten der eigenen Mitspieler angepasst. Den Spielstil seiner Mannschaft beschreibt der 31-Jährige als ausgeglichen und variabel. „Wir stellen uns auf die Gegner ein und probieren zu Beginn des Spiels erst einiges aus. Anschließend wissen wir, wie wir angreifen müssen“, erklärt der Sauerländer.

Als Quarterback geht der erste Ball des Angriffs immer auf ihn. Er entscheidet, ob er ein Wurfspiel initiiert oder einem Mitspieler ein Laufspiel ermöglicht. Wichtig ist dabei, dass sich Freise schnell entscheidet. Länger als zwei Sekunden soll er den Ball nicht halten, um nicht Gefahr zu laufen, vom Gegner getackelt zu werden. „Ich vertraue aber meinen Mitspielern, da sie mich schützen“, sagt Julian Freise. Er habe mit der Zeit eine innere Uhr entwickelt, wann es höchste Zeit ist, den Football loszuwerden. Seine Position teilt er sich mit einem Kameraden. In einem gewöhnlichen Spiel wird rotiert und beide stehen etwa gleich lang auf dem Rasen.

Furcht vor der „Blind Side“

Trotz des großen taktischen Anteils und den vielen kleinen Unterbrechungen ist American Football ein verletzungsanfälliger Sport. Julian Freise, der seit vier Jahren bei den Brilon Lumberjacks spielt, hatte bislang aber Glück und blieb ohne nennenswerte Verletzungen. Mit seinen 1,88 Meter und 90 Kilo gibt der Quarterback zwar keine zierliche Statur ab, im Vergleich zu den Spielern der „Defensive Line“ - also den Gegnern, die Freise am Spielzug hindern wollen, ist er aber ein Leichtgewicht. Gefährlich wird es für den Quarterback dann, wenn er von der „Blind Side“ getackelt wird. Das ist jene Seite der Offensive, welcher Freise den Rücken zukehrt - und somit nicht sieht, was hinter ihm geschieht. Ein Tackling aus dieser Position wird bei Footballern besonders gefürchtet, weil es unerwartet passiert. „Das kann zu bösen Verletzungen führen“, weiß Freise.

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