Kreissportgericht

Skandalspiel: Bedrohung und Bestechung nicht nachgewiesen

Jan Busch (l.) wird am Hals gepqackt. TuS-Trainer Tugay Yilmazer schaut hin.

Jan Busch (l.) wird am Hals gepqackt. TuS-Trainer Tugay Yilmazer schaut hin.

Foto: Foto: Oleksandr Voskresenskyi / FUNKE Foto Services

Moers/Duisburg.  Weiteres Urteil nach dem Skandalspiel des TuS Asterlagen gegen Büderich. 200 Euro Strafe für den Trainer nach hitzigem Sitzungsmarathon.

Tugay Yilmazer hatte etwas mitgebracht. In den Geschäftsräumen des Fußballkreises Moers schwenkte der Trainer des TuS Asterlagen immer mal wieder eine vergrößerte und ordentlich laminierte Farbfotografie. Das Motiv würde unterstreichen, dass er nach dem Abbruch des Skandalspiels am 15. Juni gegen den SV Büderich schlichtend eingegriffen hätte. Später im Lauf der Verhandlung sollte der als Zeuge angehörte Büdericher Spieler Jan Busch zwar erklären, dass Yilmazer in eben dieser Szene auf dem Weg zu ihm gewesen sei, um den Gästekicker am Kragen zu packen und zum wiederholten Mal zu bedrohen, doch das Kreissportgericht sprach den Übungsleiter des B-Ligisten am Ende vom Vorwurf der Bedrohung frei.

50 Euro Ordnungsstrafe

Auch eine Bestechung konnte ihm und seinem Geschäftsführer Sadettin Ulukan nach Ansicht des KSG nicht nachgewiesen werden. So blieben nach dreieinhalbstündigem Sitzungsmarathon 200 Euro Strafe (plus die Hälfte aller Auslagen) wegen unsportlichen Verhaltens, die Yilmazer zahlen muss, weil er den Büderichern während der Partie erwiesenermaßen lautstark vorgeworfen hatte, dass sie die vorherige Begegnung gegen Xanten (1:8) „verkauft“ hätten.

Bis zur Urteilsverkündung um kurz nach 22 Uhr ging es im vierten Stock des Moerser Volksbank-Gebäudes an der Uerdinger Straße nicht nur wegen der dort herrschenden Temperaturen stellenweise hitzig zu. Vor allem zu Beginn musste der KSG-Vorsitzende Heinz Kremers die Asterlagener immer wieder ermahnen. TuS-Geschäftsführer Ulukan bekam sogar eine Ordnungsstrafe von 50 Euro aufgebrummt. Zwischenzeitlich hatte der Hinweis von Beisitzer Sven Dielkus, dass eine Urteilsfindung auch die Chance für einen Neuanfang in Asterlagen wäre, für etwas mehr Ruhe gesorgt.

Vorwurf entrüstet zurückgewiesen

Fast alle Zeugen aus Büderich gaben an, dass sie Yilmazer mit seinem aggressiven Auftreten in Hälfte zwei als mitverantwortlich für die späteren Geschehnisse samt Schiedsrichter-Jagd ansahen, wollten aus seinem Mund auch deutlich Drohungen wie „Ihr kommt hier nicht lebend vom Platz“ gehört haben. Dietmar Schnelle, 2. Vorsitzender beim SVB, erklärte außerdem, dass Yilmazer und Ulukan ihm vor dem Spiel 1000 Euro für ein 8:0 geboten hätten. Weitere Zeugen dafür gab es aber nicht. Die Beschuldigten wiesen den Vorwurf entrüstet von sich, betonten mehrfach, dass es wohl eher beim Spiel der Büdericher gegen Xanten nicht mit rechten Dingen zugegangen sei.

Nach fast drei Stunden Zeugenbefragung und mehr als 30 Minuten Beratung sprach das Kreissportgericht schließlich sein Urteil. „Die Bedrohung durch Herrn Yilmazer ist für uns nicht eindeutig belegbar. Wir haben unsere Zweifel, und im Zweifel müssen wir freisprechen“, erklärte Heinz Kremers, auch wenn ihm die Büdericher Zeugen durchaus glaubhaft erschienen seien.

Schiedsrichter hat nichts mitbekommen

Im Vorfeld hatte sich Kremers auf die Suche nach neutralen Zeugen gemacht, aber niemand habe die Vorwürfe bestätigen können. Auch Schiedsrichter Samet Alpaydin gab an, nichts dergleichen vernommen zu haben. Ein Journalist, der beim Spiel zugegen war, attestierte Yilmazer zwar aggressives Auftreten und bestätigte auch, dass der TuS-Coach den Büderichern lautstark Bestechlichkeit vorgeworfen hatte, hatte von Drohungen aber ebenfalls nichts mitbekommen. So standen am Ende die Aussagen der Asterlagener gegen die von Spielern, Betreuern und Zuschauern aus Büderich. „Ich hoffe, dass Sie ihr Verhalten trotzdem überdenken und in Zukunft ruhiger werden“, gab Heinz Kremers dem TuS-Trainer noch mit auf den Weg.

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