Feldhockey

„Die Schmerzen vergehen, Ruhm und Ehre bleiben“

Der Moment, in dem klar war, dass der HTC Uhlenhorst erneut deutscher Meister im Feldhockey ist. Die Freude auf dem Feld und der Tribüne kannte keine Grenzen.

Der Moment, in dem klar war, dass der HTC Uhlenhorst erneut deutscher Meister im Feldhockey ist. Die Freude auf dem Feld und der Tribüne kannte keine Grenzen.

Foto: Samla

Krefeld/Mülheim.   Der HTC Uhlenhorst gewinnt das Finale gegen den Mannheimer HC und zeigt dabei nicht nur spielerisch starkes Hockey sondern auch Nehmerqualitäten.

Omar Schlingemann und sein Co-Trainer Johannes Schmitz konnten es noch gar nicht realisieren. Auch Sekunden nach der Schlusssirene, als die ersten Ersatzspieler schon das Feld im Krefelder Hockeystadion gestürmt hatten, kauerten sie noch an der Außenlinie. Dann wurde auch ihnen bewusst: Der HTC Uhlenhorst ist erneut deutscher Feldhockeymeister – zum 18. Mal in der Vereinsgeschichte und zum zweiten Mal in Serie. Was folgte war die totale Ekstase und Party pur mit den rund 400 mitgereisten Mülheimer Fans, die wieder die berüchtigte „Grüne Wand“ gebildet hatten. Mit 5:4 (4:2) schlug der Titelverteidiger den Mannheimer HC im Finale.

Timm Herzbruch ging knapp zwölf Minuten vor dem Ende der Partie vom Feld – eine kurze Verschnaufpause, dann zog es den Bundesliga-Torschützenkönig zurück an die Seitenlinie. „Wie lange noch?“, fragte er seinen Trainer. Noch zehn Minuten standen auf der Uhr. „Dann spiel’ ich durch“, so die knappe Antwort von Herzbruch.

Uhlenhorster beißen sich durch

Diese Einstellung war Sinnbild für die Uhlenhorster Energieleistung im Finale um die deutsche Meisterschaft. Jan Schiffer taumelte erschöpft über den Platz, rappelte sich aber auf und kam zurück. „Müde sind wir nicht“, rief Omar Schlingemann motivierend von der Seitenlinie. Lukas Windfeder stoppte einen harten Schuss mit der linken Schulter – rappelte sich aber auf und kam zurück. Kapitän Tobias Matania konnte die letzten Minuten mit Verdacht auf Muskelfaserriss nur noch von der Seitenlinie erleben. Aber auch alle andere Spieler im Kader gingen an ihre Schmerzgrenzen und weit darüber hinaus. „Der Schmerz vergeht, aber der Ruhm und die Ehre, die wir uns erspielt haben, die bleiben“, fasste es Lukas Windfeder zusammen. Timm Herzbruch stellte fest: „In so einem Team habe ich noch nie gespielt.“ Und Kapitän Tobias Matania beschrieb, wie sich die Schlussphase, in der die Mannheimer noch durch mehrere kurze Ecken die Chancen zum Ausgleich hatten und stets an Goalie Lennart Küppers scheiterten, am Spielfeldrand anfühlten: „Ich habe fast einen Herzinfarkt bekommen.“

Welche Moral diese Uhlenhorster Meistermannschaft am Final-Four-Wochenende in Krefeld an den Tag legte, zeigte sich zu Beginn des zweiten Viertels. Innerhalb der ersten 120 Sekunden des zweiten Abschnitts gerieten sie mit 0:2 in Rückstand. Als das Viertel 13 Minuten später zu Ende war, führten sie nach Toren von Jan Schiffer und Malte Hellwig sowie einem Doppelpack von Kapitän Matania mit 4:2. Den letzten HTCU-Treffer erzielte dann im vierten Viertel Julius Meyer – mit seinem ersten Saisontor. „Ich weiß, dass mein Team ein großes Herz hat. Deshalb tragen sie die Eule. Wir sind immer in der Lage, Tore zu erzielen“, sagte Meister-Trainer Omar Schlingemann nach der Partie.

Weinke wird wertvollster Spieler

Dass sein Team den Titel aber nicht nur durch die Offensivpower, sondern in erster Linie durch eine starke Defensive gewonnen hat, zeigte die Nominierung von Verteidiger Ferdinand Weinke zum wertvollsten Spieler des Final Four. „Unsere Defense war der Schlüssel. Unsere Offensive macht dann immer ihre Tore“, sagte der Ausgezeichnete.

Und welch Kräfte ein Titelgewinn auslösen kann, zeigten die grün-weißen bei der anschließenden Siegesfeier. Kapitän Matania humpelte mit dem Pokal auf das Siegerpodest, im Champagnerregen stemmte er die Trophäe in die Höhe. Der Lohn für zwei harte Tage beim Final Four in Krefeld. Und die Erinnerung, die alle Schmerzen vergessen lassen wird.

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