Fußball

Als RWO den Aufstieg in die Bundesliga perfekt machte

Großer Jubel nach dem Schlusspfiff: Mannschaftskapitän Friedhelm Kobluhn (Mitte) erhält den Aufstiegskranz überreicht.

Großer Jubel nach dem Schlusspfiff: Mannschaftskapitän Friedhelm Kobluhn (Mitte) erhält den Aufstiegskranz überreicht.

Foto: NRZ

Oberhausen.  Vor 50 Jahren stieg RW Oberhausen durch ein 0:0 gegen den Freiburger FC vor 35.000 Zuschauern im Stadion Niederrhein in die 1. Bundesliga auf.

25. Juni 1969: Die letzten Sekunden zwischen Rot-Weiß Oberhausen und dem Freiburger FC laufen. Die Kleeblätter stehen kurz davor, den langersehnten Traum von der 1. Bundesliga zu verwirklichen. Und dann, um kurz vor halb neun der erlösende Schlusspfiff für die 35.000 Zuschauer im Stadion Niederrhein. Die Elf von Trainer Adi Preißler hat sich mit dem 0:0 im letzten Spiel der Aufstiegsrunde den entscheidenden Punkt gesichert. Für die Rot-Weißen heißt es: Bundesliga, wir kommen!

Genau 50 Jahre liegt der größte Erfolg der RWO-Vereinsgeschichte nun zurück. „Wir hatten lange darauf hingearbeitet. Umso größer war die Erleichterung, als wir es endlich geschafft hatten“, erinnert sich der damalige Co- und spätere Meistertrainer Karl-Heinz „Kalli“ Feldkamp beim Wiedersehen der Aufstiegshelden beim letzten Saisonspiel der aktuellen Regionalliga-Mannschaft am 18. Mai. In der Tat lag hinter den Kleeblättern ein teils steiniger Weg, bis es in die höchste deutsche Spielklasse ging.

„Wir wollen mitmischen. Wir wollen endlich in die Bundesliga“

Besonders das Saisonfinale 1967/68 sorgte für enttäuschte Gesichter, als ausgerechnet gegen den Erzrivalen Rot-Weiss Essen die Aufstiegsrunde knapp verpasst wurde. Ein Eigentor von Hermann-Josef Wilbertz hatte für die letztlich entscheidende 0:1-Schlappe gesorgt. In der neuen Spielzeit sollte es nicht nur nach dem Wunsch des Präsidenten Peter Maaßen besser laufen. „Wir wollen den Erfolg. Wir wollen mitmischen. Wir wollen endlich in die Bundesliga“, verkündete der Vereinspatriarch vor dem Saisonstart.

Realisieren sollte das ganze Trainer Adi Preißler, der zweimal mit dem Borussia Dortmund die Deutsche Meisterschaft gewonnen hatte und die Nachfolge von Werner Stahl antrat. Und in der Tat schien die kaum veränderte RWO-Truppe vom ersten Saisonspiel fokussiert zu sein. Mit acht Siegen begann die Meisterschaftsrunde, ein Vereinsrekord. Auch danach hielten die Rot-Weißen von Kapitän Friedhelm Kobluhn die Konkurrenz aus Essen und Bochum auf Distanz.

Mit 53 Punkten sicherten sich die Kleeblätter den ersten Platz. Allein der im letzten Januar verstorbene Lothar Kobluhn erzielte 18 Treffer für eine Mannschaft, die kein einziges Heimspiel verlor. In der Aufstiegsrunde selbst ging RWO gegen den SV Alsenborn, Hertha Zehlendorf, Freiburger FC und VfB Lübeck als Favorit ins Rennen. Doch die Entscheidung fiel nach fünf Siegen und zwei Niederlagen erst im letzten Spiel gegen den Klub aus dem Breisgau.

Spannung bis zur letzten Sekunde

Beide Teams lagen punktgleich. Doch dank des besseren Torverhältnisses reichte RWO bereits ein Remis. Vielleicht auch wegen dieser Tatsache erspielten sich die Hausherren nur wenige Chancen. Lothar Kobluhn, mit dem diese Zeitung kurz vor seinem 75. Geburtstag im April 2018 sprach, fasste die Atmosphäre wie folgt zusammen: „90 Minuten können verdammt lang sein. Keiner wollte einen Fehler machen und uns so um den Lohn der ganzen harten Arbeit bringen. Es war nicht unser bestes Spiel. Aber es hat gereicht.“

Für RWO begann in der Folgezeit das Abenteuer Bundesliga, welches bis 1973 anhielt. Mit Höhen und Tiefen, wie die kurzzeitige Tabellenführung durch ein 3:0 gegen Eintracht Braunschweig. Oder der Verwicklung in den Bundesliga-Skandal, der bereits seine Anfänge in jener legendären Aufstiegssaison 1968/69 nahm. Dabei sollen Spieler von Hertha Zehlendorf dafür bezahlt worden sein, damit sie den Aufstiegskonkurrenten Alsenborn besiegten. Auch ein 2:0 gegen Arminia Bielefeld in jener Saison soll verschoben worden sein.

Letztlich konnten die Bestechungsvorwürfe gegen den Verein nie eindeutig geklärt werden. So oder so ist die Bedeutung, welcher der Aufstieg für die Vereinsannalen bis heute inne hält, unbestritten. Das durften nicht zuletzt die zwölf Aufstiegshelden hautnah miterleben, als sie im Mai gebührend von den RWO-Anhängern im Stadion Niederrhein empfangen wurden. Und dafür sorgten, dass sich 8000 Fans genauso anfühlen können, wie jene 35.000 vor genau 50 Jahren.

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