Nach dem Test gegen Almelo

Die Frage bei RWO ist: Wer schießt die Tore?

Die Chancen sind da, aber der Ball fliegt zu selten in den Kasten. Shaibou Oubeyapwa (Mitte) hatte eine Hundertprozentige, Guiseppe Pisano bereitete viel vor. Am Ende aber stand die Null.

Die Chancen sind da, aber der Ball fliegt zu selten in den Kasten. Shaibou Oubeyapwa (Mitte) hatte eine Hundertprozentige, Guiseppe Pisano bereitete viel vor. Am Ende aber stand die Null.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Unterm Strich war die Leistung von RWO im Test gegen Almelo bärenstark. Aber es gab nichts Zählbares. Im Sturm hapert es noch.

Der Cheftrainer war echt ärgerlich. Nach dem 0:1 gegen den Ehrendivisionär Heracles Almelo am Mittwochabend verspürte RWO-Coach Mike Terranova Redebedarf, denn er hatte in seiner ureigenen Domäne, dem Torabschluss, wieder mal Defizite ausgemacht: „Wir spielen uns klare Chancen heraus, machen das Tor aus aussichtsreichsten Positionen nicht und kassieren nach einer Unkonzentriertheit, die mich auch geärgert hat, den Treffer zur Niederlage. Das kann ich nicht ab!“

Dass seine Mannschaft über weite Strecken gut bis sehr gut gespielt hat, wollte er kurz nach dem Abpfiff gar nicht hören, denn das hält er fast schon für selbstverständlich: „Dafür arbeiten wir hart.“ Die Ansprüche sind also gewachsen, darf man daraus schließen. Anerkennung bleibt Terranova indes nicht versagt. Vor-Vorgänger Fred Bockholt sah das Team 19/20 gegen Almelo erstmals und war des Lobes voll: „Was der Terra aus der Mannschaft macht, ist wirklich aller Ehren wert. Mit Guiseppe Pisano und Kofi Twumasi hat er zwei tolle Neue, die in der Liga den Unterschied machen können.“

Thema Twumasi: RWO setzt voll und ganz darauf, dass der Ghanaer mit US-Pass und jahrelanger rumänischer Vergangenheit auch tatsächlich kommt. Noch aber ist das letzte Schreiben mit einer Bestätigung aller förmlichen Voraussetzungen nicht eingetroffen, was kaum an der Post liegen dürfte. Der rumänische Verband soll sich entgegenkommend zeigen, die Probleme scheinen eher beim abgebenden Verein zu liegen. „Ich habe keinen Zweifel“, sagt Terranova, der dem 22-Jährigen in Tests das Offensivspiel noch nicht gestattet: „Er soll erstmal die defensive Sechs spielen und mit der Zeit ein Gefühl für die Abläufe nach vorn und das entsprechende Umschalten bekommen.“

Die Sechs wird bärenstark

Als Sechser ist er stark, ein ständig lauernder Balleroberer, hart im Zweikampf und gedankenschnell vor allem. Und er hat in Christian März eine kongeniale Unterstützung. Der Ex-Rödinghausener bestätigt seine gute Form der zweiten Rückrundenhälfte und wirkt dabei immer abgeklärter. „Für uns ist es wichtig, dass wir in der Anfangsphase ruhig und sicher werden“, erläutert er sein häufiges Rückwärtspassen in den Startminuten, „und da ist es besser, zunächst mal auf Ballsicherung bedacht zu sein.“ So spricht einer, der Verantwortung und Führung übernehmen will. Bemerkenswert war seine körperliche Präsenz, auch als im Prinzip die ganze Mannschaft schon auf dem Zahnfleisch ging. Doch als Almelo zur 75. Minuten neun Wechsel vollzog, dabei durchaus auch Spieler der ersten Elf einsetzte, ging noch einmal ein Ruck durch die Oberhausener Mannschaft.

Über die Grenzen gegangen

Obwohl an der körperlichen Belastungsgrenze angekommen, gingen alle Spieler noch einmal darüber hinaus. Das begann bei der körperlich ungemein präsenten Innenverteidigung mit Jannik Löhden und Jerome Propheter, setzte sich eben über März fort und fand seinen gelungenen Abschluss dann in dem unbedingten Engagement der eingewechselten Spieler.

Dass die Kleeblätter wegen der polizeilich veranlassten Verlegung des Schalke-Spiels erst am 3. August in die Saison starten, wird mittlerweile ganz gern gesehen. Das gibt nämlich auch Gelegenheit, den Abwehrblock zu ergänzen: Tim Stappmann kommt nach kürzerer, Julijan Popovic nach längerer Pause zurück, und auf den Außenpositionen ist RWO noch nicht so sattelfest, wie es sein müsste. Zudem: Wie lange fällt Keeper Daniel Davari mit seiner Adduktorenzerrung aus? Justin Heekeren hinterließ einen guten Eindruck.

Hinten also drückt der Problemschuh weniger als vorn. Philipp Gödde wird noch länger fehlen. Cihan Özkara und Guiseppe Pisano sind ähnliche Spielertypen, mitdenkende Stürmer, auf Ballsicherung und Weiterleitung bedacht. Vorbereiten können beide, doch da lautet die Frage einfach: Wer schießt denn endlich mal regelmäßig Tore?

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