Fußball

Eine schwerwiegende Rettungstat

Ditmar Jakobs (Mitte) beglückwünscht den dreifachen Torschützen Alfred Hoff beim 5:2-Heimsieg gegen Hertha BSC.

Ditmar Jakobs (Mitte) beglückwünscht den dreifachen Torschützen Alfred Hoff beim 5:2-Heimsieg gegen Hertha BSC.

Foto: NRZ

Oberhausen.  30 Jahre nach dem Klärungsversuch von Ditmar Jakobs, im Nordderby mit dem HSV gegen den SV Werder, der sein Karriereende bedeuten sollte.

Es ist der 20. September 1989. Bremer Weserstadion. Es läuft die 14. Spielminute: Werders Angreifer Wynton Rufer überlupft HSV-Schlussmann Richard Golz zum vermeintlichen 1:0, als Innenverteidiger Ditmar Jakobs in letzter Sekunde den Ball noch von der Linie kratzt. Beim Klärungsversuch rutscht der gebürtige Oberhausener ungebremst ins Gäste-Gehäuse und bleibt mit dem Rücken an einem Karabinerhaken hängen. Für Jakobs war es sein 493. Erstliga-Einsatz. Und gleichzeitig sein letzter.

Das Positive überwiegt

Denn aufgrund der Rückenverletzung musste der heute 66-Jährige seine Fußballer-Laufbahn abrupt beenden. Die Liste seiner Erfolge bis zu diesem Augenblick liest sich beeindruckend: Als Teil der legendären HSV-Mannschaft um Horst Hrubesch, Felix Magath oder Uli Stein hat Jakobs zweimal den Deutschen Meistertitel, einmal den DFB-Pokal und als Krönung den Europapokal der Landesmeister 1983 gewonnen. „Es überwiegt für mich klar das Positive. Ich durfte 18 Jahre lang einen Traumberuf ausüben. Meine Trainer haben immer auf mich gesetzt und mir so die Chance gegeben, meine späteren Erfolge zu feiern“, blickte Jakobs vor zwei Jahren im Gespräch mit dieser Redaktion bewusst auf die schönen Seiten seiner Karriere zurück.

Geboren wurde Ditmar Jakobs am 28. August 1953 in Oberhausen, wo er bei Arminia Lirich erstmals seine fußballerischen Qualitäten unter Beweis stellte und damit Rot-Weiß Oberhausen auf sich aufmerksam machte. Der damalige Bundesligist verpflichtete den 18-Jährigen 1971, zunächst für die A-Jugend, dann für die Erste Mannschaft, wo er für 800 Mark im Monat seinen ersten Profivertrag unterschrieb.

Debüt und Heimsieg über Hertha

Sein Debüt bei den Profis feierte er beim 5:2-Heimsieg gegen Hertha BSC am 6. Mai 1972 unter Trainer Günter Brocker. In der folgenden Bundesliga-Saison 72/73 erzielte Jakobs zwölf Tore für die Kleeblätter, darunter ein Doppelpack gegen seinen späteren Verein, den MSV Duisburg, beim 4:0 im April 1973. Wohl gemerkt als Mittelstürmer. Vom Weltklasse-Verteidiger und Vorstopper war da noch keine Rede. „Je weiter es in meiner Karriere ging, desto mehr bin ich auf dem Spielfeld nach hinten gerückt. Genau erklären, kann ich das auch nicht“, meinte Jakobs vor zwei Jahren mit einem Lachen.

Über Umwege zum Hamburger SV

Doch trotz seiner vielen Tore konnte auch er den Abstieg der Kleeblätter letztlich nicht verhindern und verließ RWO im September 1974 Richtung Tennis Borussia Berlin. 1979 ging es dann zum MSV, wo er endgültig zum Abwehrspieler umfunktioniert wurde. Kurz darauf klopfte HSV-Manager Günther Netzer an die Tür des Oberhauseners und lockte ihn für fast eine Million Mark in die Hansestadt. In den kommenden zehn Jahren gehört Jakobs immer zur Stammelf, sowohl unter Branko Zebec als auch unter Ernst Happel und bestach besonders durch seine Zweikampf- und Kopfballstärke.

Nur gegen Maradona war Schluss

Während er mit dem HSV von Erfolg zur Erfolg sprang, fand er in der Nationalelf erst durch Bundestrainer Franz Beckenbauer, mit dem er noch als Spieler zusammen bei den Rothosen gespielt hatte, seine Position. 1986 erreicht er mit dem DFB-Team das Endspiel der Weltmeisterschaft und musste sich nach großem Kampf Argentinien mit Diego Maradona knapp 3:2 geschlagen geben.

Nach dem plötzlichen Ende seiner Karriere beteiligte sich Jakobs zusammen mit anderen Ex-Profis wie Manfred Kaltz zunächst an einem ambulanten Reha-Zentrum. Später wurde er selbstständiger Versicherungsmakler in Norderstedt bei Hamburg, wo der dreifache Familienvater bis heute lebt. „Es war vielleicht Glück im Unglück, dass ich schon 36 war, als der Unfall geschah. Wenn ich jünger gewesen wäre, hätte mein Leben einen anderen Verlauf genommen“, ist sich Jakobs sicher, die richtigen Entscheidungen in seinem Leben getroffen zu haben.

Ein Leben, das zwar vom jenem schweren Schicksalsschlag im September 1989 geprägt, aber nicht definiert wurde. Denn dafür hat Ditmar Jakobs viel zu viel erreicht. Sportlich, wie auch privat.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben