Fußball

„Einer meiner schönsten RWO-Tage in 22 Jahren“

Jubel beim Public-Viewing am Centro. RWO war nach dem Sieg in Berlin wieder in der 2. Bundesliga.

Jubel beim Public-Viewing am Centro. RWO war nach dem Sieg in Berlin wieder in der 2. Bundesliga.

Foto: Tom Thöne

Oberhausen.   Vom Aufstiegstag vor zehn Jahren ist den RWO-Fans nicht nur das Spiel in Berlin in Erinnerung geblieben. Von Hitze, Zugfahrten und Gänsehaut.

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Per Zuschrift und auf Facebook haben uns zahlreiche RWO-Fans von ihren schönsten Erinnerungen an den 31. Mai 2008 berichtet. Und dabei lässt sich eins festhalten: Es war für alle eine feuchtfröhliche Angelegenheit, ob in Berlin oder beim Public Viewing in Oberhausen. Für manch einen, wie Stefan Hoffmann, war der Sieg der Kleeblätter gar „das beste Geburtstagsgeschenk ever“, als er am Centro den Aufstieg live miterlebte.

Viele waren mit dem Sonderzug nach Berlin gefahren, um die Rot-Weißen vor Ort zu unterstützen. Besonders die hohen Temperaturen haben sich wie bei Michael Fleuren tief ins Gedächtnis gebrannt: „Wo wir durch die brütende Hitze einen gefühlten Halbmarathon zum Stadion gehen mussten.“ Auch Michael Junz fuhr nach Berlin, zusammen mit der „Old Family“ versteht sich. Für ihn ganz klar „einer der schönsten Tage meines Lebens“.

„Eine unvergessliche Party!“

„Wo war ich am 31. Mai 2008? Natürlich in der Alten Försterei! Sowas lässt man sich als echter Oberhausener und jahrelanger RWO-Fan nicht entgehen. Schon beim Anstehen für Karten vor dem RWO-Fanshop in der Stadtmitte musste man Geduld beweisen. Wann hatte man zuletzt für ein Spiel von RWO angestanden?“, erinnert sich Björn Grebka.

„Mit einem ausverkauften Sonderzug erreichte man das an diesem Tag tropisch anmutende Berlin. Der Luxus von Shuttlebussen wurde uns leider nicht gewährt - dafür waren wir einfach zu viele – und so ging es mittels rot-weißem Fanmarsch über eigens für uns abgesperrte Straßen in Richtung Köpenick. Bereits zur Mittagszeit erreichten die Temperaturen Höhen, die den Asphalt an den Rändern teils schmelzen ließen. Aber auch wir Fans waren heiß!“

Vom Spiel an sich schwärmt Grebka: „Der restlos gefüllte Auswärtsblock machte bereits vor Anpfiff ordentlich Krach! Unvergessen Terras Jubellauf nach seinem 1:0 mit einem ganz besonderen Gruß Richtung Union Fans. Ein jederzeit ungefährdetes 3:0 am Ende, nochmal Terra und Julian Lüttmann! Das Wunder von Bruns, Freudentränen, wildfremde Menschen fallen sich in die Arme und die grandiose Spielerraupe vor dem Partyblock – Gänsehaut noch heute!“

Und später war die Feierlaune gar nicht mehr zu bändigen: „Die zweite Station war am Stadtteilbahnhof. Die Läden der Bahnhofspassage haben das Geschäft ihres Lebens gemacht, der ansässige Supermarkt hatte keinen Tropfen Alkohol mehr. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten dann im Sambawagen. Wir sprangen und sangen und jubelten, bis der Schweiß von der Decke tropfte. Eine unvergessliche Party!“ Und auch für Schadenfreude war bei Grebka und Co. noch Zeit: „Als dann letztlich noch der zeitgleiche Abstieg des ungeliebten rot-weissen Nachbarn aus Essen die Runde machte, war der Schlachtruf des Abends geboren: „Gegen Lübeck kann man mal verlieren!“ Selbst das Versiegen der Bierleitung noch weit vor Oberhausen tat der guten Laune keinen Abbruch.“ Und am Ende hält Grebka fest: „Alles in allem, einer meiner schönsten RWO-Tage in bis jetzt 22 Jahren Treue zum Kleeblatt.“

Thomas Friedrichs Trip nach Berlin war ebenfalls feucht fröhlich, was er selbst am nächsten Tag noch in den Knochen spürte: „Am nächsten Tag war verkaufsoffener Sonntag und ich war dann arbeiten, aber nicht ganz nüchtern.“ Wohl auch wegen des Wetters schreibt Frank Kusch von seiner wohl „härtesten Auswärtsfahrt.“ Und auch Andrea Graupe gab der Aufstieg der Bruns-Elf eine „Gänsehaut“: „Leider hat’s ja nicht lange gehalten. Ich hoffe, irgendwann erleben wir es nochmal. Der Niederrhein-Pokal hat ja auch geklappt!“

Fußballgott Terra, Held Bruns

Auch wenn an dieser Stelle leider nicht alle ihre Kommentare veröffentlicht werden können, fasst wohl besonders der Eintrag von Anna Katharina Böwe die Stimmung vieler RWO-Fans an jenem Tag perfekt zusammen: „Am 31. Mai war ich natürlich in Berlin. Damals noch 17 Jahre jung, habe ich meine Mutter solange bekniet bis sie es endlich erlaubt hat. Mit dem Sonderzug ging’s hin und bei gefühlten 40 Grad in der Kurve hingestellt. Die Ordner waren so nett und haben in der Halbzeit die Wasserschläuche in den Block gehalten, damit keiner vor Hitze umkam. Und dann kam der Abpfiff. RWO war ein zweites Mal in Folge aufgestiegen. Terra wurde zum Fußballgott, Bruns zum Helden. Zurück ging es dann wieder mit dem Sonderzug und am nächsten Tag gab‘s die dicke Aufstiegsparty am Centro. Das war ein Erlebnis, dabei sein zu dürfen war alles.“

Der frühere NRZ-Redakteur Gustav Wentz erinnert sich: „Der Dienst hatte mich an jenem Wochenende ins Saarland geschickt. In Zeiten von Haushaltskonsolidierungen & Co. tagte dort die CDU-Ratsfraktion, und der Vorsitzende war Daniel Schranz – mit Fußball nicht sonderlich viel am Hut und disziplinierter Polit-Arbeiter. Noch am Samstagvormittag kündigte er an, nach der Mittagpause die Beratungen fortsetzen zu wollen. . .“ Wentz weiter: „Nicht ganz ernst gemeint, kündigte ich Fraktionsgeschäftsführer Walter Paßgang gegenüber an, die Berichterstattung einstellen zu werden, falls das rot-weiße Schicksalsspiel nicht geschaut werden sollte. Nun ja: Paßgang – Meister der Requisite und (vorbereiteten) Improvisation - zauberte eine Großleinwand herbei, hatte sogar Fan-Schals mitgebracht und für die Nicht-Fußballfans ein Ersatzprogramm in petto: Besuch bei Villeroy & Boch. Daran nahmen alle Damen der Fraktion teil – und Hans-Jürgen Nagels. Übrigens: Den Ergebnistipp (zwei Euro pro Nase) gewann der NRZ-Mann, und Daniel Schranz ließ alle am Sonntag nacharbeiten. . .“

„Mutter hatte grünes Licht gegeben“

Auch Sportamtsleiter Hans-Bernd Reuschenbach erinnert sich und schickte uns folgenden Bericht:

„In den frühen Morgenstunden des 31. Mai 2008, am 82. Geburtstag meiner Mutter (sie hatte mir vorher grünes Licht gegeben), machte ich mich mit Freunden auf den Weg in die Hauptstadt. Mit rund 1000 Oberhausener Fußballfans startete der RWO-Sonderzug um 4.15 Uhr ab OB-Hauptbahnhof. Über Osterfeld-Süd, Vonderort, Dellwig u. a. bedeutende Orte des Ruhrgebiets erreichte der Bummel-Sonderzug nach zwei Stunden Fahrt die Westfalen-Metropole Dortmund. Die Stimmung im Zug, in dem nahezu die komplette Bandbreite der Oberhausener Stadtgesellschaft vertreten war, erreichte bereits gegen sieben Uhr ihren ersten Höhepunkt. Schließlich hatten sich die Mitreisenden ausgiebig mit Getränken versorgt. Im Samba-Abteil herrsche non-stop Party-Stimmung. Gegen elf Uhr erreichte der RWO-Express endlich den Berliner Bahnhof Südkreuz. Der weitere Verlauf der Reise gestaltete sich wie folgt: eine Stunde ausharren auf dem Bahnhofsgelände, Weiterfahrt mit einem weiteren Sonderzug in Richtung Köpenick, ein von der Polizei eskortierter Fußmarsch bei über 30 Grad auf dem von der Hitze „kochenden“ Straßenasphalt, Ankunft in der alten Försterei gegen 13.25 Uhr (Die Berliner Polizei hatte diesen Ablauf minutiös geplant), Anpfiff um 13.30 Uhr.

Nachdem die ersten 20 Minuten des Union-Daueransturms überstanden waren, erzielte RWO noch vor der Halbzeit zwei blitzsaubere Tore. Mike Terranova in seiner besten Rolle seiner RWO-Zeit als „Hauptmann von Köpenick“ entschied das Spiel mit einem wunderschönen Treffer in der zweiten Halbzeit. Im Stadion hörte man nur noch RWO-Sprechchöre und Gesänge. Die vorher fanatischen „Eisern-Union“-Rufe waren verstummt. Die RWO-Fans feierten bereits ausgiebig den Aufstieg in die 2. Liga. Union Berlin, das sich vorher ebenfalls noch berechtigte Aufstiegshoffnungen machte, hatte sich zu diesem Zeitpunkt ergeben. Nach Spielschluss wurde über Lautsprecher der unerwartete Abstieg des ewigen Konkurrenten RWE bekanntgegeben. Nach dieser Nachricht brachen bei den RWO-Fans alle Feier-Dämme. Weit nach Mitternacht erreichte der Sonderzug mit den müden, aber überglücklichen Fans wieder die Heimat. RWO-Vorstandsmitglied Thorsten Binder, der den RWO-Tross im Zug begleitete, hatte die ganz besondere RWO-Aufstiegsfahrt bestens organisiert. Für alle nach Berlin mitgereisten und im Stadion anwesenden RWO-Fans, unter ihnen auch der ehemalige Oberbürgermeister Klaus Wehling, wird der 31. Mai 2008 in der Fußballhistorie unserer Stadt und des Vereins RWO unvergessen bleiben.“

Wir bedanken uns bei allen RWO-Fans für ihre Mithilfe.

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