Yoga bei Sport im Park

Entspannen und Atmen nicht vergessen!

Yoga im Park der Freizeitanlage des SSB: da ist eine Menge Spaß dabei.

Yoga im Park der Freizeitanlage des SSB: da ist eine Menge Spaß dabei.

Foto: Christoph Wojtyczka / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Die SSB-Reihe Sport im Park bietet Gesundes an der frischen Luft. Dazu gehört ohne Frage Yoga für Einsteiger. Ganz ohne Druck.

„Sport im Park“ – kostenloses Kennenlernangebot im Freien. „Tolle Sache“, denke ich mir, kann man doch mal mitmachen. Yoga – mit einer leichten Prise Fußballerarroganz melde ich mich und schweife gedanklich natürlich sofort ab in alle mir bekannten Yoga-Stereotypen.

Da bin ich also. Die mit Spinnweben verzierte Matte aus dem Keller unter den Armen stehe ich bereit. Yoga, immerhin nicht als einziger Mann. Der Vorsitzende der TSK Schwarz-Gold, Jürgen Graupe, will sich angucken, was sein Verein hier so anbietet.

Handy aus der Tasche, Uhr abgelegt, einmal die Knochen knacken lassen – ich bin bereit; dachte ich. Seit der E-Jugend, lockere 20 Jahre, spiele ich Fußball. Hielt mich für einen Sportler, wenn auch leicht aus der Form gekommen. Jetzt hier am Freizeitgelände des Stadtsportbundes ist auch die ironische Schutzhaltung passé. Hilft mir ja nix, jetzt muss ich mithalten, bloß nicht blamieren. Schnell schon mal ein paar Ausreden zurechtlegen, schließlich bin ich ja mitten in der intensiven Saisonvorbereitung, um auch im kommenden Jahr wieder mit den budgetsprengenden Profischuhen in der Kreisliga C um die goldene Ananas zu spielen.

Ganz langsam anfangen

„Mach dir mal keine Sorgen, wir fangen ganz langsam an“, holt mich Jona aus meinen Gedanken. Sie leitet den Kurs jeden Mittwoch und hat offenbar ein ganz gutes Gespür für die anfängliche Unsicherheit bei Neulingen. Also macht sie erst einmal vor. Matte ausrollen, Schuhe ausziehen, Socken gleich hinterher. „Ist zwar heute nicht das beste Wetter, wer möchte, kann die Schuhe auch anlassen“ – jeder wie er mag.

Während ich mich schon innerlich darauf vorbereite vom „Kranich“ in die „verkrampfte Krähe“ zu verfallen, geht es erst einmal mit dem Atmen los. „Einatmen – Arme nach oben – Ausatmen“, Jona guckt sich ihre Teilnehmer erst einmal genau an. Ein paar waren letzte Woche schon da, ein paar sind heute das erste Mal da.

Jeder kümmert sich um sich

„Wir machen heute den ersten Sonnengruß“, kündigt sie an. Während mir klar wird, dass es am Ende wohl doch ernst wird, fangen wir mit dem Auflockern an. Arme in die Luft und wie die Äste eines Baumes schwingen lassen. Unweigerlich kommt der Blick in die Runde; wer mustert mich und erkennt spätestens jetzt, dass ich wohl selbst mit Ball am Fuß nur ein Mindestmaß an Sportlichkeit ausstrahle. Antwort: Niemand. Alle sind mit sich selbst beschäftigt, ein paar Leidensgenossen blicken mit der selben Unsicherheit um sich, die Erfahrenen kümmern sich um die Rhythmik und um ihre Atmung.

„Atmen nicht vergessen“, holt mich Jona wieder aus meinen Gedanken und ich da merke ich erst, dass ich das völlig vergessen habe. Die Arme gehen wieder runter, die Atmung synchron dazu, ich hänge noch locker drei Atemzüge hinterher. „Wer möchte kann auch die Augen schließen“, gibt mir Jona nun tatsächlich das Werkzeug, um mich endgültig einzulassen. „Jeder muss seine Schritte in seinem Tempo machen“, erklärt sie mir im Nachgespräch, im Kurs verspricht sie, „am Ende werdet ihr das alle schaffen.“ Die geschlossenen Augen helfen, ich bin in der Lage meine Umgebung auszublenden und mich endgültig einzulassen.

Dem Körper Gutes tun

Keine Ironie, keine Arroganz, nicht mal Esoterik – ich spüre, dass ich meinem Körper gerade etwas Gutes tue und auch Muskeln belaste, die am Schreibtisch oder bei der Grätsche im eigenen Sechzehner eher verkümmern. „Macht nicht zu viel. Wenn ihr merkt, dass es spannt, dann entlastet lieber. Wir machen das langsam, jeder soll mitmachen und sich nicht verletzen. Das bringt nichts und ihr werdet gleich schon merken, dass ihr beweglicher seid.“

Und wieder hat sie völlig recht. Schon im nächsten Durchlauf bin ich viel entspannter, im Kopf wie auch im Körper. Ich mache einfach mit und klappt mal was nicht auf Anhieb, na dann versuche ich es beim nächsten Mal. Kein Druck, einfach machen, wie alle anderen auch. Der Rest der Stunde vergeht wie im Flug. Ich kann die „Kobra“, wenn auch in abgeschwächter Form. Selbst die „Brücke“, den „Hund“ und am Ende sogar den „Sonnengruß“, eigentlich „Surya Namaskar“ genannt.

Mit gewissem Stolz schaue ich nun auf meine Übungsleiterin und fühle mich doch wieder völlig unsportlich. „Als ich das bei einem Yogi gelernt habe, dachte ich auch nur ‘ey mach mal halblang’“, lacht Jona.

Bei ihr ist alles deutlich entspannter: „Jeder soll doch auch Spaß dabei haben und was Positives für sich mitnehmen.“ Kein schlechtes Gefühl, jeder wie er kann. Nur das Atmen habe ich natürlich immer noch vergessen.

Aber wer weiß, vielleicht bekomme ich das ja kommenden Mittwoch in den Griff, denn da bin ich wieder da, ohne Spinnweben an der Matte.

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